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Franckepark in Berlin: Ausstellung erzählt von Elfenbeinhandel

Дата публикации: 15-06-2026 06:51:00

Der Franckepark ist ein Großstadtidyll. Die Erben eines Elfenbeinhändlers haben das Grundstück vor etwa 100 Jahren Berlin geschenkt. Wo heute Rosen duften, wurden einmal Klaviertasten gebleicht. Eine Ausstellung erzählt davon.


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Franckepark in Berlin-Tempelhof Durchatmen, wo früher Elfenbein gebleicht wurde

Eine Rose blüht im restaurierten Rosengarten des Franckeparks (Quelle: rbb/Oliver Noffke)
Eine Rose blüht im restaurierten Rosengarten des Franckeparks (Quelle: rbb/Oliver Noffke)

Der Franckepark in Berlin-Tempelhof ist ein Großstadtidyll. Die Erben eines Elfenbeinhändlers haben das Grundstück vor etwa 100 Jahren der Stadt geschenkt. Wo heute Rosen duften, wurden einmal Klaviertasten gebleicht. Eine neue Ausstellung erzählt davon.

Lila Kugeln und weißgrüne Türmchen schweben über dem frischen Beet. Der Wind wiegt die Blüten der Zierlauchpflanzen und Glocken der Herzblattlilien. Junge Triebe von Busch- und Strauchrosen tupfen Flecken hinzu. Schneeweiß, zartrosa, blutrot auf dem Braun der lockeren Erde.

Ein Kleinkind, aufgedreht, weil es laufen kann, dribbelt über den Granit, der die Anlage wie ein Raster durchzieht. Klack-klack-klack, die Kinderschuhe. Amseln flöten in der Abendluft. Die Mutter immer zur Stelle, falls die Schritte wieder von einem Stolperer unterbrochen werden. Klack-klack-klack. Licht und Schatten tanzen auf dem Grund, Mauersegler zwitschern, die Blätter der gewaltigen Bäume schütten ihr Rascheln aus. Klack-klack-klack, plums. Glucksendes Gelächter.

Etwas abseits vom Getöse des Tempelhofer Damms eröffnet der Rosengarten den Franckepark. Seit Mai sprudelt im Zentrum des Rasters wieder ein Brunnen. Die Anlage wurde gerade renoviert. Vom Ursprung des Parks erzählt jedoch nichts. Bevor an dieser Stelle Rosen blühten, wurde hier Elfenbein gebleicht.

Als sich das Bürgertum Klaviere in die Wohnung holte

Das Gelände des Parks wird 1876 von dem Unternehmer Theodor Francke erworben, zu dieser Zeit ein aufstrebender Fabrikbesitzer. Zehn Jahre zuvor gründete Francke eine Elfenbein- und Furnierschneiderei. Schon sein Großvater hatte mit exotischen Hölzern gehandelt und Stoßzähne erlegter Elefanten importiert. Theodor Francke macht es ihm als Erwachsener nach und etabliert sich schnell als einer der führenden Elfenbeinhändler Berlins.

Der sogenannte "Ivory Floor" im Londoner Hafen (Quelle: Picture Alliance Achive Images) Der sogenannte "Ivory Floor" im Londoner Hafen (Quelle: Picture Alliance Archive Images)

In seiner Kreuzberger Dampfschneidemühle werden daraus Kämme gefertigt, Fächer oder Griffe für Messer, Regenschirme und Vitrinen. Vor allem wird Elfenbein aber genutzt, um daraus Klaviertastaturen und Billardkugeln zu schnitzen. Für ein Set aus 16 Kugeln brauchte es vier Elefantenstoßzähne, heißt es im Text zu einer neuen Ausstellung, die aktuell im Museum Tempelhof zu sehen ist [museen-tempelhof-schoeneberg.de].

"In den 1890er Jahren gab es einen regelrechten Klavierbauer-Boom", sagt Mirja Memmen. Die Historikerin ist eine der drei Kuratorinnen der Ausstellung. "Das Bürgertum holte sich Klaviere in die Wohnzimmer." Elfenbein habe zu dieser Zeit seinen Beinamen als "weißes Gold" erhalten. "Dieser Kontrast von reinem Weiß mit dunklen Edelhölzern auf den Tastaturen war sehr nachgefragt."

