Der Krieg im Mittleren Osten hat eine globale Energiekrise ausgelöst. Obwohl Deutschland nicht direkt betroffen ist, steigen die Preise für Kraftstoffe, Heizöl und Gas. Die Politik zögert, doch das Zögern könnte teuer werden.
Wegen des Iran-Krieges sind die Kraftstoffpreise in den vergangenen Wochen stark gestiegen.
Foto: Michael Brandt/dpa/Michael BrandtKolumne | Mannheim · Der Krieg im Mittleren Osten hat eine globale Energiekrise ausgelöst. Obwohl Deutschland nicht direkt betroffen ist, steigen die Preise für Kraftstoffe, Heizöl und Gas. Die Politik zögert, doch das Zögern könnte teuer werden.
Der Krieg im Mittleren Osten hat eine globale Energiekrise ausgelöst – noch gravierender als die Krise 2022. Deutschland ist diesmal zwar nicht direkt betroffen, doch die Verwerfungen auf den internationalen Energiemärkten treiben auch hierzulande die Preise für Kraftstoffe, Heizöl und Erdgas in die Höhe. Gleichzeitig dürfte der Energiepreisschock die Inflation weiter anheizen und die deutsche Wirtschaft in eine Rezession drücken.
Die Politik scheint das Ausmaß der Krise noch immer nicht vollständig erkannt zu haben. Statt entschlossen zu handeln, zögert sie. Doch Zögern und Zaudern sind der falsche Ansatz: In Krisenzeiten muss die Politik entschlossen handeln, um die Menschen zu entlasten und die Wirtschaft zu stabilisieren. Zentrales Instrument der Krisenpolitik sollte eine wirksame Energiepreisbremse sein, die die gesamte Energiepalette umfasst: Kraftstoffe, Heizöl, Gas und Strom. Eine solche Maßnahme würde das Problem an der Wurzel packen und den Energieschock frühzeitig abfedern.
Viele Ökonominnen und Ökonomen lehnen Preiskontrollen wie Energiepreisbremsen grundsätzlich ab, weil diese vermeintlich ineffizient seien. Diese Analyse greift jedoch zu kurz. Richtig ausgestaltete Preisbremsen sind in Krisenzeiten ökonomisch effizient, weil sie Überreaktionen der Energiemärkte dämpfen und die Spielräume für krisenbedingten Preiswucher einengen.
Die Ampelregierung hat im Jahr 2022 zu lange mit der Einführung der Gas- und Strompreisbremse gezögert – nicht zuletzt, weil der ökonomische Mainstream einer solchen Maßnahme kritisch gegenüberstand. Die daraus entstandene Verunsicherung in der Bevölkerung hat die AfD unnötig gestärkt und zugleich der Wirtschaft geschadet. Deutschland benötigt jetzt dringend eine umfassende Energiepreisbremse, um größeren Schaden von Wirtschaft und Gesellschaft abzuwenden.
Unser Autor ist Professor für Makroökonomik an der Universität Mannheim und Mitglied der Mindestlohnkommission. Er wechselt sich hier mit der Ökonomin Ulrike Neyer, dem Wettbewerbsökonomen Justus Haucap und dem Energieökonomen Manuel Frondel ab.
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