Der Bahnhof ist nicht bloß ein Ort zum Ein- und Aussteigen. Ein Forschungsprojekt hat knapp vier Jahre lang untersucht, was das Gebäude und sein Konzept zur Ver
Wenn man an die Mobilität mit dem Zug denkt, kommen den meisten Reisenden womöglich zunächst Verspätungen, verpasste Anschlüsse oder auch Störungen auf der Strecke in den Kopf. Doch der Bahnhof als konkretes Gebäude und Start- oder Umsteigepunkt für die Reise wird dabei erstmal übersehen. Diesen Umstand will das jüngst abgeschlossene Projekt „Bahnhof der Zukunft als Kern multimodaler Mobilitätsplattformen in Kommunen“ ändern. Das Team um Projektleiterin Jutta Deffner hat in knapp vier Jahren zu der Frage geforscht, wie der Bahnhof zum Gelingen der Verkehrswende beitragen kann. Dazu machte die Gruppe Befragungen von zahlreichen Gruppen, die am neuralgischen Punkt Bahnhof zusammentreffen, um mehr über die Wünsche und Vorstellungen von Bahnhofsnutzenden in puncto Aufenthaltsqualität und Anschluss an weitere Mobilitätsangebote zu erfahren.

Jutta Deffner, Projektleiterin und Leiterin des Forschungsfelds Nachhaltige Gesellschaft am Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt. (Foto: ISOE)
Das Ergebnis ist ein Katalog über 32 Maßnahmen, die Bahnhöfe in Deutschland aufwerten. Das Projekt wurde im Auftrag des Deutschen Zentrum für Schienenverkehrsforschung beim Eisenbahnbundesamt durchgeführt, welches dem Bundesverkehrsministerium untersteht. Von den Erkenntnissen sollen aber auch die DB Infrago und vor allem die Kommunen profitieren. Im Gespräch skizziert Projektleiterin Deffner, was an Bahnhöfen in Deutschland gerade falsch läuft, welche Faktoren wichtig zur Verbesserung sind und über was ein Bahnhof in einem gut vernetzten Mobilitätskonzept verfügen müsste.
MIT Technology Review: An welchem Bahnhof waren Sie zuletzt und was fiel Ihnen da – positiv wie negativ – auf?
Jutta Deffner: Ich bin Pendlerin, deswegen bin ich ganz viel an meinem Heimatbahnhof Heidelberg und am Zielbahnhof Frankfurt am Main. Aber zuletzt war ich zum Beispiel am Bahnhof Weinheim. Das ist genau auf meiner Pendlerstrecke. Das ist eher ein kleiner Bahnhof und ich mag den total gerne. Die Bahnsteige und die Unterführung sind einigermaßen okay. Und er hat vor allem einen Bahnhofsvorplatz mit einem sehr schönen Busbahnhof, damit ist also die Anbindung an den örtlichen Nahverkehr gegeben. Außerdem gibt es Fahrradabstellanlagen. Ich war aber kürzlich an einem Sonntagnachmittag da und überraschenderweise hatte die Bäckerei nicht geöffnet. Die hatte ich sonst immer als offen wahrgenommen. Es gibt zwar eine Bahnhofsbuchhandlung, die wohl auch inzwischen Getränke verkauft, aber die Bäckerei war geschlossen und das fand ich gerade für Ausflügler wie Familien oder auch Ältere dann weniger attraktiv.
Man merkt gleich, dass Sie einen geschulten Blick für Bahnhöfe haben. Warum sehen Sie den Stellenwert von Bahnhöfen speziell für die Mobilitätswende so hoch an?
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