Eigentlich sollte die Heide jetzt lila blühen – doch vielerorts dominieren Braun und Grau. Schuld ist der Heideblattkäfer, der sich an ihr satt frisst. Wird der Befall zum echten Problem?
Hamburg
Blütenmeer? Von wegen! Käfer frisst riesige Flächen von Hamburgs Heide kahlBraun statt Lila: Der Heideblattkäfer knabbert die hübsche Blüte in der Fischbeker Heide ab. Maik Koltermann
Eigentlich sollte die Heide jetzt lila blühen – doch vielerorts dominieren Braun und Grau. Schuld ist der Heideblattkäfer, der sich an ihr satt frisst. Wird der Befall zum echten Problem?
Wo sonst im August ein prächtiges lila Blütenmeer Spaziergänger begeistert, bietet sich in diesem Sommer ein trauriger Anblick: Die Heide ist vielerorts braun und grau. Schuld daran ist ein winziger Käfer, der Blüten und Blätter abfrisst. Rund 80 Prozent der Fischbeker Heide sind betroffen, sagt Amira Elatawna der MOPO. Sie ist Leiterin des Fischbeker Heidehauses der Loki Schmidt Stiftung. Wie gefährlich der Befall wirklich ist, welche Rolle der Klimawandel spielen könnte – und warum Experten trotzdem Hoffnung haben.
Heide-Besucher müssen schon ganz genau hinschauen, um den unscheinbaren beigen Käfer zu entdecken, doch die Folgen seines Treibens sind umso sichtbarer: Der Heideblattkäfer frisst Blüten, Blätter und Triebspitzen des hübschen Heidekrauts, auch seine Larven machen sich über die Pflanzen her.
Hamburg: Der Käfer ist kein UnbekannterDabei ist er kein neuer Bewohner der Landschaft. Er gehört zur Heide, kann sich unter günstigen Bedingungen aber massenhaft vermehren. Schon im vergangenen Jahr hatte er sich in der Region stärker ausgebreitet, vor allem in der Wulmstorfer Heide. Dieses Jahr sei es aber deutlich stärker, so die Umweltbehörde. Die Käfer überwintern in der Streu- und Moosschicht am Boden. Warum sie sich manchmal besonders stark vermehren, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Feuchte und warme Frühlinge und Sommer scheinen ihnen gut zu tun, in diesem Jahr könnte zudem die Schneedecke im Winter die Tiere vor Frost geschützt haben.
Amira Elatawna ist Leiterin des Fischbeker Heidehauses der Loki Schmidt Stiftung. Fischbeker Heidehaus/ Loki Schmidt Stiftung
Die gute Nachricht: „Der Käfer ist eine heimische Art und gehört zum Ökosystem“, sagt Amira Elatawna. Seine massenhafte Vermehrung trete in bestimmten Jahren immer wieder auf. „Normalerweise reguliert sich das wieder, denn er frisst seine eigene Nahrung ab und fördert indirekt seine Fressfeinde.” So kann seine Population im kommenden Jahr schon wieder geringer ausfallen. Zudem sei sein Wirken nicht nur schlecht: „Weil er besonders Altbestände abfrisst, kann Heidekraut danach frisch nachwachsen und sich die Heide so verjüngen”, erklärt Elatawna. „In diesem Jahr sieht es traurig aus, aber in den nächsten Jahren kann die Blüte umso schöner werden.“ Zudem verschaffe er anderen Pflanzen die Chance, sich zu entwickeln, und könnte so indirekt für mehr Diversität sorgen.
Fischbeker Heide: So geht es dem Käfer an den KragenTrotzdem will die Umweltbehörde tätig werden und dem Käfer im Herbst und Winter buchstäblich der Boden unter den Füßen entziehen: Beim sogenannten Schoppern werden oberflächliche Pflanzenreste, die Moosschicht und die obersten Zentimeter des Bodens abgetragen, erklärt ein Sprecher. Damit verschwinden auch die Käfer, die dort inaktiv überwintern. Das Heidekraut kann danach wieder wachsen. Die Fischbeker Heide werde ohnehin regelmäßig geschoppert, so die Behörde. Für den kommenden Herbst laufe derzeit die Ausschreibung. Langfristig soll die Heide auch dadurch resilienter werden, dass mehr Pflanzen unterschiedlichen Alters in ihr wachsen.
Doch reicht das, um die Fischbeker Heide langfristig zu schützen? Die SPD vermutet hinter den wiederholten Schäden eine größere Entwicklung – und ist um die Zukunft der Heide besorgt. „Es scheint in den vergangenen Jahren eine Zunahme von Häufungen des Befalls zu geben und ein Zusammenhang mit dem Klimawandel ist durchaus plausibel“, sagt der Umweltfachsprecher und Vorsitzende der SPD Neugraben-Fischbek, Daniel Thewes.
„Der Klimawandel kann eine Rolle spielen und wirkt sich insgesamt auf die Heide aus, doch die Vermehrung des Käfers wird durch viele Einflüsse bestimmt“, sagt dazu Elatawna. „Wir beobachten die Entwicklung. Zurzeit setzen wir darauf, dass es sich wie in der Vergangenheit natürlich reguliert.“ Falls Schoppermaßnahmen und natürliche Reaktionen des Ökosystems nicht ausreichen, müssten jedoch weitere Untersuchungen und Maßnahmen folgen.
Bis dahin heißt es für Spaziergänge also abwarten und den Anblick der braunen Heide nicht zu schwer zu nehmen. Etwas falsch machen können sie jedenfalls nicht: Der Käfer beisst oder sticht nicht und ist für Mensch oder Tiere ungefährlich.
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