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Stadtentwicklung | Regenbogenfabrik: Eine Kreuzberger Insel in Schwierigkeiten

Дата публикации: 07-08-2026 09:24:00

Fahrradwerkstatt, Veranstaltungsraum, Kita und Hostel – die Regenbogenfabrik in Berlin gibt es schon seit 45 Jahren. Jetzt braucht sie Unterstützung.

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Produziert keine Regenbögen, schafft aber Solidarität im Kiez – die Regenbogenfabrik in der Lausitzer Straße in Kreuzberg.

Produziert keine Regenbögen, schafft aber Solidarität im Kiez – die Regenbogenfabrik in der Lausitzer Straße in Kreuzberg.

Foto: nd/David Rojas Kienzle

In einem schattigen Kreuzberger Innenhof sitzen mehrere Menschen unter einem Baldachin und arbeiten mit Computer und E-Bass an einem Musikprojekt. Ein paar Meter weiter werkelt eine Frau in einer Werkstatt, die voll mit Brettern und Balken ist. Und ganz am Ende des langen Hofs stehen Leute Schlange, um Hilfe zur Selbsthilfe zu bekommen. Die Fahrradwerkstatt der Regenbogenfabrik ist gefragt. Im Hof richtet jemand sein Vorderrad aus und in der Werkstatt selbst hantieren mehrere Menschen an Rädern, die auf Montageständern befestigt sind.

Die Regenbogenfabrik ist ein Unikat, ein Überbleibsel aus der Westberliner Hausbesetzerzeit der 1980er Jahre. Das ehemalige Fabrikgelände wurde 1981 besetzt. Der Eigentümer, ein stadtbekannter Spekulant, wollte es abreißen und neu bauen. Die Besetzer*innen verhinderten das, sanierten das Gebäude in Eigenregie und bauten es zum Nachbarschaftszentrum aus, das es heute, 45 Jahre später, immer noch ist. Seit 2011 gehört das Gelände dem Bezirk, der es an die Regenbogenfabrik verpachtet. Neben der Fahrrad- und der Holzwerkstatt gibt es noch günstige Proberäume für Musiker*innen und einen großen Kinoraum, der für Treffen oder Veranstaltungen gebucht werden kann. Auch »nd« hat hier schon eine Podiumsdiskussion veranstaltet.

Aktuell hat das Kollektiv aber Probleme. »Finanziell stehen wir schlecht da und brauchen eure Unterstützung«, heißt es in einem Unterstützungsaufruf. Peter und Bernd sind Teil des Kollektivs und sprechen im Regenbogencafé, das ein paar Tische auf dem Gehweg der Lausitzer Straße hat, mit »nd«. Einen Chef gibt es nicht, alle Entscheidungen werden im Kollektiv getroffen, erläutert Peter. Was es auch nicht gibt, sind Gehaltsabstufungen. Alle, die angestellt sind, bekommen den gleichen Lohn. »Jede Arbeit ist gleich viel wert«, sagt Peter. Die Regenbogenfabrik kommt ohne staatliche Förderung aus. »Der große Vorteil ist, dass es keine politische Einflussnahme über Fördermittel gibt. Der Nachteil: Wir haben weniger Geld«, sagt Peter.

»Wir bezahlen auch die Leute, die in der Fahrradwerkstatt arbeiten«, sagt Bernd. Peter ergänzt: »Die Leute kommen mit Fahrrädern hier an, wo jeder Fahrradladen sagen würde: ›Schmeiß das weg, kauf dir was Neues!‹ Die fahren wieder vom Hof.« Die Nutzer*innen können nach Selbsteinschätzung spenden. Die Proberäume sind »musiker*innenfreundlich«, wie Peter sagt. Auch die Kosten für die Nutzung des Veranstaltungsraums werden nach den finanziellen Möglichkeiten der Nutzer*innen gestaltet. Und von diesen gibt es viele: Der Republikanische Anwaltsverein macht hier Veranstaltungen, Widersetzen oder die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes nutzen den Raum, die Kampagne Opfer rassistischer Polizeigewalt trifft sich dort. Eine Einschränkung gibt es: »Wir machen hier keine Parteiveranstaltungen«, sagt Peter.

