Wetterkapriolen, Ernteausfälle oder Konkurrenz aus dem Ausland - vor allem für kleinere landwirtschaftliche Betriebe lohnt sich der Anbau von Erdbeeren oft nicht mehr. Innerhalb weniger Jahre haben sich die Flächen der Felder massiv verkleinert.
Start der Erntesaison Warum in Brandenburg immer weniger Erdbeerfelder zu finden sind
Stephan Ohlemann hat seinen Traumberuf gefunden, doch leben kann er davon nicht. "Wenn die Leute frühmorgens im Stau stehen, stehe ich auf dem Feld", sagt der Obstbauer im Gespräch mit rbb|24. Er hält kurz inne, um den Vögeln zu lauschen. Ohlemanns Kinder suchen neben ihm auf dem Feld nach reifen roten Erdbeeren.
Auf 38 Hektar baut Ohlemann nördlich von Potsdam Kirschen, Äpfel, Pflaumen, Birnen, Erdbeeren und andere Obstsorten an. Verkauft werden sie in seinem Erntegarten nur zur Selbsternte. Was vor einigen Jahren noch gut funktionierte, reicht für den Bauern und seine Familie heute nicht mehr zum Leben. Hohe Personalkosten, zwei Ernteausfälle durch Frost in den letzten beiden Jahren und die Inflation bringen den Hof und die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. "Inzwischen haben wir Bürgergeld beantragt."
Personalkosten belasten viele Betriebe
In dieser Woche wird auf seinem Erdbeerfeld die Erntesaison eröffnet. Ohlemann hat gemeinsam mit seiner Mutter die letzten Tage noch Beikraut gerupft und Stroh unter den Erdbeeren ausgelegt, um die Früchte vor Erde zu schützen und die Feuchtigkeit zu halten. Die Erdbeeren glänzen rot und saftig in der Sonne. Doch auch wenn Ohlemann viele Besucher und eine gute Ernte erwartet, große Gewinne erwartet er nicht.
Das Feld von Ohlemann ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft. Mittlerweile sind es nur noch 2.000 Quadratmeter, früher waren es fast drei Hektar. Auch Brandenburg-weit werden auf immer weniger Flächen Erdbeeren angebaut. Während 2017 noch 530 Hektar mit Erdbeeren bepflanzt waren, waren es 2025 nur noch 150 Hektar.
Der Trend wird sich wohl auch in diesem Jahr weiter fortsetzen, sagt Christoph Tröster, Geschäftsführer des Gartenbauverbands Berlin-Brandenburg, zu rbb|24. Erdbeeren aus Brandenburg hielten dem Preisdruck aus dem Ausland, wo andere Wettbewerbsbedingungen existieren, kaum stand. Viele Gartenbauern würden sich vor allem über die Personalkosten beschweren, die im arbeitsintensiven Gartenbau kaum zu stemmen seien. Neben den steigenden Löhnen führen auch Sozialabgaben zu immer höheren Kosten, so Tröster.
Betriebe setzen auf neue Anbaumethoden
Auch Ohlemann stellt seit einigen Jahren keine Mitarbeiter mehr an. "Richtige Probleme haben wir seit 2015", sagt der Obstbauer. "Seit der Einführung des Mindestlohns." Früher seien auf dem Hof das ganze Jahr über Mitarbeiter beschäftigt gewesen, doch mit den steigenden Löhnen rechne sich das nicht. Auch wenn die Idee des Mindestlohns nachvollziehbar sei, für einen kleinen Hof wie seinen sei er kaum stemmbar. "Es kam einfach nicht mehr raus, was reingesteckt wurde", sagt der Bauer. Inzwischen kümmert er sich allein mit seiner Familie um die Flächen. Wirtschaftlich ist der Betrieb dennoch nicht.
Viele Betriebe setzen aufgrund der gestiegenen Personalkosten auf neue Anbaumethoden. Evgeny Gubin von der Obstbau-Versuchsstation in Müncheberg (Märkisch-Oderland) beobachtet, dass immer mehr Erdbeeren in Gewächshäusern angebaut werden. In diesem geschützten Rahmen seien die Pflanzen leichter zu pflegen. Wasserzufuhr und Temperatur können genau kontrolliert werden, teilweise sorgen höhergestellte Metallstrukturen für eine angenehmere und leichtere Ernte.
Nachfrage nach regionalen Produkten bleibt hoch
Gewächshäuser oder andere moderne Anbauanlagen sind jedoch eine große Investition. Zu groß für viele kleinere Betriebe. Manche verabschieden sich deswegen von ihren Erdbeerfeldern. Gleichzeitig bleibe die Nachfrage nach Erdbeeren aus der Region weiter hoch, sagt Christoph Tröster. Nicht nur viele Verbraucher, sondern auch die Supermärkte würden regionale Früchte bevorzugen. Aber mehr bezahlen wollen oder können viele nicht.
Stephan Ohlemann will seinen Betrieb in Potsdam nicht aufgeben. Er glaube an die kleinbäuerliche Landwirtschaft, sagt er. Und wünscht sich bessere Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, mehr Bewusstsein für den Wert einer gesunden Ernährung und einen nachhaltigen Umgang mit der Natur. "Erdbeeren, die 1,99 Euro die Schale kosten, sind Raubbau an der Natur", sagt der Bauer. In seinem Erntegarten kosten die selbstgepflückten Erdbeeren mindestens das Doppelte. Ob der Bauer in diesem Jahr Gewinn macht, kann er aber noch nicht abschätzen.
Sendung: rbb|24, 04.06.2026, Lena Wilborn
Video: rbb|24, 04.06.2026, 06:26 Uhr
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