Der neue MG4 EV Urban im Test bei FOCUS online: Viel Elektroauto, starke Serienausstattung und ein echter Kampfpreis unter 25.000 Euro. Hier lesen!
Erster Check des neuen MG4 EV Urban: Das Einstiegsmodell glänzt ab 24.990 Euro mit üppiger Serienausstattung und distanziert die teurere VW-Konkurrenz.
25.000 Euro – das scheint ein neues Maß im Autogeschäft zu sein. Zumindest, wenn es um Elektroautos im B-Segment geht. Volkswagen ruft den Preis für den neuen ID.Polo (24.995 Euro) auf, Cupra und Skoda nehmen für ihren Raval (ab 25.950 Euro) und den Epiq (ab 25.900 Euro) nur einen Tick mehr. Für ähnliche Beträge gibt es auch einen Citroën ë-C3 (ab 23.450 Euro), einen Kia EV2 (ab 26.200 Euro) oder Hyundai Inster (ab 24.400 Euro) – ohne dass der Staat Geld zuschießen muss.
Bei MG haben sie das Preisgefüge bei den europäischen Wettbewerber offenbar intensiv studiert – und ihren neuen, frontgetriebenen MG4 EV Urban mit einem Basispreis von 24.990 Euro exakt in der Mitte positioniert. Das klingt auf den ersten Blick für ein Elektroautos aus China nicht unbedingt für einen Knüllerpreis. Aber während die Konkurrenz nur Magerkost zu dem Preis offeriert und für Fahrerassistenzsysteme, Klimaanlage und andere sinnvolle Extras zum Teil saftige Zusatzzahlungen fordert, bietet der MG4 EV Urban eine bemerkenswerte Vollständigkeit: Ein „Rundum-sorglos-Paket“ bereits im Basispreis des Einstiegsmodells „Active“ inkludiert.
Schon die Einstiegsvariante Active lässt viele der sonst üblichen „Low-Budget-Kürzungen“ vermissen. Während man anderswo für Voll-LED-Scheinwerfer oder eine Rückfahrkamera tief in die Tasche greifen muss, liefert MG diese Features ab Werk. Auch Annehmlichkeiten wie die Klimaautomatik, ein schlüsselloses Zugangssystem, Leichtmetallräder und das Audio- sowie Navigationssystem sind bei jedem Urban-Modell an Bord – unabhängig von der gewählten Batteriegröße. Ein nicht zu unterschätzender Punkt im Alltag ist zudem die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L), die ebenfalls zur Serienausstattung gehört und den Stromer zur mobilen Powerbank macht.
Vor allem aber knausert der MG nicht bei Antriebsleistung und Batteriekapazität. Schon die 110 kW (143 PS) starke Basisversion des MG4 Urban kommt mit einem 43 kWh großen LFP-Akku daher, bei der 28.490 Euro teuren „Comfort“-Version ist ein 54 kWh großer Stromspeicher mit einem 118 kW (160 PS) starken Elektromotor kombiniert. Damit sind Reichweiten in der einen Version von 325, in der stärkeren von bis zu 416 Kilometer darstellbar. Zur Einordnung: Volkswagen ruft VW ID.Polo in der Version „Life“ mit 52 kWh-Akku bereits über 5000 Euro mehr (33.795 Euro) auf und kommt laut WLTP-Verbrauchsnorm nur 40 Kilometer weiter.
Wer den Blick auf die Konkurrenten wirft, erkennt schnell das strategische Kalkül der SAIC-Tochter. Während Marken wie VW oder Stellantis im Einstiegssegment oft über die Ausstattungslinien ihre Marge definieren oder Basismodelle „nackt“ anbieten, um unter der psychologischen 25.000-Euro-Marke zu bleiben, setzt MG beim Urban auf eine bewusst einfache, aber üppige Modellstruktur. Mit der Wahl aus drei Ausstattungslinien und sieben Außenfarben, die bei den gehobenen Versionen Comfort und Premium sogar ohne Aufpreis zur Verfügung stehen, bietet MG eine Transparenz, die man bei vielen europäischen Herstellern erst lange suchen muss.
MG hat sein neues Einstiegsmodell „Urban“ genannt, um es von der in Europa weiterhin angebotenen und etwas höher positionierten Fließhecklimousine MG 4 (ab 42.990 Euro) abzusetzen. Was aber nicht heißt – die Reichweitenangaben machen es bereits deutlich – dass der Urban nur für den Stadtverkehr geeignet wäre. Auf unserer ersten Ausfahrt durch München und Oberbayern zeigte der knapp 4,40 Meter lange Stromer in der Topversion „Premium“ (31.490 Euro) erfreuliche Vielseitigkeits-Qualitäten.
Mit einer komfortablen Fahrwerksabstimmung, einem trotz Frontantrieb kleinen Wendekreis (von 10,5 Metern), einem im „Sport“-Modus" durchaus dynamischem Antritt im Stopp-and-Go-Verkehr sowie einem Durchschnittsverbrauch von lediglich 13,7 kWh/100km bei frühsommerlichen Temperaturen. Das Platzangebot vorne wie hinten ist mehr als ausreichend. Und der Kofferraum mit einem Volumen von 568 Litern bei voller Bestuhlung nimmt mehr als nur die Wocheneinkäufe auf. In seinen Tiefen verschwindet nicht nur das Ladekabel, sondern sicher auch die eine oder andere Getränkekiste.
Feinstrukturierte Oberflächen und angenehme Bezugsstoffe sorgen im MG4 für hohe Aufenthaltsqualität, das Navigationssystem mit einer gestochen scharfen Optik und schöner Farbigkeit für eine klare Routenführung. Und das Geräuschniveau ist auch bei der Spitzengeschwindigkeit von 160 km/h auf der Autobahn erfreulich niedrig. Was will man mehr?
Nun ja, vielleicht eine höhere Ladeleistung: Mehr als 87 kW an einem Schnelllader sind derzeit nicht drin. Aber vielleicht ändert sich das ja noch: Bei einem Tech-Day im Frühjahr hatte MG für das Modell eine innovative Seme-Solid-State-Batterie angekündigt, die Ladevorgänge um wenigstens 15 Prozent beschleunigen soll. Statt wie aktuell nach 30 Minuten wäre der Akku dann schon nach gut 20 Minuten zu 80 Prozent wieder gefüllt. Wir sind gespannt, was uns MG da in diesem Jahr noch beschert.
Das Warten auf den neuen Batterietyp macht für Pfennigfuchser allerdings wenig Sinn: Zum einen, weil der neue Batterietyp – so viel hat MG bereits verraten – mit einer Preiserhöhung einhergehen wird. Zum anderen, weil der Importeur dann seinen EV-Bonus in Höhe von 6000 Euro einkassiert haben dürfte, der noch bis Ende Juni bei einem Barkauf des Fahrzeugs gewährt wird. Unabhängig übrigens davon, ob der Käufer zusätzlich die staatliche E-Auto-Förderung in Anspruch nimmt. Im Idealfall könnte ein nagelneuer MG4 EV Urban also schon für 12.990 Euro vor der Haustüre stehen. Die ersten Exemplare des neuen Modells stehen bereits bei den 183 MG-Händlern im Land – sie könnten schnell vergriffen sein.
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