Woher das Unternehmen sein Elfenbein bezog, sei nur noch schwer nachzuvollziehen, sagt die Historikerin. "Firmen tauchen häufig gar nicht im Bundesarchiv oder in Landesarchiven auf", so Memmen. "Wenn sie selbst keine Dokumente überliefern, ist es relativ schwer, ihre Geschichte nachzuvollziehen. Dann umkreist man das Thema etwas."

Weite Flur südlich vom Tempelhofer Feld

Fest steht laut Kuratorin: Anders als einige Konkurrenten besitzt die Firma Francke keine eigenen Handelsposten in Afrika. Auch nicht nach 1885, als das Deutsche Reich Kolonien gründet. Stattdessen hat die Firma Vertretungen in mehreren europäischen Hafenstädten, wo Elfenbein auf Märkten angeboten oder bei Auktionen versteigert wird.

Gegenstände aus Elfenbein im Museum Tempelhof (Quelle: rbb/Oliver Noffke) Gegenstände aus Elfenbein im Museum Tempelhof (Quelle: rbb/Oliver Noffke)

Um der Nachfrage gerecht zu werden, expandiert Francke sein Unternehmen. Den Platz dafür findet er südlich vom Tempelhofer Feld, dem großen Exerzierplatz der preußischen Streitkräfte. Die Gegend befindet sich damals noch vor den Toren der Großstadt und ist kein Siedlungsgebiet. Wo heute Zehntausende Berlinerinnen und Berliner wohnen, befand sich vor 150 Jahren eine große Baumschule, umgeben von Feldern und märkischer Flur. Francke will auf dem Areal eine Elfenbeinbleiche errichten.

Dentin, der knochenähnliche Hauptbestandteil, ist von Natur aus gelblich. Höchstpreise erzielt aber nur leuchtend weißes Elfenbein. Wo sich heute das Gartenraster befindet, lässt die Firma zwei Bleichhäuser errichten. 31 Meter lang sind die Holzkonstruktionen und fast viereinhalb Meter breit. Damit möglichst viel Licht einfällt, werden Dächer aus Glas aufgesetzt. Ein Geschäftspartner von Francke hat eine neue Methode, Klaviertastaturen aufzuhellen. Das Elfenbein wird in Becken voller Wasserstoffperoxid getaucht, den Rest erledigt die Sonne.

Die Firma Francke erwirbt auch Kulturgüter aus Plünderungen. Ende 1897 kauft ein Mitarbeiter mit dem E.H. Mattika in London Objekte, die britische Soldaten beim Überfall auf das Königreich Benin erbeutet haben. Theodor Francke selbst ist bereits anderthalb Jahre zuvor verstorben, als unter seinem Namen sogenannte "Benin-Bronzen" nach Berlin gebracht werden.

Kontakte zu Felix von Luschan

Mattika unterhält auch einen Briefwechsel mit Felix von Luschan, Direktorialassistent im Königlich Preußischen Museum für Völkerkunde – dem Vorgänger des Ethnologischen Museums im heutigen Humboldt-Forum. Von Luschan beschaffte unter anderem im großen Stil menschliche Gebeine aus den deutschen Kolonien und schuf so eine Sammlung Tausender Schädel aus Afrika und Asien. Über die Firma Francke holt von Luschan Dutzende der unschätzbar wertvollen Benin-Bronzen nach Berlin.

Das südliche Tempelhof am Franckepark circa 1925 (Quelle: Museen Tempelhof Schöneberg) Das südliche Tempelhof am Franckepark circa 1925 (Quelle: Museen Tempelhof-Schöneberg)

"Es ist unfassbar wertvoll, aufzuzeigen, wie tief der Kolonialismus die Gesellschaft geprägt hat", sagt Anna Yeboah von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. "Das sieht man bei uns noch heute unter anderem im öffentlichen Raum."

