Nach fast 50 Jahren sind Tschechiens einst höchste Sendemasten gesprengt worden. Ihre Stahlreste werden nun zerlegt und recycelt.
Nach fast 50 Jahren sind Tschechiens einst höchste Sendemasten gesprengt worden. Ihre Stahlreste werden nun zerlegt und recycelt.
Am 15. Oktober 2026 ließ der tschechische Telekommunikations- und Rundfunkdienstleister České Radiokomunikace (CRA) die beiden 355 Meter hohen Sendemasten der Sendeanlage Liblice B sprengen. Sie standen in der Kleinstadt Český Brod östlich von Prag.
Die Anlagen galten fast 50 Jahre lang als höchste Bauwerke Tschechiens und waren sogar höher als der Eiffelturm, der einschließlich seiner Antenne rund 330 Meter misst. Gegen 11.15 Uhr brachte die Sprengung die Stahlkonstruktionen kontrolliert zu Boden, berichtet das tschechische Nachrichtenportal ČT24.
Beide Masten stürzten gleichzeitig zu Boden. Experten durchtrennten dafür mehrere Spannseile mit speziellen Sprengladungen. Der Fall dauerte laut ČT24 rund zehn Sekunden und verlief nach Plan. Für die Sicherheit rund um das Gelände sorgten 28 Wachleute und zahlreiche Polizisten.
Viele Zuschauer hatten versucht, trotz Absperrungen einen guten Blick auf den Abriss zu bekommen. „Ein solches Ereignis erlebt man nur einmal im Leben. Gleichzeitig finde ich es nicht schade, dass die Masten verschwinden“, sagt Josef Suchánek aus Suchdol bei Kutná Hora gegenüber dem Portal iDNES, der den Abriss mitverfolgte.
Nach der Sprengung begann das Unternehmen Kovo-Central mit den Aufräumarbeiten. Bagger zerlegen derzeit den Stahl in transportfähige Teile, anschließend wird das Material recycelt. Für die Zerlegung und den Abtransport seien insgesamt 20 Tage eingeplant.
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Der Tschechische Rundfunk stellte die Mittelwellenausstrahlung Ende 2021 ein, anschließend sendete der Privatsender Country Radio von Oktober 2023 bis Ende März 2025 über die Liblice-Masten. Seitdem waren sie nicht mehr für den Sendebetrieb im Einsatz, berichtet ČT24. Für eine Sanierung wären mindestens 170 Millionen Kronen (etwa 6,9 Millionen Euro) nötig gewesen. Mit dem Ende der Masten ist der Sender Krašov in Westböhmen mit 347,5 Metern nun das höchste Bauwerk Tschechiens.
Die Sendeanlage Liblice B bestand aus zwei dreieckigen Stahlmasten, die 120 Meter voneinander entfernt standen. Jeder Mast wurde von 15 Ankerseilen gesichert. Zusätzliche vertikale Seile bildeten zusammen mit dem ARPO-Antennensystem einen Käfig um die Konstruktion, informiert die Webseite „Liblice 355“.
Für die Signalübertragung sorgten zwei Röhrensender vom Typ Tesla SRV 750 mit einer ursprünglichen Gesamtleistung von 1,5 Megawatt. Zur Wartung führten Servicelifte und Leitern ins Innere der Masten. Der Aufstieg bis in die Nähe der Spitze dauerte laut einer Reportage des Tschechischen Rundfunks rund 45 Minuten.
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