Syrien wirbt um deutsche Urlauber. Während Berlin vor Reisen warnt, betont der Vize-Tourismusminister: "Deutsche sind bei uns herzlich willkommen!"
Das vom Bürgerkrieg zerstörte Syrien wirbt um Touristen. Während die Regierung vor Reisen warnt, betont Vize-Tourismusminister gegenüber FOCUS online: "Deutsche Touristen sind bei uns herzlich willkommen!"
Zu möglichen Sicherheitsrisiken und damit auch zur aktuellen Reisewarnung der Bundesregierung erklärte der stellvertretende Tourismusminister Faraj al-Qashqoush gegenüber FOCUS online: "Syrien ist ein sicheres Land geworden. Deutsche Touristen sind bei uns herzlich willkommen. Wir laden alle ein."
Syrien war 2026 nach 14 Jahren Abwesenheit erstmals wieder mit einem offiziellen Stand auf der gerade zu Ende gegangenen Messe vertreten. In dem Land tobte seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg, in dem mehr als eine halbe Million Menschen starben. Rund 6,8 Millionen Syrer sind in andere Länder geflüchtet, davon mehrere Hunderttausend nach Deutschland.
Ende 2024 wurde das Regime um Machthaber Baschar al-Assad von Rebellen gestürzt. Aktuell führt ein Übergangspräsident das Land, das bei den heftigen Kämpfen stark zerstört wurde.
Mit seiner Rückkehr auf die ITB versucht Syrien nun einen Neuanfang im Tourismus-Sektor, der früher eine tragende Säule der Wirtschaft war. "Wir wollen die Branche wieder aufbauen. In zwei oder drei Jahren soll Syrien wieder eine gute Rolle im internationalen Tourismus spielen", so Faraj al-Qashqoush zu FOCUS online. Er verwies darauf, dass im vergangenen Jahr bereits wieder "250.000 europäische Touristen nach Syrien gekommen sind, darunter 3000 Deutsche". Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.
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Fakt ist, dass die Bundesregierung vor Reisen nach Syrien warnt, da die Sicherheitslage nach wie vor "angespannt" sei. Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes heißt es, zuletzt sei es in verschiedenen Teilen des Landes wiederholt zu "bewaffneten Auseinandersetzungen" gekommen. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) sei weiterhin aktiv "und nach wie vor in der Lage, überall im Land Anschläge zu verüben".
Fazit der Bundesregierung: "Persönliche Sicherheit kann in ganz Syrien, einschließlich Damaskus und seiner Vororte, weiterhin nicht gewährleistet werden."
Die Einschätzung spiegelt sich auch im Umgang mit nach Deutschland geflüchteten Syrern wider. Erst seit Januar 2025 bietet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wieder geförderte freiwillige Ausreisen nach Syrien an; rund 6000 Syrer stimmten bereits zu. Zuvor war das Programm aufgrund des Krieges ausgesetzt. Auch die Abschiebung verurteilter Straftäter nach Syrien war lange Zeit unmöglich, erst seit Ende 2025 kommt es wieder zu vereinzelten Rückführungen.
Neben der offenkundig bis heute fragilen Sicherheitslage leidet Syrien weiter unter den Folgen des Krieges. Große Teile der Infrastruktur wurden zerstört, darunter Hunderte Hotelanlagen, Restaurants, Cafés und Geschäfte. Seit dem Sturz des Regimes bemüht sich die Regierung um den Wiederaufbau – laut Vize-Tourismusminister Faraj al-Qashqoush mit Erfolg. "Die Touristen werden sehr gut versorgt. Es wird ihnen an nichts fehlen. Es haben viele neue Restaurants eröffnet."
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Weiter sagte er zu FOCUS online: "Natürlich sieht man noch die Zerstörungen, die im Krieg angerichtet wurden." Doch das sei für einige ausländische Besucher kein Problem – im Gegenteil. "Es gibt viele Touristen, die wollen sehen, was der Krieg in Syrien gemacht hat." Eine solche Art "Katastrophen-Tourismus" kennt man auch aus anderen Konfliktgebieten. Die übergroße Mehrheit potenzieller Besucher dürfte jedoch an anderen Dingen interessiert sein.
"Syrien ist trotz der Kriegswunden ein wunderschönes Land mit großartiger Kultur, einzigartiger Geschichte, tollen Landschaften und einer fantastischen Küche", sagt Hassan al Kharat, 70.
Der erfahrene syrische Reiseleiter steht am Messe-Pavillon seines Heimatlandes in Halle 4.2 und zählt auf, was sich Touristen in Syrien unbedingt anschauen sollten: "Die antike Stadt Palmyra, die Zitadelle von Aleppo, die Moscheen in Homs, die Küstenregionen im Westen. Wir haben Berge, Täler, das Meer. Allein die Hauptstadt Damaskus ist eine Reise wert."
Aleppo und Homs – die Städtenamen kennen viele Menschen in Deutschland nur aus den Nachrichten im Zusammenhang mit blutigen Kämpfen, Raketenangriffen, Leid und Massenflucht zu Zeiten des Bürgerkrieges. Nun sollen Touristen diese Orte besuchen?
Reiseführer Hassan al Kharat zu FOCUS online: "Ich verstehe die Vorbehalte und Befürchtungen. Wenn man die Medien und die sozialen Netzwerke intensiv verfolgt, dann könnte man Angst kriegen."
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Tatsache aber sei: "Syrien ist wieder sicher. Millionen Einwohner leben dort ein ganz normales Leben. Die Leute brauchen keine Angst zu haben." Der Tourismus-Experte verweist darauf, dass seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 schon rund drei Millionen geflüchtete Syrer in ihre Heimat zurückgekehrt sind. "Syrien öffnet sich. Es herrscht ein ganz anderes Klima im Land als früher unter dem Assad-Regime. Wir sagen zu allen: herzlich willkommen!"
Der 70-Jährige war mit seiner Familie wegen des Krieges aus Syrien geflüchtet. "Wir leben seit zehn Jahren in Schweden", sagt er. Nach dem Machtwechsel habe er langsam wieder damit begonnen, Touristen durch seine Heimat zu führen.
"Meine letzte Reise durch Syrien dauerte 20 Tage. Es war alles wunderbar. Als ich zurück nach Schweden kam, hörte ich in den Nachrichten, dass in Stockholm drei Bomben explodiert waren", erzählt Hassan al Kharat. Und schiebt nach: "Das habe ich in Damaskus nicht erlebt!"
In den Plänen großer deutscher Touristik-Unternehmen spielt Syrien keine Rolle. Jens Völmicke, Leiter Unternehmenskommunikation Alltours, erklärte gegenüber FOCUS online, dass man in der Vergangenheit keinen Urlaub in Syrien angeboten habe oder derzeit anbiete. Auf die Frage ob das Land für Alltours künftig eine Rolle als Reiseziel spielen könnte, sagte er: "Nein." Auch TUI-Sprecher Aage Dünhaupt sieht keinen Bedarf. "Wir bieten Syrien nicht an, weil es dort nicht den klassischen Strand- und Poolurlaub gibt."
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