All diese Projekte werden querfinanziert: Die Regenbogenfabrik hat ein eigenes Hostel, eine Kita und eine Kantine. »Das ist der Teil, der quasi dafür zuständig ist, Gelder zu erwirtschaften«, erläutert Bernd. Aber dort gebe es Schwierigkeiten, genug zu verdienen. Besonders herausfordernd sind dabei der demografische Wandel und die Gentrifizierung im Kiez. »Es gibt in ganz Berlin immer weniger Kinder«, sagt Peter. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist diese Entwicklung besonders stark – das hat zuletzt eine Anfrage der Grünen und Linken im Abgeordnetenhaus gezeigt. Wer Kinder bekommt, findet im Kiez keine bezahlbare Wohnung. »Ich kenne Leute, die zu viert auf 40 Quadratmetern wohnen«, sagt Peter. Die würden dann irgendwann wegziehen, weg aus Berlin oder an den Stadtrand. »Und die Kinder fehlen dann in den Kitas, auch bei uns.« Schließen wolle man die Kita bislang nicht. »Auch weil wir unsere Kolleg*innen nicht gehen lassen wollen.«

»Der große Vorteil ist, dass es keine politische Einflussnahme über Fördermittel gibt. Der Nachteil: Wir haben weniger Geld.«

Peter  Kollektiv Regenbogenfabrik

Es ist aber nicht nur die Kita in der Regenbogenfabrik, die von dieser Entwicklung betroffen ist. Die Kantine beliefert viele Kitas und Kinderläden im Kiez. Aber von diesen mussten viele schon schließen. Deswegen sind auch dort die Einnahmen niedriger. »Man merkt einfach die Wechselwirkungen im Bezirk«, sagt Peter dazu. Außerdem habe man die gestiegenen Preise bislang noch nicht weitergegeben. »Wir machen das ja vor allem für die Nachbarschaft. Und wir wissen um die Situation von den Leuten und wollen das günstige Angebot einfach aufrechterhalten.« Aber das gehe nur bis zu einem gewissen Punkt.

Dabei spart die Regenbogenfabrik schon, wo es geht, die Do-it-yourself-Kultur wird hochgehalten. Ein Großteil der Instandhaltung wird selbst gemacht. »Ein Kollege hier repariert dir alles«, sagt Peter und erzählt von Lampenschirmen, die der Kollege aus alten Lüftungsrohren gebaut habe. Peter kommen vor Rührung fast die Tränen, als er über ihn und andere Kollektivmitglieder spricht. »Wenn man anfängt, nachzudenken, fällt einem auf, was für tolle Leute hier arbeiten«, sagt er.

Den finanziellen Herausforderungen begegnet das Kollektiv nicht wie die Maus vor der Schlange. »Wir sind gerade kräftig am Umstrukturieren«, sagt Bernd. Das Hostel, das bislang vor allem ein Geheimtipp war, soll bald auch über gängige Buchungsportale zu finden sein. »Das ist eine Sache, die wir eigentlich ungern gemacht haben, aber letztes Jahr hatten wir eine Auslastung von nur 60 Prozent«, sagt er. Außerdem ist die Kantine auf der Suche nach neuen Kunden und das Kollektiv will die Kosten für die Werkstätten transparenter machen. »So wissen die Leute, wofür sie eigentlich spenden.« Die Hoffnung ist, dass die Nutzer*innen dann etwas mehr geben.

Bis diese Umstrukturierungen Wirkung entfalten, werden aber ein paar Monate vergehen. »Dafür, dass wir das fair miteinander machen können, müssen wir uns ein kleines bisschen Zeit erkaufen«, sagt Bernd. Deswegen versucht die Regenbogenfabrik gerade, Spenden und Fördermitglieder für ihren Verein zu gewinnen. »Mit deiner Mitgliedschaft schaffen wir es, diesen solidarischen Ort der Begegnung zu erhalten – fernab kapitalistischer Logiken«, heißt es im Aufruf. Unterstützung von anderen Kollektiven im Kiez hat die Regenbogenfabrik schon. Die Kneipe »Pirata Patata« hat einen Soliabend veranstaltet und die Kollektivdruckerei Hinkelstein hat die Flyer für den Unterstützungsaufruf gedruckt. »Es wäre schön, sich so wenig wie möglich von den idealistischen Aspekten verabschieden zu müssen«, sagt Peter und führt aus: »Das ist gerade der große Punkt: Inwieweit müssen wir uns diesen äußeren Bedingungen anpassen und inwieweit können wir uns dem widersetzen.«

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Классификация: Санкт Петербург. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 12.07. Источник: www.nd-aktuell.de.