Sechs Millionen Solaranlagen speisen in Deutschland Strom ins Netz – doch was passiert damit wirklich?
Was passiert mit meinem eingespeisten Solarstrom?
01.08.2026Lesedauer: 4 Min.

Eine PV-Solar- Anlage auf einem Hausdach: Was passiert mit dem Strom, wenn er eingespeist wird? (Quelle: IMAGO/imago)
Jede Woche beantwortet ein Experte aus der t-online-Ratgeberredaktion eine Leserfrage rund ums Geld. Heute geht es um die Verwertung von Solarstrom.
In Deutschland sind im Jahr 2026 sechs Millionen Solaranlagen auf Hausdächern installiert. Jede einzelne davon trägt dazu bei, den Strom grüner zu machen und zu einem den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen. Im ersten Quartal 2026 stammte mehr als die Hälfte (53 Prozent) des eingespeisten Stroms aus Wind, Solar, Biogasen und Wasserkraft.
Wer noch bis zum Ende des Jahres 2026 eine Solaranlage installiert, bekommt für den Strom, den er ins Netz speist, eine feste Förderung. Das ist die sogenannte Einspeisevergütung. Sie wird ab 1. Januar 2027 allerdings abgeschafft, neue Anlagen erhalten in den Jahren 2027 bis 2030 eine Übergangs-Einspeisevergütung, bis sie in die Direktvermarktung wechseln können.
Doch was passiert eigentlich mit dem Solarstrom, den die Solarbesitzer nicht selbst verbrauchen und ins Netz einspeisen? Ein t-online-Leser hat sich das angesichts der geringen Einspeisevergütung gefragt und will wissen: "Wird der Strom zum Normalpreis weiterverkauft?"
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Die Antwort auf diese Frage ist komplex. Kurz gesagt aber: Nein, so funktioniert das nicht. Der Strom wird zwar an der Strombörse verkauft, aber nicht immer zum selben Preis, sondern viertelstündlich je nach Angebot und Nachfrage. Manchmal ist der Solarstrom so günstig, dass der Staat im Vergleich zur gezahlten Einspeisevergütung Verluste macht – diese werden vom Steuerzahler beglichen. Aber der Reihe nach:
Der eingespeiste Strom wird vom örtlichen Netzbetreiber (=Verteilnetzbetreiber) aufgenommen und an die Stromabnehmer verteilt. Rein physikalisch gesehen fließt er an den nächstgelegenen Verbraucher, der zum Zeitpunkt der Einspeisung Strom benötigt – das kann zum Beispiel der direkte Nachbar oder ein benachbartes Unternehmen sein. So werden die Transportwege minimiert und lange Strecken möglichst vermieden. Die Koordinierung der überschüssigen Strommengen übernimmt der Netzbetreiber. Der Verteilnetzbetreiber zahlt auch die Einspeisevergütung für den überschüssigen Strom aus.
Der Verteilnetzbetreiber vermarktet diesen Strom aber nicht. Sobald er Ihre Solaranlage verlässt und in das öffentliche Netz gelangt, gehört er niemandem mehr und wird auch nicht so erfasst. Es wird genauso behandelt wie jeder andere eingespeiste Strom: Ob aus einem Kohlekraftwerk oder einem Windpark oder aus vielen kleinen Solaranlagen, alles wird an einem europäischen Markt gehandelt.
Übertragungsnetzbetreiber erfassen Solarstrom für die BörseDer Solarstrom von privaten PV-Anlagen wird von den Übertragungsnetzbetreibern (das ist eine Ebene höher als die Verteilnetzbetreiber) verkauft oder genauer: bilanziert. Dabei wird nicht der Strom von jedem einzelnen Solarbesitzer einzeln bilanziert, sondern in einem sogenannten Bilanzkreis. Das kann man sich wie ein Bankkonto vorstellen: Die Ein- und Ausspeisung von Energieanlagen in einem Bilanzkreis wird viertelstündlich dokumentiert. Die Übertragungsnetzbetreiber müssen sicherstellen, dass das Bankkonto jederzeit ausgeglichen ist. Dazu muss jeder Bilanzkreisverantwortliche täglich eine Prognose aufstellen, wie sein eigener Bilanzkreis am nächsten Tag im 15-Minuten-Takt aussehen wird. Daran können die Marktteilnehmer erkennen, ob in einem bestimmten Zeitfenster viel oder wenig Einspeisung oder eine hohe oder niedrige Abnahme erwartet wird. Auf Basis dieser Prognose wird der Strom dann an der Börse gehandelt.
Der Strom aus einem Bilanzkreis wird so für jede Viertelstunde in einzelnen Tranchen verkauft, zusammen mit Strom aus anderen Erzeugungsanlagen. Der Preis für diesen Strom kann über den Tag verteilt sehr unterschiedlich ausfallen: Manchmal liegt der Strompreis an der Börse bei 200 Euro/Megawattstunde, mal fällt er ins Negative und kostet -10 Euro/MWh. Das ist besonders häufig bei Solarstrom in den Mittagsstunden der Fall. Da bis zu sechs Millionen Anlagen an einem sonnigen Tag gleichzeitig Strom ins Netz speisen, fallen die Preise zu diesen Zeiten besonders stark. Im Mai gab es einzelne Tage, an denen der Strom auf -500 Euro/MWh fiel, da so viel Solarenergie eingespeist wurde.
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Bei Anlagen, die die EEG-Förderung bekommen, werden die Einnahmen aus dem Verkauf an der Strompreisbörse im sogenannten EEG-Konto mit der gezahlten Einspeisevergütung verrechnet. Wenn dieses Konto am Monatsende im Minus ist, dann wird es durch Steuergeld aus dem Bundeshaushalt wieder ausgeglichen. 2025 hat das insgesamt 19 Milliarden Euro gekostet.
Bis 2022 haben sich alle Stromkunden mittels der EEG-Umlage an diesem System beteiligt. Um die Stromrechnung in der Energiekrise zu senken, hat der Staat diese Aufgabe übernommen.
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Es mag Solarbesitzern so vorkommen, als würden sie für ihren Strom nur ein paar Cent bekommen, verglichen mit dem Strom aus dem Netz ist die Einspeisevergütung sehr mickrig. Doch dieser Blick greift zu kurz, denn:
All dies bekommen Solareigentümer selbst nicht mit, das läuft alles geräuschlos im Hintergrund. Am Ende sind sie aber die Gewinner des Systems: Die eigene Stromrechnung sinkt merklich und für den Strom bekommen sie oft mehr Geld, als er eigentlich wert wäre.