Stimmung auf der Bühne, aber nicht so richtig im Publikum: Goldmeister gaben beim Euroclassic-Festival alles, bekamen aber nur verhaltenen Zuspruch. Lag’s dran, dass eher ein Kamel durchs Nadelöhr geht als dass genug Saarländer für Kultur nach Zweibrücken fahren?
Zweibrücken · Stimmung auf der Bühne, aber nicht so richtig im Publikum: Goldmeister gaben beim Euroclassic-Festival alles, bekamen aber nur verhaltenen Zuspruch. Lag’s dran, dass eher ein Kamel durchs Nadelöhr geht als dass genug Saarländer für Kultur nach Zweibrücken fahren?
14.10.2026 , 21:50 Uhr
Tolle Band, gut aussehende Frontmänner und eine schöne Mischung aus Swing und Rap – das gab es beim Goldmeister-Konzert in der Festhalle zu erleben.
Foto: Sebastian DinglerIrgendwie hinterließ das Konzert von Goldmeister im Rahmen des Euroclassic-Festivals 2026 gemischte Gefühle. Nicht dass an der Band irgendwas auszusetzen gewesen wäre, Gott bewahre! Aber die Menge an Energie, die von der Bühne in Zweibrücken rüberkam und die woanders sicher zu einer ausgelassenen Tanzstimmung geführt hätte, fiel auf keinen wirklich fruchtbaren Boden. Die Show riss die etwa halbvolle Festhalle einfach nicht so richtig aus den Sitzen.
Woran könnte das gelegen haben? Zum einen hatte man nicht den Eindruck, dass es sich beim gediegenen Festhallen-Publikum um eine tanzwütige Menge in Partylaune handelte. Das lag womöglich daran, dass das Wort „Swing“, mit dem Goldmeister hausieren geht, eher noch mit altbackener Musik zum Zuhören verbunden wird – was ja auch lange stimmte. Wer aber mal eine Party der Saarbrücker Lindyhop-Gemeinde erlebt hat, wird da umgedacht haben: In manchen Clubs wird im Saarland jetzt wild zu Benny Goodman und Glenn Miller getanzt – eben diesen Lindyhop, den Tanz zur Swingmusik, der gerade ein großes Revival erlebt. Mit Sicherheit hätten diese jungen Leute viel Stimmung in die Bude gebracht – wenn sie denn da gewesen wären. Aber, und das ist der andere Punkt, entweder wussten sie nicht vom Goldmeister-Konzert oder es galt für sie der alte Spruch, dass schon die Rolling Stones und der Papst zusammen auftreten müssten, ehe ein Saarbrücker nach Zweibrücken fährt.
Die beiden Goldmeister-Sänger Chris Dunker und Philipp Ohleyér ließen sich zum Glück nicht verunsichern und lieferten ihr Showprogramm ab, gerade als würden sie vor tausend euphorischen Fans auftreten. Das Konzept, das sich die beiden schon 2016 ausgedacht hatten, kombiniert den guten alten Deutsch-Rap von Fanta Vier, Fettes Brot, Freundeskreis und Konsorten mit dem Swing der Goldenen Zwanziger – mit Letzterem wurde das diesjährige Euroclassic-Motto voll bedient. Aus diesen beiden Einflüssen erklärt sich auch der Bandname: Gold steht für den Swing und Meister für Grandmaster Flash, den Hip-Hop-Pionier aus den USA.
Ab und zu verirrte sich auch mal eine ganz andere Nummer ins Repertoire, so etwa Udo Lindenbergs Cello oder Udo Jürgens’ „Ich war noch niemals in Ney York“. Und tatsächlich schreiben die Sonnyboys Dunker und Ohleyér auch mal einen eigenen Song, so etwa das launige „Tattoo“, das textlich an „Die da“ von Fanta Vier erinnerte. Oder „Nimm mich“, in dem es spaßeshalber um die Konkurrenz der beiden smarten Frontmänner um eine Frau ging.
Dass die Festhalle am Samstagabend keine wilde Tanzparty erlebte, soll nicht heißen, dass Goldmeister schlecht ankamen. Am Ende schaltete die Band sogar auf Stimmungsmusik um – zu „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ wagten einige sogar den Gang ins Publikum.
„Mir hat’s saugut gefallen“, sagte der Zweibrücker Fritz Bippart hinterher. „Ich finde es nur ein bisschen schade, dass so ein Konzert irgendwie nicht so richtig angenommen wird in Zweibrücken.“ Er vermutete, dass 80 Prozent der Leute, die da waren, nur wenig mit Goldmeister anfangen konnten. Manche seien sogar vor dem Ende gegangen. „Die waren wahrscheinlich zu alt für die Texte und Lieder.“ Seine Frau Anja meinte, dass Dunker und Ohleyér „als Persönlichkeiten wirklich so einen Schwung mitgebracht haben. Die hatten immer ein fröhliches Gesicht. Die Band war außerdem super.“ Das fand auch Carmen Ernst aus Contwig: „Die Musiker waren allererste Sahne. Außerdem war das genau die Musik meiner Jugend.“ Ihr Mann Christian sagte, es sei zwar nicht seine Musik gewesen, aber dennoch besser als erwartet. Nur die Tonabmischung im ersten Teil gefiel ihm nicht: „Wenn da die Bläser eingesetzt haben, hat man die Sänger nicht mehr verstanden.“ Im zweiten Teil sei das dann besser gewesen.
Und wie empfanden den Auftritt die beiden Hauptprotagonisten des Abends? Denen merkte man an, dass sie nichts Falsches sagen wollten. Denn schließlich hatten sie ja einen wohlverdienten Applaus und den obligatorischen Zugabewunsch bekommen. Aber natürlich werde normalerweise bei Goldmeister-Konzerten viel getanzt. „Das kommt aber immer auf die Leute an“, meinte Ohleyér. Man spiele auch schon mal in Theaterhäusern, wo man die Bänke gar nicht herausnehmen könne, erhählte Dunker. Die beiden zeigten sich nach dem Konzert auch genauso gutgelaunt wie auf der Bühne und demonstrierten sogar ein paar Tanzschritte mit einem weiblichen Fan.
Ursprünglich hatten Dunker und Ohleyér eine andere Band namens Phoenix West gehabt. Dann sei das aber etwas eingeschlafen und beim gemeinsamen Jammen habe sich die Vorliebe beider für den Swing herauskristallisiert. Man wollte dann damit etwas machen, was es nicht schon tausendmal gibt. Die Umsetzung des „Fanta Vier“-Hits „Sie ist weg“ wurde dann auch gleich gut angenommen, sodass man dem oben beschriebenen Konzept treu blieb. Als dann die beiden Freunde bei einem Hamburger Künstlertreffen den Pianisten und Arrangeur Lutz Krajenski (der auch in Zweibrücken dabei war), kennenlernten, bekam das Projekt einen weiteren Schub. „Der sagte ‚mega!‘, als wir ihm davon erzählten.“ Krajenski, das verkündeten Dunker und Ohleyér schon von der Bühne, ist eine große Nummer in der Szene: Unter anderem wirkte er bei Tom Jones’ Welthit „Sexbomb“ mit oder leitete die Band von Roger Cicero.
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