Kathrin Wawrzynosek aus Ruppertshofen hat ein Abenteuer vor sich: Alleine und ohne elektrische Unterstützung will sie bis nach Polen radeln.
Stand: 29.07.2026, 18:40 Uhr
Von: Christian Nick

Kathrin Wawrzynosek aus Ruppertshofen hat ein Abenteuer vor sich: Alleine und ohne elektrische Unterstützung will sie bis nach Polen radeln.
Ruppertshofen. Zweifel gehören offenkundig dazu: "Wie oft ich mich gestern gefragt habe, ob die Tour das Richtige ist, was ich tue, ist an zwei Händen gar nicht mehr abzuzählen." Diesen Satz trägt Kathrin Wawrzynosek Mitte Juli in ihren Internet-Blog ein. Doch die 33-jährige Ruppertshofenerin wird sich von ihrem Plan nicht abbringen lassen: Sie will alleine nach Polen radeln. 884 Kilometer. In ein kleines Dorf, einige Kilometer vor Gliwice. Über Bamberg, Chemnitz, Dresden, vorbei an Breslau und Oppeln. Im Moment ist sie bereits unterwegs. Übernachtet wird in Hotels, Fremdenzimmern sowie im Zelt. Und das ausschließlich mit Muskelkraft – und ohne elektrische Unterstützung.
Früher war sie Couch-PotatoDoch begonnen sei am Anfang. Denn noch vor einigen Jahren ist nicht absehbar gewesen, dass irgendwann sie selbst in ihrem Reise-Blog und auch die Zeitung über ihre Ambitionen auf dem Velo berichten wird. "Ich war sehr unsportlich früher und hatte auch ein paar Kilo mehr auf den Rippen", berichtet Wawrzynosek, die in Welzheim als Abteilungsleiterin bei einem Unternehmen arbeitet, das Staubsauger für die Industrie produziert.
Diät und Ernährungsumstellung brachten das Abnehmen zwar ins Rollen – doch um die Line zu halten, setzte sich die junge Frau damals auf den rollenden Untersatz. "Ich hatte noch ein altes Rad aus Jugendzeiten und habe mit dem die Dörfer abgeklappert." Im Schwäbischen Wald, wohlgemerkt. Nicht in Polen. Doch Kathrin Wawrzynosek machte das Radeln Spaß. "Es kamen immer ein paar Kilometer drauf." Und dann musste auch ein neues, sportliches Vehikel her. Ein sogenanntes Gravelbike. Mittlerweile schon das zweite. Und auch ein Rennrad nennt sie längst ihr Eigen.
Von der Tagestour zum TripDie ersten längeren Fahrten führten sie die Mosel entlang und um den halben Bodensee. "Das waren jedoch zunächst nur Tagestouren mit Unterbrechungen." Vor zwei Jahren indes wagte sie sich ans "Bikepacking" – also jene Art des Radreisens, bei der man mit leichtem Gepäck und meist abseits befestigter Straßen unterwegs ist. Es geht nach Mainz, Regensburg, Ulm. Und im vergangenen Jahr dann nach Berlin.
Viele Begegnungen gab es auf ihren bisherigen Routen. Und zwar ausschließlich positive, berichtet die Ruppertshofenerin. Manchmal luden sie wildfremde Personen zum Übernachten ein. Einmal jedoch war es auch unerwartet einsam: "Ich hatte mir ein Hostel-Zimmer gebucht, stand jedoch dann vor einem geschlossenen Eingang", erzählt sie. "Nach viel Hin-und-her-Telefoniererei war das Ende vom Lied, dass ich ganz alleine, als einzige Gästin und ohne Personal in diesem Geisterhotel übernachtet habe."
Das Ziel ist nicht zufälligBedenken hatte sie als alleinreisende Frau nicht – und unterwegs auch noch keine einzige technische Panne: "Ich habe nur Angst davor, keine Leistung zu bringen und die Reise abbrechen zu müssen, aus welchen Gründen auch immer", lässt die Dame mit dem für deutsche Zungen kryptischen Nachnamen auf ihrer Internetpräsenz wissen. Und jener Name verrät dann auch, weshalb Kathrin Wawrzynosek gerade Polen als Ziel ihrer Radreise ausgewählt hat: Es geht heim zu ihrer Familie nach Oberschlesien.
"Im vergangenen Jahr habe ich beim Besuch dort den Mund etwas zu voll genommen", sagt sie lachend. Nun gilt es, den Worten auch Taten – respektive: Pedaltritte – folgen zu lassen. Sie rechnet damit, rund zehn Tage lang unterwegs zu sein. Weswegen sie ihre Tour so öffentlich mit einem Reise-Blog zelebriert? "Ich fände es schön, wenn ich andere Menschen motivieren könnte, auch einmal so etwas auszuprobieren."
Nicht strampeln, sondern genießenDenn: Eine solche Tour sei womöglich etwas anstrengender als Strandurlaub, aber durchaus erholsam. "Man muss zusehen, dass man jeden Tag Kilometer reißt, aber man genießt die Zeit, die frische Luft und die Erfahrung." Und besagte Erfahrung – sie ist beim "Bikepacking" eben sprichwörtlich eine solche. Und so bleibt Kathrin Wawrzynosek nur zu wünschen, dass die Räder vernünftig rollen und sie ihr polnisches Ziel erreicht, ohne völlig von der Rolle zu sein.
Auf die leichte Tour: Das ist "Bikepacking"Beim "Bikepacking" wird das klassische Radreisen mit dem Minimalismus des sogenannten Ultraleicht-Trekkings kombiniert: Im Gegensatz zu traditionellen Radtouren wird auf schwere Gepäckträger verzichtet und Zelt, Proviant und Co. in speziellen Taschen direkt am Rahmen, Lenker und Sattel mitgeführt.
So bleibt das Fahrrad wendig, leicht und perfekt geeignet auch für unbefestigte Wege oder Schotterstraßen. Die Ausrüstung wird am Rahmen verteilt, um den Schwerpunkt optimal zu halten. Verwendet werden fürs "Bikepacking" meist sogenannte Gravelbikes – ein Fahrrad mit Rennrad-Look, aber breiteren und profilierten Reifen – oder Mountainbikes.
Von Christian Nick