Beim ersten Herbstfest im Café KiWie in Wiehagen saßen Geflüchtete und Helfer zusammen. Unter den Besuchern waren ein Afghane und ein Iraner, die vor zehn Jahren hierher geflüchtet waren – einer hat eine Dachdecker-Ausbildung abgeschlossen, der andere steht vor dem Abitur.
23.10.2026 · 07:12 Uhr
Die ehrenamtlichen Helfer des Internationalen Treffs Bernd Hess (v. l.) und Friedhelm Selbach freuten sich beim Herbstfest, dass ihre Schützlinge wie Nassem Shams und Mohammad Jan Karimi in ihrer neuen heimat gute Wege eingeschlagen haben.
Foto: Wolfgang WeitzdörferHückeswagen · Beim ersten Herbstfest im Café KiWie in Wiehagen saßen Geflüchtete und Helfer zusammen. Unter den Besuchern waren ein Afghane und ein Iraner, die vor zehn Jahren hierher geflüchtet waren – einer hat eine Dachdecker-Ausbildung abgeschlossen, der andere steht vor dem Abitur.
An diesem Nachmittag sollten die Probleme einmal aus dem Café KiWie ausgesperrt bleiben. Das betonte Friedhelm Selbach anlässlich des ersten Herbstfests des Internationalen Treffs. „Eigentlich machen wir ja immer ein Sommerfest, in diesem Jahr haben wir das Fest aber in den Herbst gelegt – es gibt Pizza von ,Just Pizza‘ von der Bahnhofstraße und viele selbst gemachte Leckereien“, listete er auf. „Und wir wollen einfach zusammensitzen und gemütlich miteinander sprechen.“
Der Internationale Treff ist mittlerweile in seinem elften Jahr angekommen – immer wieder suchen neue geflüchtete Menschen dort Hilfe und finden Unterstützung bei allen Fragen rund um Aufenthaltsstatus, Behördendschungel, Jobcenter oder Sprachkurse bei den insgesamt zwölf ehrenamtlichen Helfern aus der Evangelischen Kirchengemeinde. Zum Herbstfest hatten aber auch viele altbekannte Gesichter, die schon lange angekommen und mittlerweile integriert sind, den Weg an den Drosselweg gefunden.
Wie etwa Mohammad Jan Karimi. Der 27-Jährige war 2015 aus Afghanistan nach Hückeswagen gekommen. „Zuerst habe ich in einer Wohngruppe in Wipperfürth gelebt, ehe ich dann weitergezogen bin“, sagte er. Da war das Café KiWie ein erster und sehr hilfreicher Anlaufpunkt für den Jugendlichen. „Ich habe dann hier meine Ausbildung zum Dachdecker bei Vierkant & Redetzky gemacht“, berichtete er.
Leider habe er aber auf Dauer keine Wohnung in der Schloss-Stadt gefunden, so dass sich sein Lebensmittelpunkt mittlerweile nach Radevormwald für die Arbeit und zum Wohnen nach Remscheid verlegt habe. „Ab und zu komme ich aber an den Mittwochnachmittagen hier im Internationalen Treff vorbei und sage Hallo“, sagte Karimi.
Saman Shams ist ebenfalls seit zehn Jahren in Hückeswagen; der heute 17-Jährige war als Kind aus dem Iran nach Deutschland geflohen. Auch er ließ sich am Mittwochnachmittag Pizza und Salat schmecken. Nach Grund-, Haupt- und Realschule besucht der Jugendliche mittlerweile das EvB-Gymnasium in Wipperfürth.
„Das war gerade in Corona alles nicht so leicht, aber ich bin jetzt nach einem Jahr am Berufskolleg in Wipperfürth in die Oberstufe gekommen und werde jetzt mein Abitur machen“, erzählte er. Saman ärgerte sich ein wenig darüber, dass er in der Pandemiezeit nicht direkt zum Realschulabschluss gekommen war und unfreiwillig ein Jahr dranhängen musste. Dennoch blicke er nun nach vorne, auch ein Studium könne er sich vorstellen.
Natürlich blieben die eigentlichen Themen aber nicht ganz außen vor. „Das ist nach wie vor, Arbeit und Wohnungen für die geflüchteten Menschen zu finden“, betonte Selbach. Da sei man auf die Hilfe der Hückeswagener angewiesen.
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