Wer sich 20 Jahre Einspeisevergütung sichern will, muss jetzt schnell sein. Finanztip verrät, für wen sich eine neue PV-Anlage noch lohnt.
Eine Solaranlage kaufen, den eigenen Strom produzieren und mit dem nicht selbst genutzten Strom Geld verdienen: Das wird sich in Zukunft voraussichtlich weniger als bisher lohnen. Das Bundeskabinett will die Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen abschaffen. Der endgültige Beschluss der Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) im Bundestag steht zwar noch aus. Doch wer sich für eine Solaranlage interessiert, sollte sich mit den geplanten Änderungen auseinandersetzen – und womöglich jetzt noch handeln, erklärt der Geldratgeber Finanztip.

Wer seine PV-Anlage bis Ende dieses Jahres in Betrieb nimmt, sichert sich die aktuelle Einspeisevergütung. Sie garantiert 20 Jahre lang 7,7 Cent für jede überschüssige Kilowattstunde Solarstrom. Dieses Geld ist nur ein Kostenausgleich – Gewinn machen Hausbesitzerinnen und -besitzer nicht mit Stromüberschüssen, sondern indem sie möglichst viel ihres eigenen Strombedarfs mit dem erzeugten Solarstrom decken. Dennoch summiert sich die Einspeisevergütung innerhalb von 20 Jahren oft auf ein paar Tausend Euro. Fällt sie weg, kann das die Rentabilität bestimmter Anlagen empfindlich verschlechtern.
Für neue Anlagen, die nach dem 1. Januar 2027 in Betrieb gehen, ist anstelle der staatlich geförderten Einspeisevergütung eine Übergangszahlung vorgesehen. Sie wird nur drei Jahre lang gezahlt und beträgt 5,2 Cent pro Kilowattstunde. Finanztip hat berechnet, wie sich das für einen Haushalt mit E-Auto und einer PV-Anlage in heute üblicher Einfamilienhausgröße auswirkt. Geht die Anlage 2027 anstatt 2026 in Betrieb, verliert der Haushalt durch die geringere Übergangszahlung allein in den ersten drei Jahren rund 444 Euro.
Noch entscheidender ist, was nach den drei Übergangsjahren passiert. Spätestens dann müssen Anlagen in die Direktvermarktung: Der Solarstrom wird über einen privaten Anbieter zum schwankenden Börsenpreis verkauft. Das erhöht den Anreiz, die Einspeisung in Stunden mit hoher Stromnachfrage und höheren Strompreisen zu verschieben. Noch wichtiger als bisher schon wird es, möglichst viel des erzeugten Stroms vor Ort selbst zu verbrauchen. Dadurch sparen sich Haushalte den teuren Strom aus dem Netz, also oft 25 bis 30 Cent pro Kilowattstunde.
Für beides – Erhöhung des Eigenverbrauchs und Verschiebung der Einspeisung – wird ein Batteriespeicher zwingend benötigt. Er gehört zur PV-Anlage ab 2027 auf jeden Fall dazu. Aber auch unter diesen neuen, komplizierteren Bedingungen können sich neue Dachanlagen lohnen – vor allem für Haushalte mit hohem Stromverbrauch, etwa durch E-Auto und Wärmepumpe.
Neue PV-Anlage: Lohnt sie sich bei mittlerem Stromverbrauch?Noch offen ist nach Einschätzung von Finanztip allerdings, wie schnell sich die Direktvermarktung als massentaugliches Einspeisemodell etablieren kann. Noch ist sie ein Nischenprodukt weniger Anbieter. Sie setzt einen intelligenten Stromzähler und reibungslose Anmelde- und Abrechnungsprozesse zwischen Direktvermarkter und örtlichem Netzbetreiber voraus – in vielen Regionen gibt es hier großen Nachholbedarf.

Wer ohnehin eine PV-Anlage plant, sollte sie laut Finanztip noch 2026 installieren lassen.© iStock | photoschmidt
Laut Finanztip-Recherchen liegen die Direktvermarktungskosten bei Anlagen auf Hausdächern derzeit bei über hundert Euro im Jahr. Das frisst einen Teil der Erlöse auf. Offen ist, ob und wie stark die Kosten in den nächsten Jahren sinken. Der aktuelle Regierungsentwurf sieht für solche Anlagen einen vierjährigen Direktvermarktungsbonus von 1,5 Cent pro Kilowattstunde vor. Diese kleine Anschubhilfe dürfte kaum verhindern, dass sich PV-Anlagen auf vielen Häusern mit eher mittlerem Stromverbrauch künftig nicht mehr lohnen.
Damit rechnet offenbar auch das Bundeswirtschaftsministerium: „Bei PV fokussieren wir stärker auf Freiflächenanlagen. Denn mit den Skalierungseffekten dieses Segments kann Dach-PV nicht mithalten“, schreibt die Presseabteilung von Ministerin Katherina Reiche (CDU) dazu.
Photovoltaik installieren: Finanztip empfiehlt diese SchritteWer schon länger eine PV-Anlage plant, sollte sie nach Möglichkeit noch dieses Jahr ans Netz bringen. Dafür muss man jetzt starten: Allein für Vor-Ort-Termine, Angebotserstellung und Entscheidung sollten Sie vier Wochen einplanen. Danach dauert es oft noch mehrere Wochen, bis die Anlage auf dem Dach installiert wird. Der möglicherweise größte Bremsklotz ist aber der örtliche Netzbetreiber: Je nach Region dauert die Anmeldung der Anlage dort mehrere Wochen – oder auch ein paar Monate.
Finanztip rät, verbindliche Angebote von mindestens drei, besser fünf Fachbetrieben einzuholen und zu vergleichen. Als Faustregel gilt:
Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Deutschlands führender Geldratgeber für Verbraucher ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung.
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