Manchmal sind die Spuren jedoch verblasst. Auch beim Franckepark ist es vor allem der Name, der an die Kolonialzeit erinnert. "So eine Ausstellung ist deshalb eine gute Möglichkeit, um diesen Teil der Geschichte lokal verankert zu erzählen, aufzuarbeiten und zu vermitteln", sagt Yeboah.

Hinter der akkuraten Rabatte des Rosengartens rauscht ein uriges Wäldchen. 1924 überschreiben die Erben von Theodor Francke das Grundstück an die Stadt. Nicht nur der Park auch zwei umliegende Straßen werden nach dem Elfenbeinhändler benannt. Die Bleichen werden abgerissen und an ihrer Stelle Rosenbeete angelegt. Außerdem wird eine Vogelvoliere aufgebaut, eine Fasanerie und ein Gehege für Damwild. Eine Tanzfläche entsteht und ein Café. Ein Teich im Grund wird zur beliebten Badestelle.

Bis 1945 bleicht die Firma Francke weiter

In Kaulsdorf baut die Firma Francke eine größere Bleiche. Die neue Anlage schafft laut dem Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf bis zu 7.000 Klaviertastaturen gleichzeitig. Bis 1945 wird dort Elfenbein sein natürliches Gelb entzogen. Lange, nachdem die Kaiserfamilie geflüchtet war und die Kolonien von anderen Imperien übernommen wurden.

Archivbild: Benin-Bronze aus der Sammlung von Theodor Francke im Berliner Humboldt-Forum. (Quelle: dpa/Boness) Archivbild: Benin-Bronze aus der Sammlung von Theodor Francke im Berliner Humboldt-Forum. (Quelle: dpa/Boness)

Welchen Anteil das Unternehmen am internationalen Elfenbeinhandel vor, während und nach der deutschen Kolonialzeit genau hatte, konnte das Team der Kuratorinnen nicht endgültig aufklären. Entsprechende Dokumente sind verschollen. Theodor Francke bleibt im Museum Tempelhof ebenfalls mehr Geist als Gestalt.

Was die Ausstellung hingegen stark vermittelt, ist, welches Ausmaß der Elfenbeinhandel zu dieser Zeit in Deutschland hatte. "Elfenbein war ein Rohstoff, der schon vor der formalen Kolonialisierung in Debatten eine Rolle gespielt hatte", sagt Kuratorin Mirja Memmen. "Koloniale Propagandisten zeichneten ein Bild von Städten aus Elfenbein in Afrika."

In den deutschen Kolonien werden schließlich Zehntausende Elefanten von Jägern und Strafexpeditionen abgeschossen. Exportlisten der Kolonialverwaltungen dokumentieren, dass im Jahr 1893 allein aus Deutsch-Ostafrika 242.494 Kilogramm Elfenbein ausgeführt werden. Ein einzelner Stoßzahn wiegt etwa 20 bis 40 Kilogramm. Das Museum zeigt auch, für welche Gegenstände der kostbare Rohstoff in Berlin gebraucht oder verplempert wurde.

Ruhe und Schwertlilien

Im Zweiten Weltkrieg wird der Park weitestgehend zerstört und in den Jahren danach wieder aufgebaut. Bevor nach und nach alles wieder verschwindet. Das Parkcafé und die Tanzfläche, die Volierenvögel und die Fasane. Die letzten Hirsche werden 2019 umgesiedelt.

Der Rosengarten im Franckepark, 1928 (Quelle: Museen Tempelhof-Schöneberg) Der Rosengarten im Franckepark, 1928 (Quelle: Museen Tempelhof-Schöneberg)

Pärchen sitzen auf Bänken und halten sich aneinander fest, während die späte Frühlingssonne langsam untergeht. Ein paar Jugendliche vapen am Balkon über dem Schilf. Der Teich in der Senke wirkt wie ein nasser Wildgarten, um den sich sonnengelbe Schwertlilien versammeln.

Sendung: rbb|24, 15.06.2026, 8:51 Uhr

Audio: rbb|24, 15.06.2026, Katrin Veuskens im Gespräch mit Oliver Noffke

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