Der Putz bröckelt, das Unkraut sprießt: Auf dem Gelände der ehemaligen Bruch-Brauerei passiert seit Jahren wenig bis nichts. Doch nun kommt offenbar Bewegung in das Megaprojekt. Was genau geplant ist.
Saarbrücken · Der Putz bröckelt, das Unkraut sprießt: Auf dem Gelände der ehemaligen Bruch-Brauerei passiert seit Jahren wenig bis nichts. Doch nun kommt offenbar Bewegung in das Megaprojekt. Was genau geplant ist.
15.10.2026 , 13:21 Uhr
Wann tut sich endlich was auf dem Gelände der ehemaligen Bruch-Brauerei in Saarbrücken?
Foto: Thomas SchäferJahrzehntelang war das Gelände an der Scheidter Straße ein ganz besonderes Fleckchen Saarbrücken, ein Ort der Arbeit, der Handwerkskunst, des Genusses. Wer, der alt genug ist, erinnert sich nicht noch mit Freude an die legendären Feste im Hof?
Heute ist das ehemalige Gelände der Bruch-Brauerei ein wirklich trister Ort. Seit das Unternehmen nach anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten den Stammsitz am Rotenbühl im Zuge eines Insolvenzverfahrens verkaufen musste, bröckelt der Glanz alter Tage. Und das im wahrsten Wortsinne. Das schöne bunte Gemälde mit dem liegenden Goethe ist nur noch schwer zu erkennen, da an vielen Stellen der Putz abgefallen ist. Auf dem Pflaster vor der markanten Fassade stehen Bauzäune, dahinter wachsen Unkraut und sogar kleine Bäume, liegen abgeschnittene Äste auf einem Haufen, man sieht einen kaputten Schirm und einen lädierten Hula-Hoop-Reifen.
Dabei gibt es eigentlich große Pläne für das Ensemble am Fuße einer der besten Wohngegenden der Landeshauptstadt. Zwar gibt es kein Zurück mehr zu alten Bier-Zeiten, doch die Zukunft schien geklärt und durchaus ambitioniert. Die neuen Eigentümer, die französischen Geschäftsmänner Lionel Clary und Thierry Stepec, haben mit ihrer Innovatis GmbH eigentlich viel vor. Schon 2021 war von einer Appartementanlage im Grünen mit großer Tiefgarage die Rede. 2023 wurde es, auch weil sich der Stadtrat mit dem Millionen-Projekt befassen musste, konkreter. Wohnungen und eine Tagespflegeeinrichtung sollen auf dem Brauereigelände entstehen, hieß es. Die Bestandsgebäude müssten dafür komplett abgerissen werden, die markante Fassade aber teilweise erhalten bleiben beziehungsweise solle rekonstruiert werden.
„Ich hoffe, dass wir 2024 anfangen können“, erklärte Stepec einigermaßen euphorisch im Sommer 2023: Dieses Ziel wurde klar verpasst. Ebenso die 2025 geäußerte Aussicht, dass bestenfalls Anfang 2026 mit dem Bau begonnen werden könne. Passiert ist bislang, soweit es zumindest von außen sichtbar ist, überhaupt nichts. Muss man sich Sorgen um das Projekt machen? Wohl nicht. Denn nach etlichen Monaten hat sich wieder etwas getan. Wie die Stadtpressestelle auf SZ-Anfrage erklärt, ist Ende Juli ein Bauantrag eingereicht worden.
Innovatis-Gesellschafter Stepec bestätigt das – und er hat noch weitere Neuigkeiten parat. Demnach sei seine Firma aktuell dabei, noch fehlende Unterlagen zusammenzustellen, dabei gehe es unter anderem um energetische und ökologische Anforderungen. Das Ganze sei ein „längeres Procedere“, doch man habe nunmehr alles besprochen und sei zuversichtlich, in wenigen Wochen alles fertig zu haben und dann spätestens Anfang des neuen Jahres die Baugenehmigung erteilt zu bekommen. Ob Innovatis selbst bauen wird, das ist die vielleicht größte Neuigkeit in dem Thema, sie inzwischen gar nicht mehr sicher, wenn auch weiterhin möglich. Man befasse sich mit einem Plan A, selber bauen, und einem Plan B, der den Verkauf des Geländes an einen Investor vorsieht. Für welchen Plan man sich entscheide, hänge von den konkreten Angeboten und Gesprächen ab.
So oder so sollen sich die Reste der Bruch-Brauerei in eine kleine, aber feine städtische Siedlung verwandeln. Geplant seien weiterhin mehr als 100 Wohnungen mit einer Tagespflegeeinrichtung sowie einer großen Tiefgarage. Es gehe um generationsübergreifendes Wohnen, das es insbesondere älteren Menschen ermöglichen solle, möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden zu leben. Die Wohnungen sollen zwischen 30 und 120 Quadratmeter groß werden, das Besondere an dem Konzept: Die künftigen Bewohner sollen sich bei Bedarf unterschiedliche Dienstleistungen hinzubuchen können – vom warmen Mittagessen über Putz-, Wäsche- und Einkaufsservice bis hin zur Pflege.
Wer noch fit sei und keine Hilfe benötigte, könne genauso einziehen, sich später dann flexibel Unterstützung dazu holen, ohne dafür an einen anderen Ort oder in eine Pflegeeinrichtung umziehen zu müssen. Stepec sagt, man könne sich „à la carte“ für zusätzlichen Service entscheiden, und zwar genau dann, wenn man ihn brauche. Mit diesem Konzept habe er in Frankreich sehr gute Erfahrungen gemacht. Für Saarbrücken schwebt ihm unter anderem vor: „Ich kann durch die Tiefgarage von meiner Wohnung zur Tagespflege kommen, ohne einmal nass zu werden.“
Stepec rechnet damit, dass sich im Laufe des kommenden Jahres nun für alle sichtbar etwas auf dem Gelände tut, wahrscheinlich aber erst im Sommer oder Herbst. Der Abriss werde mit dem anschließenden Neubau abgestimmt, dies werde nochmals einige Zeit in Anspruch nehmen. Die geschätzten Investitionskosten liegen aktuell bei rund 40 Millionen Euro. Die Bauzeit soll nach früheren Angaben zwei bis zweieinhalb Jahre betragen. (oli)
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