Vor seiner 23. Saison als Präsident des 1. FC Union Berlin sprach Dirk Zingler im Rahmen einer Medienrunde über den neuen Trainer, einen möglicherweisen holprigen Start und das ewige Thema Viererkette.
Union-Präsident Dirk Zingler "Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln"
Seit 22 Jahren ist Dirk Zingler inzwischen Präsident des 1. FC Union Berlin. Vor der davon mittlerweile achten Saison in der Fußball-Bundesliga hat sich der 61-Jährige im Rahmen einer Medienrunde über Ziele, Entwicklungen, den neuen Trainer und den Stadionausbau ausgelassen.
… die Erwartungen an die neue Saison:
Wir verorten uns als Klub in der Bundesliga meiner Auffassung nach sehr realistisch, wenn wir unser Wettbewerbsumfeld anschauen. Das ist ja nichts Ehrenrühriges, wenn wir im Abstiegskampf sind. Das sind ja in der Liga jedes Jahr viele Vereine, auch aus ganz normalen, logischen Gründen. Und mit den Vereinen, mit denen wir uns da messen, messe ich mich ja gerne. Davon habe ich mein halbes Leben als Unioner geträumt, im Wettbewerb mit Gladbach, Bremen, Köln und dem HSV zu stehen. Es gibt Schlimmeres. So würde ich das mal formulieren. Ich weiß nicht, wo die Ansprüche herkommen. Nach dem Motto: Union sollte nichts mit einem Abstieg zu tun haben. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
… die ersten Eindrücke vom neuen Trainer Mauro Lustrinelli:
Toll, kann ich nur sagen. So wie wir uns das gewünscht haben. Was ich höre, was ich selbst erlebe, in eigenen Gesprächen oder in Besprechungen, an denen ich teilgenommen habe. Jedes Training - toll, kann ich nur sagen. Auch wie die Jungs das sehr aufmerksam aufnehmen. Man spürt es richtig. Aber am Ende müssen Spiele gewonnen werden.
… das Ziel, aktiveren Fußball zu spielen:
Wir gucken mal, wie weit wir zum Start sind. Der eine lernt schneller, der andere ein bisschen langsamer. Am Ende ist es wichtig, dass alle gleichermaßen gelernt haben, dass die Mannschaft es als Einheit umsetzt. Also ich hoffe, dass wir so weit sind. Aber wir sind auch nicht vollkommen überrascht, wenn es vielleicht am Anfang ein bisschen holprig wird. Denn die Entscheidung, vom Fußball der letzten Jahre ein bisschen wegzugehen, war eine riskante Entscheidung. Sie birgt mehr Risiken als Chancen. Am Anfang auf alle Fälle. Langfristig sehen wir natürlich die Chancen höher als die Risiken. Weil wir glauben, dass wir auf diesem Weg nicht mehr dauerhaft erfolgreich sein werden. Das ist ein Prozess, der findet im gesamten Klub statt. Er findet ja nicht nur auf dem Rasen statt. Also wir sind darauf vorbereitet, dass es vielleicht auch ein bisschen ruckelt am Anfang. Das kann durchaus sein, aber da müssen wir dann auch die Nerven behalten.
Union-Präsident Dirk Zingler als Tribünengast im Trainingslager (Matthias Koch)
… die Frage, ob der Kader Viererkette spielen kann:
Selbstverständlich. Wir haben eine Menge Nationalspieler. Die spielen, wenn sie in der Nationalmannschaft spielen, permanent Viererkette. Josip Juranovic zum Beispiel spielt in der kroatischen Nationalmannschaft Viererkette. Also natürlich kann ein Fußballer mehrere Systeme spielen. Ansonsten wäre er nicht Profi-Fußballer. Und auch die Spieler, die wir haben, die kommen von anderen Vereinen, wo sie andere Formationen gespielt haben. Also selbstverständlich können sie das.
… die Möglichkeit, noch Spieler zu holen:
Die Frage ist, ob wir welche brauchen und nicht, ob wir welche holen können. Aktuell glaube ich nicht, dass wir jemanden brauchen. Sonst wäre der Sport schon auf mich zugekommen und hätte gesagt, wir brauchen noch den oder den.
… die Pläne zum Stadionausbau:
Zum ganzen Thema Stadion und Zeiträume äußere ich mich zuerst auf der Mitgliederversammlung (am 3. September; Anm. d. Red.). Was ich aber schon sagen kann, ist, dass es sehr positive Schritte gibt. Denn die Gutachten sind alle fertig. Wir haben Klarheit. Verkehrsgutachten, Artenschutzgutachten, Lärmschutzgutachten - die liegen jetzt vor. Die können wir einarbeiten. Was das konkret bedeutet, werde ich auf der Mitgliederversammlung berichten.
… die Querfinanzierung des Frauenfußballs:
Ich habe als Klub Gesamteinnahmen. Und diese Gesamteinnahmen teile ich auf für verschiedenste Projekte. Für Infrastruktur, für Nachwuchs, für Frauen, für Männer, für Sportförderung. Das sind keine eigenen Ökosysteme, sondern unser Ökosystem heißt 1. FC Union Berlin.
Sendung: rbb|24, 07.08.2026, 18:45 Uhr
Audio: rbb|24, 07.08.2026, Philipp Höppner
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