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Zwölf Euro für ein Eis und schlechte Bewertungen – trotzdem stehen alle an diesem Laden an

Дата публикации: 20-08-2026 18:54:47

An einer bekannten Eisdiele in Italien stehen sich die Menschen die Beine in den Bauch. Dabei ist der Laden sehr schlecht bewertet. Warum funktioniert der Hype trotzdem?

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Eine Eisdiele, die Zehntausende Follower hat, die in sozialen Medien gehypt wird und die dennoch extrem schlechte Bewertungen auf Portalen wie Google und Tripadvisor verzeichnet – wie kann das sein?

Im Fall von Il Pianeta del Gelato, einem bekannten Eisladen an der italienischen Amalfiküste, lässt sich das Phänomen besonders gut nachvollziehen.

Mehr als 1000 Google-Rezensionen sprechen zunächst eine deutliche Sprache. Bei mageren 1,8 Sternen muss man davon ausgehen, dass die Mehrheit der Kunden extrem unzufrieden war. „Sehr enttäuschende Erfahrung. Die Mitarbeiter waren leider sehr unfreundlich“, schreibt eine Besucherin. Man fühle sich als Gast leider nicht willkommen, und dann auch noch das: „Ein Zitroneneis kostet zwölf Euro!!“

Ein Geschäftsmodell vor schöner Kulisse

Ein Local Guide geht etwas mehr ins Detail: „Die Amalfiküste hat die Gabe, alles schöner erscheinen zu lassen, als es ist. Das Licht, die Klippen, die Farbe des Wassers – die Kulisse lässt alles, was sich darin befindet, gleich viel besser wirken. Il Pianeta del Gelato versteht das perfekt und hat ein Geschäftsmodell darauf aufgebaut.“

Der Clou ist die Präsentation der hauseigenen Spezialität: Zitroneneis, serviert in einem Keramikboot, das den traditionellen Fischerbooten der Amalfiküste nachempfunden ist. Viral geht aber vor allem das Sorbet, das direkt in einer ausgehöhlten Amalfizitrone serviert wird.

Es ist zweifellos ein äußerst fotogenes Motiv. Die Keramik ist hübsch, und das Ganze ergibt vor der Kulisse der berühmten Piazza und der viel besuchten Amalfiküste ein hübsches Selfie.

Auch das Eis selbst sei in Ordnung, sagt der Local Guide, aber nichts, was den Geschmack revolutionieren würde: „An der Amalfiküste, umgeben von Zitronenhainen, die einige der besten Zitrusfrüchte Italiens liefern, ist ‚in Ordnung‘ eher eine verpasste Chance als ein Kompliment.“ Dazu komme ein Service, der schon so viele Touristen abgefertigt habe, dass es eigentlich völlig egal sei: „Man ist nur wegen des Fotos da. Das wissen sie. Das weiß jeder.“

Tatsächlich sieht man auf Bildern des Eisladens immer wieder Menschen, die lachend nur darauf warten, sich und andere mit dem viralen Zitronensorbet abzulichten.

Liest man die Kommentare auf Tripadvisor, wundert man sich dennoch, dass die Schlangen im Laden, der nur wenige Gehminuten vom Domplatz in Amalfi entfernt liegt, so lang sind. Von einer „absolut traumatisierenden“ Erfahrung ist da die Rede, von wässrigem Gelato und unverschämten Preisen.

Die meisten Menschen meiden Orte, Läden oder Restaurants, die unter vier oder gar unter drei Sterne haben. Doch im Falle von Il Pianeta del Gelato schlagen die Millionenklicks auf Plattformen wie TikTok und Instagram die schlechten Rezensionen. Videos vom auffälligen Zitroneneis gehen im Netz steil und machen den Laden zu einem Pflichtstopp für Touristen. Der eigene Social-Media-Kanal der Diele, auf dem smarte Kellner lächelnd Eis servieren, tut sein Übriges.

Immer neue Influencer-Berichte verstärken den Hype um die Eisdiele nur noch. So war auch die Reise- und Food-Influencerin Yulia Slavinskaya kürzlich da und fragte über ihren reichweitenstarken Kanal thisisyules, was denn die schlechteste Eisdiele der Welt wohl könne.

Auch sie reihte sich also in die Schlange ein und schaute zu, wie das weiße Sorbet „ziemlich liebevoll“ in die ausgehöhlte Zitrusfrucht gedrechselt wird. Doch ist das „schicke Teil“ denn nun die zwölf Euro wert?

Ja, es sei überteuert, sagt Slavinskaya, „aber es schmeckt richtig lecker.“ Sie sei eigentlich bereit gewesen, das gehypte Eis zu hassen, doch auch wenn es wahrscheinlich eine Mega-Touristenfalle sei: Sie würde sich das Sorbet noch mal holen. Denn ähnliche Angebote in anderen Eisdielen hätten lange nicht so gut ausgesehen.

Tatsächlich gibt es das berühmte Social-Media-Sorbet in der ausgehöhlten, gefrorenen Riesen-Zitrone auch andernorts an der Amalfiküste, aber auch am Gardasee im Touristenort Limone sul Garda oder in Florenz.

Der Hype erinnert an andere eiskalte Netzphänomene, die ihre große Zeit aber bereits hinter sich haben. Nach dem Hype um die Dubai-Schokolade etwa tauchte plötzlich überall Dubai-Eis mit Pistazie, Schokolade und Engelshaar auf. Im Sommer 2025 war die Sorte in vielen Eisdielen auch in Berlin zu finden.

Im hohen Norden Deutschlands wurde vor zwei Jahren das Ufo-Eis zum Trend. Ein sehr schönes Beispiel für einen Social-Media-Hype: Eine Kugel Eis wird zwischen zwei Brioche-Hälften gepresst und kommt dann in eine Presse. Zuvor gab es bereits den Ufo-Döner.

Doch während die meisten Trends genauso schnell verschwinden, wie sie gekommen sind, gibt es auch einige, die nicht wieder weggehen. Das berühmte Spaghettieis zum Beispiel, 1969 in Deutschland erfunden, ist längst zum Eisdielen-Klassiker geworden. Und auch das japanisch inspirierte Mochi-Eis, das vor allem über Instagram, TikTok und den asiatischen Food-Trend populär wurde, hat sich inzwischen relativ dauerhaft im Supermarkt- und Gastronomiebereich etabliert.

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