Die Zahl der Beschäftigten, die per Ausnahmegenehmigung an Sonn- und Feiertagen arbeiten, hat sich seit 2015 verdoppelt. Gleichzeitig sinken die behördlichen Arbeitszeitkontrollen.
Exklusiv | Berlin · Die Zahl der Beschäftigten, die per Ausnahmegenehmigung an Sonn- und Feiertagen arbeiten, hat sich seit 2015 verdoppelt. Gleichzeitig sinken die behördlichen Arbeitszeitkontrollen.
Die Zahl der Beschäftigten, die per Ausnahmegenehmigung an Sonn- und Feiertagen arbeiten müssen, hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt. Sie stieg von rund 25.000 im Jahr 2015 auf gut 51.700 Beschäftigte 2025. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor.
Die Zahl der festgestellten Verstöße wegen illegaler Sonn- und Feiertagsarbeit ist von 2015 bis 2025 zugleich um mehr als 1600 Prozent auf 98 Fälle gestiegen. Allerdings erfassen lediglich sechs Bundesländer diese Fälle. Die Dunkelziffer dürfte daher deutlich höher liegen.
Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark gewandelt. So erleichtert etwa die Digitalisierung Arbeit auch an Sonn- und Feiertagen. Zudem hat es bei Ladenöffnungszeiten und in Tarif- und Arbeitsverträgen viele Lockerungen gegeben. Gleichzeitig nehmen die Kontrollen ab, wenn es um Überprüfung der Arbeitszeiten geht.
Arbeitszeitgesetz „löchrig wie ein Schweizer Käse“
Bundesweit sank der Ministeriumsantwort zufolge die Zahl der Arbeitszeitkontrollen im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr um rund elf Prozent von 14.529 auf 12.972 und gegenüber 2015 um 23 Prozent von 16.878 auf 12.972. Die Zahl der verhängten Sanktionen (Verwarnungen, Bußgelder, Strafanzeigen) blieb im selben Zeitraum dagegen nahezu unverändert (573 in 2015, 568 in 2024) – ebenso die Zwangsmaßnahmen (208 zu 208). Im Jahr 2024 entfielen auf eine Aufsichtsperson in den Gewerbeämtern bundesweit über 1300 Betriebe.
„Das Arbeitszeitgesetz ist heute schon löchrig wie ein Schweizer Käse und wird vielerorts nicht eingehalten“, kritisierte Linken-Politikerin Anne Zerr. „Die Kontrollen gehen immer weiter zurück. Außerdem gibt es immer mehr rechtswidrige Sonn- und Feiertagsarbeit und immer mehr Beschäftigte sind von behördlich genehmigten Ausnahmen für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung betroffen.“ Sie kritisierte die geplante weitere Lockerung des Arbeitszeitgesetzes. Damit würde die tägliche Zehn-Stunden-Grenze weiter aufgeweicht und noch mehr Sonn- und Feiertagsarbeit ermöglicht.
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