Drei Onkologen setzen auf dasselbe Speiseöl. Studien zeigen, was dafür spricht – und was Sie bei der Zubereitung beachten sollten.
Drei Onkologen setzen auf dasselbe Speiseöl. Studien zeigen, was dafür spricht – und was Sie bei der Zubereitung beachten sollten.
Drei Onkologen, dieselbe Antwort: Das US-Magazin „Parade“ fragt Amar Rewari, Ezekiel Emanuel und Gary Deng nach ihrem bevorzugten Speiseöl. „Natives Olivenöl extra ist das beste Speiseöl, das man haben kann“, sagt Emanuel. Auch die anderen beiden nennen unabhängig voneinander natives Olivenöl extra.
Die drei Mediziner setzen in ihrer Arbeit unterschiedliche Schwerpunkte. Amar Rewari leitet die Strahlenonkologie beim US-Gesundheitsverbund Luminis Health und ist zusätzlich an der Johns Hopkins School of Medicine tätig. Ezekiel Emanuel ist Onkologe und Medizinethiker. Gary Deng wiederum leitet ein Programm für integrative Onkologie, das klassische Krebstherapien unter anderem durch Ansätze aus Ernährung, Bewegung und Stressmanagement ergänzt.
Was also macht ausgerechnet Olivenöl für alle drei zur ersten Wahl? Rewari begründet seine Aussage mit den enthaltenen Antioxidantien und ungesättigten Fettsäuren. Antioxidantien können reaktive Moleküle abfangen und dadurch Zellen vor oxidativen Schäden und chronischen Entzündungen schützen. Diese könnten Tumorbildung und Tumorwachstum begünstigen. Ungesättigte Fettsäuren gelten außerdem in der Ernährung als günstigere Wahl als gesättigte Fettsäuren. Und was sagt die Forschung zur gemeinsamen Wahl der drei Krebsmediziner?
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Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 umfasst 45 Untersuchungen mit insgesamt fast einer Million Teilnehmern. Menschen mit dem höchsten Olivenölkonsum weisen darin ein um 31 Prozent niedrigeres Krebsrisiko auf als Personen mit dem niedrigsten Konsum. Zusammenhänge zeigen sich unter anderem für Brustkrebs sowie Tumoren des Verdauungs- und Harntrakts.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Olivenöl Krebs verhindert. Die Metaanalyse basiert überwiegend auf Beobachtungsstudien, aus denen sich keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten lässt. Menschen, die viel Olivenöl verwenden, können sich beispielsweise auch insgesamt anders ernähren.
Entscheidend ist daher der Blick auf die gesamte Ernährung: Internationale Fachgesellschaften stellen bei der Krebsprävention nicht einzelne Lebensmittel, sondern ein gesundes Ernährungsmuster mit viel Vollkorn, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten in den Mittelpunkt. Olivenöl kann ein Bestandteil davon sein.
Nicht nur bei der Wahl des Speiseöls herrscht unter den drei Medizinern Einigkeit. Auch von einer bestimmten Zubereitungsart raten sie ab: Öl beim Frittieren immer wieder stark zu erhitzen.
Der Grund liegt in den chemischen Veränderungen, die bei hohen Temperaturen entstehen können. Deng verweist unter anderem auf Aldehyde, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und andere Lipidoxidationsprodukte. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um Stoffe, die beim starken Erhitzen und bei der Oxidation von Fett entstehen können. Rewari zufolge können solche Produkte oxidativen Stress und Entzündungsprozesse begünstigen. Zudem seien frittierte Lebensmittel kalorienreich und begünstigten Übergewicht, das selbst ein Krebsrisikofaktor sei. „Es ist wahrscheinlich das gesamte Ernährungsmuster und die Zubereitungsmethode, die viel mehr zählen als ein einzelnes Öl“, so Rewari.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich Speiseöle bei hohen Temperaturen verändern und verschiedene Oxidationsprodukte bilden können. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welches Öl verwendet wird, sondern auch, wie stark und wie häufig es erhitzt wird. Moderates Braten mit Olivenöl ist deshalb nicht grundsätzlich problematisch.
Ausgerechnet beim Favoriten der Onkologen hält sich ein hartnäckiger Mythos: Viele Menschen glauben, natives Olivenöl dürfe grundsätzlich nicht erhitzt werden.
Für Dünsten, Backen oder moderates Braten kann natives Olivenöl deshalb grundsätzlich verwendet werden. Es sollte allerdings nicht unnötig lange oder so stark erhitzt werden, dass es sichtbar raucht.
Aus den Empfehlungen der Onkologen und der Studienlage lassen sich vier einfache Regeln für die eigene Küche ableiten:
Ganz so ausschließlich fällt die Wahl der Mediziner übrigens nicht aus: Rewari verwendet nach eigenen Aussagen gelegentlich auch Avocadoöl. Emanuel nennt Rapsöl als preisgünstigere und geschmacksneutralere Alternative. Dieses werde zu Unrecht verteufelt, sagt der Onkologe: „Es ist ein sehr gutes Öl.“
Die gemeinsame Wahl der drei Onkologen hat damit gute Gründe: Natives Olivenöl extra kann ein sinnvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein. Für die Krebsprävention kommt es jedoch nicht auf ein einzelnes Lebensmittel an, sondern auf das gesamte Ernährungsmuster – und darauf, wie Lebensmittel in der Küche zubereitet werden.