Exklusiv für FOCUS online erhobene Daten der zeigen, welche Mineralölkonzerne am kräftigsten zulangen und warum sinkende Ölpreise noch kaum Effekt zeigen.
Exklusiv für FOCUS online erhobene Daten der App „Benzin.jetzt” zeigen, welche Mineralölkonzerne nach dem Wegfall des Tankrabatts am kräftigsten zulangen und warum sinkende Ölpreise noch kaum Effekt zeigen.
Der sogenannte Tankrabatt ist Geschichte. Schon bevor die Energiesteuer am 1. Juli wieder auf das alte Niveau erhöht wurde, knallten die Preise an deutschen Zapfsäulen massiv nach oben. Entsprechend sauer sind Millionen Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland.
Oliver Wagner von der Benzinpreis-App „Benzin.jetzt“ hat exklusiv für FOCUS online die Daten der letzten Tage ausgewertet. Es zeigt sich dabei ein klarer Trend. Während die Konzerne den Rabatt zwar weitergegeben haben, aber sehr zögerlich und nicht immer vollständig, haben sie dessen Ende mit voller Wucht eingepreist und den Autofahrern die Quittung serviert.
„Der zentrale Befund ist eindeutig und gilt für beide Kraftstoffe: Ausnahmslos alle Marken haben mindestens die volle weggefallene Steuer von 16,7 Cent zurückgeholt. Die große Mehrheit liegt im engen Band zwischen plus 17 und plus 21 Cent — also volle Steuer plus einen Vorzieheffekt“, so Wagner zu FOCUS online. Sein Team erhob die Daten aus einer repräsentativen Stichprobe von 610 Tankstellen im Bundesgebiet.
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Besonders eine Marke legte zu: „Aral als unser größter gemessener Anbieter (69 Stationen) liegt bei plus 21 Cent, Shell am unteren Rand mit rund 17 Cent plus. Aus dem Rahmen fällt allein Esso Hier war der Anstieg mit rund 28 Cent beim Diesel und rund 23 Cent beim Benzin deutlich größer, bei beiden Kraftstoffen der einzige echte Ausreißer nach oben“, so Wagner. Allerdings: Esso sei am 29. Juni noch die günstigste der großen Marken und am 1. Juli die teuerste gewesen. „Der Sprung ging also von einem ungewöhnlich niedrigen Ausgangsniveau aus, gemessen am Folgetag fällt der Aufschlag etwas kleiner aus“, so Wagner.
„Beim Wegfall wird die Steuer jetzt von allen Marken und bei beiden Kraftstoffen vollständig durchgereicht. Bei der Einführung im Mai kam sie dagegen nur unvollständig an — das ifo-Institut und die Monopolkommission stellten bereits fest, dass gerade beim Diesel nur etwa zwei Drittel weitergegeben wurde“, so der Experte weiter.
Bemerkenswert ist, dass die aktuellen Ölpreise eigentlich einen viel niedrigeren Benzin- und Dieselpreis bedeuten müssten. Denn auch wenn der Friedens-Deal zwischen dem Iran und den USA noch nicht ganz wasserdicht erscheint, gehen die Weltmärkte von einer Entspannung am Ölmarkt aus. Mit 72 US-Dollar pro Barrel liegt der Preis für die wichtige Sorte Brent fast auf dem Vorkriegsniveau im Januar 2026.
Allerdings wirken sich fallende Preise beim Rohöl immer erst mit wochenlanger Verzögerung auf die Zapfsäulen-Preise aus („Rakete-Feder-Effekt“). „Benzin.jetzt“ startete mit seinen Analysen erst im März vor Beginn des Tankrabatts und nach dem Beginn des Iran-Krieges. Trotzdem zeigen die Daten den Zusammenhang, der bitter für Autofahrer bleibt: „Zwischen Rohöl und Zapfsäule liegt der Großhandelspreis für den fertigen Kraftstoff — international gehandelt, Referenz ist Rotterdam.
Und der zeigt dasselbe Bild wie das Rohöl: Der Großhandels-Diesel ist über den Stichtag sogar gefallen, von rund 72 auf 67 Cent pro Liter (netto, ohne Steuer und Marge). Die Rohstoffseite wurde also billiger, während die Zapfsäule um 17 Cent stieg. Das ist ein klarer Beleg, dass der Sprung die zurückgekehrte Steuer ist und nicht etwa gestiegene Beschaffungskosten — mit denen ließe sich der Anstieg jedenfalls nicht begründen“, so der Experte.
Zur Wahrheit über die deutschen Spritpreise gehört aber auch: Man mag sich über die Abzocke der Mineralölkonzerne zurecht beschweren, an immer weiter steigenden Spritpreisen trägt jedoch die Politik eine erhebliche Mitschuld. Aktuell beeinflusst vor allem der Iran-Krieg die Ausschläge bei den Spritpreisen.
Sollte sich die Lage in Nahost stabilisieren, ist zwar nicht sofort, aber innerhalb der nächsten Monate mit weiter fallenden Ölpreisen und damit auch sinkenden Kraftstoffpreisen zu rechnen. Die Benzinpreis-Niveau steigt aber gerade in Deutschland tendenziell weiter. Das liegt an den diversen Steuern auf Kraftstoffe:
Mit diesen fünf Tipps sparen Sie jetzt an der Zapfsäule.
1. Vormittags tanken. Idealerweise zwischen 10 und 11 Uhr. Der günstigste Zeitpunkt ist direkt vor der 12-Uhr-Erhöhung. Die Preise sind dann am niedrigsten, weil sie seit dem Vorabend nur noch gefallen sein können.
2. Abends ab 20 Uhr als Alternative. Wer nicht bis zum nächsten Tag warten will, kann stattdessen ab 20 Uhr tanken. Die Ersparnis gegenüber dem Mittagspreis beträgt dann durchschnittlich 4,8 Cent pro Liter.
3. Preisvergleich nutzen. Da alle Tankstellen gleichzeitig um 12 Uhr erhöhen, aber unterschiedlich schnell danach senken, gibt es nachmittags größere Preisunterschiede als früher.
4. Nicht in Panik geraten. Der 12-Uhr-Sprung sieht dramatisch aus, ist aber kein Zeichen für eine Preisexplosion. Es ist die gebündelte Tageserhöhung, die früher über den ganzen Tag verteilt war.
5. Autobahntankstellen meiden. Der Autobahn-Aufschlag liegt im Schnitt bei 20 bis 30 Cent über dem Preis abseits der Autobahn. Bei 50 Litern sind das 10 bis 15 Euro Unterschied.
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