Fahrbericht Kia K4 1.6 T-GDI: 180 PS, GT-Line und markantes Design. FOCUS online testet Verbrauch, Fahrwerk, Komfort und Kosten des Kompaktwagens.
Der neue Kia K4 gilt als wahrscheinlicher Nachfolger des Ceed in der Kompaktklasse und will mit mutigem Design und solider Technik punkten. Wie schlägt sich der 180 PS starke Kompakte im Alltagstest von FOCUS online?
Der Kompaktwagenmarkt sortiert sich neu. Wo einst der Ceed unaufgeregt seine Runden drehte, steht jetzt der Kia K4. Ein Auto, das optisch provoziert, unter dem Blech aber auf klassische Verbrennertechnik setzt. Ein Fahrbericht über 180 PS, kantiges Design und knallharte Kalkulation.
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Der optische Auftritt des K4 erfordert erst einmal Gewöhnung. Wo der Ceed im Alltag fast unsichtbar blieb, setzt der K4 mit 4,44 Metern Länge und 1,85 Metern Breite auf radikale Kanten. Die vertikalen LED-Scheinwerfer im sogenannten "Starmap"-Design und die flach auslaufende Dachlinie verleihen der Schräghecklimousine eine beachtliche Präsenz. In der hier getesteten GT-Line unterstreichen großflächige, glänzend schwarze Applikationen an Front und Heck diesen extrovertierten Charakter. Der versteckte Heckscheibenwischer unter dem Dachspoiler ist dabei ein cleveres Detail: Er kann weniger anfällig für Vereisung sein und stört die Linienführung nicht.
Einmal eingestiegen, löst sich die futuristische Härte des Exterieurs in ein großzügiges Raumgefühl auf. Der lange Radstand von 2720 mm sorgt dafür, dass selbst Passagiere jenseits der 1,85 Meter im Fond ordentlich Platz finden. Die GT-Line-Sitze mit ihren weißen Akzenten bieten guten Seitenhalt, könnten im Alter aber gräulich verfärben. Lobenswert: Kia verzichtet im Cockpit weitgehend auf kratzempfindliche Hochglanzflächen und setzt stattdessen auf matte, sauber verarbeitete Oberflächen und angenehme Soft-Touch-Materialien. Der Kofferraum fasst alltagstaugliche 438 Liter, mit umgeklappten Rücksitzen bis zu 1217 Liter.
Hinter dem sportlich abgeflachten Lenkrad erstreckt sich eine durchgehende Displaylandschaft. Das digitale Cockpit verbindet Instrumentenanzeige und zentrales Infotainment nahtlos. Dazwischen platzierten die Ingenieure ein separates, kleineres Display für die Klimaanlage – ein ergonomisch sinnvoller Kniff. Kia widersteht dem Trend, alles in Untermenüs zu verbannen. Unter den Bildschirmen sitzt eine physische Lautstärkeregelung, flankiert von echten Tasten für Infotainment und Klimaanlage.
Die Software läuft flüssig, die Menüs erschließen sich ohne Handbuchstudium. Apple CarPlay und Android Auto lassen sich kabellos einbinden. Für Vielfahrer besonders praktisch: Den lästigen EU-Geschwindigkeitswarner deaktiviert man per langem Druck auf die Stummschalttaste – kein Suchen während der Fahrt.
Unter der Haube arbeitet ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 132 kW (180 PS) und 265 Nm maximalem Drehmoment. Kia verzichtet bei dieser Motorisierung komplett auf Elektrifizierung – kein Mild-Hybrid, kein schwerer Akku, ein Verbrennungsmotor nach klassischer Schule. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe leitet die Kraft an die Vorderräder.
Im Alltag gibt sich der Antrieb unaufgeregt. Im Normal-Modus fällt die Gaspedalannahme zäh aus, das Anfahren wirkt träge. Strengere Abgasnormen und knapp 1,4 Tonnen Gewicht fordern hier ihren Tribut. Im Sport-Modus ändert sich das Bild deutlich: Das Getriebe schaltet fixer, der Turbo schiebt den Kompakten agil nach vorn. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der K4 in rund 8,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Beim Verbrauch überraschte der Verzicht auf Elektro-Unterstützung kaum negativ: Im Test genehmigte sich der K4 im Schnitt 6,9 Liter auf 100 Kilometer – exakt der Herstellerangabe entsprechend. Wer viel Autobahn fährt, muss mit einer Sieben vor dem Komma rechnen. Bei einer Sparfahrt kamen wir aber sogar mit exakt 6 Litern auf 100 Kilometer aus.
Kia verbaut kein adaptives High-Tech-Fahrwerk, trifft mit der mechanischen Abstimmung aber einen guten Mittelweg. Der Wagen liegt satt auf der Straße, ohne übermäßig hart zu federn. Die Lenkung arbeitet präzise und vermittelt ausreichend Rückmeldung. Im Parkhaus agiert sie angenehm leichtgängig, bei höheren Geschwindigkeiten verhärtet sie spürbar. In schnell gefahrenen Kurven zeigt der K4 eine gutmütige, leicht kontrollierbare Tendenz zum Untersteuern über die Vorderachse – keine Überraschungen, kein Drama. Das Fahrverhalten insgesamt: sicher, unaufgeregt und langstreckentauglich.
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Die Zeiten, in denen koreanische Kompaktwagen primär über den Preis überzeugten, sind vorbei. Der Grundpreis für den K4 1.6 T-GDI DCT7 in der GT-Line beträgt 38.290 Euro. Der Testwagen kam mit mehreren Optionen auf insgesamt 42.340 Euro inklusive Mehrwertsteuer.
Über 42.000 Euro für ein Kompaktfahrzeug – das ist ein selbstbewusstes Wort. Und dann ist da noch Kias gewichtiges Argument: sieben Jahre Herstellergarantie bis 150.000 Kilometer, die beim Wiederverkauf echten Wert schafft.
Der neue Kia K4 macht Schluss mit der optischen Langeweile der alten Kompaktklasse. Unter dem futuristischen Blechkleid steckt ein reifes, klassisches Auto ohne Hybridkompromisse. Wer viel Platz sucht, eine intuitive Bedienung schätzt und mit dem markanten Design zurechtkommt, bekommt ein solides Gesamtpaket – abgesichert durch die 7-Jahres-Garantie. Der Preis ist allerdings kein Schnäppchen mehr.
Plus
Minus
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Technische Daten: Kia K4 1.6 T-GDI DCT7 FWD
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