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Berliner RAW-Gelände: Club Cassiopeia droht das Aus

Дата публикации: 15-06-2026 17:34:34

Die Eigentümerin des RAW-Geländes in Berlin-Friedrichshain hat das Bebauungsplanverfahren für gescheitert erklärt und einzelne Betriebe zum Auszug aufgefordert. Dem Club Cassiopeia droht nun die Insolvenz – mit möglichen Folgen für zahlreiche weitere Projekte.


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Streit um Berliner RAW-Gelände Club Cassiopeia droht das Aus

Menschen stehen im Juni 2026 auf dem RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain (Quelle: Imago Images/Maurizio Gambarini)
Menschen stehen im Juni 2026 auf dem RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain (Quelle: Imago Images/Maurizio Gambarini)
  • Eigentümerin des RAW-Geländes in Berlin-Friedrichshain hat Bebauungsplanverfahren für gescheitert erklärt
  • Einzelne Betriebe wurden deshalb zum Auszug aufgefordert
  • Kritik von Senat und Bezirk
  • Dem Club Cassiopeia droht nun die Insolvenz

Dem Club Cassiopeia auf dem RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain droht das Aus. Die Eigentümerin des Geländes, die Göttinger Kurth-Gruppe, hat einzelne Clubs und Kulturbetriebe aufgefordert, ihre Räume zu verlassen und zugleich das Bebauungsplanverfahren für gescheitert erklärt.

Auch das Cassiopeia ist von der Räumungsaufforderung betroffen, wie Geschäftsführer Florian Falkenberger am Montag gegenüber rbb|24 sagte. Zwei Wochen hätten die Betreibenden Zeit, um den Club zu räumen. Damit steht die Zukunft des Geländes erneut infrage.

Mit dem Rückzug der Kurth-Gruppe droht das bislang ausgehandelte Konzept zu scheitern. Besonders kritisch wäre eine Schließung des Cassiopeia. Der Club gilt als wichtiger Anker für zahlreiche Projekte auf dem Gelände.

Senat und Bezirk kritisieren Eigentümerin

Senat und Bezirksamt reagierten mit deutlicher Kritik. Der einseitige Ausstieg sei nicht nachvollziehbar, da ein konkretes Angebot auf dem Tisch gelegen habe. In einer gemeinsamen Erklärung kündigten beide Seiten am Montag an, erneut das Gespräch mit der Kurth-Gruppe suchen zu wollen. Eine Räumung Ende Juni würde für das Cassiopeia nach Angaben der Nutzer des "soziokulturellen L" die sofortige Insolvenz bedeuten.

Das "soziokulturelle L" ist ein L-förmiger Teilbereich auf dem RAW-Gelände, der ebenfalls in Besitz der Kurth-Gruppe ist. Dazu gehören neben Clubs auch Kultur- und Gewerbeprojekte wie eine Skate-Halle oder Ateliers. Cassiopeia-Geschäftsführer Florian Falkenhagen spricht gegenüber rbb|24 von mehr als 80 Projekten, die zum "soziokulturellen L" gehören.

Die Kurth-Gruppe hatte das Gelände 2015 mit dem Ziel gekauft, auf Teilen ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Büros und Kulturstätten zu errichten. Dafür müssten aber einige Gebäude abgerissen werden. Das Unternehmen sollte laut dem Bebauungsplanverfahren den Betrieben ein Bleiberecht von 30 Jahren zu fairen Mieten zusichern. Im Gegenzug wollte das Bezirksamt den Bauvorhaben zustimmen. Im Januar forderte die Kurth-Gruppe mit Verweis auf den sogenannten Bauturbo grünes Licht für den Wohnungsbau noch vor Abschluss des Verfahrens. Senat und Bezirk reagierten darauf im Mai mit einem Vorschlag für eine Einigung.

Was das Cassiopeia für das RAW-Gelände bedeutet

Viele Angebote auf dem Gelände finanzieren sich nicht selbst. Nach Angaben der Betreiber werden sie durch wirtschaftlich stärkere Projekte wie das Cassiopeia mitgetragen. Weshalb eine Schließung weitreichenden Folgen haben könne. Das Cassiopeia finanziere zahlreiche Angebote auf dem Gelände mit. Fiele der Club weg, gerieten auch andere Projekte unter Druck, heißt es in einem gemeinsamen Statement der "Nutzer:innen des soziokulturellen L" am Montag.

Demnach kann eine Lösung nur durch weitere Gespräche erreicht werden. Sie fordern die Eigentümerin zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf und appellieren an Bezirk und Senat, das soziokulturelle L mit allen verfügbaren Mitteln zu sichern.

Kurth-Gruppe sieht Land Berlin in der Verantwortung

Die Kurth-Gruppe sieht die Verantwortung dagegen beim Land Berlin. Auf rbb|24-Anfrage erklärte das Unternehmen am Montag, bereits getroffene Vereinbarungen seien nicht eingehalten worden. Stattdessen seien zusätzliche Forderungen gestellt worden.

Außerdem halte man einen rechtssicheren Abschluss des Verfahrens innerhalb der angestrebten kommenden drei Jahre nicht mehr für realistisch.

Außerdem bestätigte die Gruppe, einzelne Nutzungen auf dem Gelände aufgefordert zu haben, ihre Räume zu verlassen. Die Kurth-Gruppe wirft ihnen vor, Flächen anders genutzt oder Mieten nicht bezahlt zu haben. Parallel würden mit anderen Nutzungen neue Verträge abgeschlossen.

Wie kann es jetzt weitergehen?

Trotz der Eskalation betonen Senat, Bezirk und Betreiber, weiterhin gesprächsbereit zu sein.

Für das Cassiopeia wird die Zeit allerdings knapp. Eine Schließung hätte nicht nur Folgen für den Club selbst, sondern könnte zahlreiche weitere Projekte auf dem Gelände treffen. Eine vollständige Abwicklung innerhalb weniger Wochen sei kaum möglich, sagt Geschäftsführer Florian Falkenhagen. Sollte sich die Frist weder verlängern noch neu verhandeln lassen, wolle man zumindest einen fairen Umgang mit den Beschäftigten sicherstellen.

Nach Angaben von Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, im Gespräch mit rbb|24 erhalten die Betreiber derzeit sehr unterschiedliche Signale von der Eigentümerin. Einige hätten Perspektiven bis Ende des Jahres erhalten, andere nur bis Ende Juni. Wieder andere hätten bislang gar keine Rückmeldung bekommen.

Hinzu kommt, dass mehrere Clubs und Projekte inzwischen ohne gültige Mietverträge arbeiten und lediglich geduldet werden. Für Schmidt markiert der Rückzug der Kurth-Gruppe einen Wendepunkt im Konflikt. Die Eigentümerin habe damit eine "rote Linie" überschritten. Er hoffe deshalb auf eine "letztmalige Krisensitzung" mit der Kurth-Gruppe.

Ob die Konfliktparteien noch einmal zusammenfinden, ist offen. Für das RAW-Gelände steht damit so viel auf dem Spiel wie seit Jahren nicht.

Sendung: rbb24 Abendschau, 15.06.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Abendschau, 15.06.2026, Vanessa Materla

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