Die Japaner erfreuen sich einer hohen Lebenserwartung. Der „Club der Hundertjährigen“ feiert einen Rekord. Doch zugleich schrumpft die Bevölkerung des Landes.
Die Menschen im Inselreich Japan erfreuen sich einer hohen Lebenserwartung. Der „Club der Hundertjährigen“ feiert einen Rekord. Doch zugleich schrumpft die Bevölkerung des Landes.
In Japan ist die Zahl der Hundertjährigen erstmals über die Rekordmarke von 100.000 Menschen gestiegen. Insgesamt 107.677 Menschen im Alter von 100 oder mehr Jahren zählt die nach Deutschland viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt inzwischen. Das seien 7914 Menschen mehr als ein Jahr zuvor, gab das Gesundheitsministerium in Tokio bekannt. „Wir freuen uns, dass viele Menschen dank der Fortschritte in der Medizintechnik länger leben und aktiv bleiben“, sagte Gesundheitsminister Kenichiro Ueno vor der Presse.
Auffällig ist die Geschlechterverteilung: Rund 88 Prozent aller japanischen Hundertjährigen sind weiblich – das sind 94.298 Frauen gegenüber 13.379 Männern.
Laut der japanischen Behörde ist
Jeder, der in diesem Fiskaljahr seinen 100. Geburtstag feiert – insgesamt 54.294 Menschen –, erhält traditionell ein Glückwunschschreiben des Premierministers und ein Geschenk.
Internationale Studien haben wiederholt Zweifel an Hundertjährigen-Statistiken geäußert: Fehlerhafte Daten, unzuverlässige Melderegister und fehlende Geburtsurkunden könnten die Zahlen in vielen Ländern nach oben verzerren. Nicht ganz unbegründet: Als die japanische Regierung 2010 stichprobenartig Familienregister überprüfte, stießen die Behörden auf mehr als 230.000 Einträge von angeblich über Hundertjährigen, die bereits Jahrzehnte zuvor verstorben waren. Dahinter steckten zum einen lückenhafte kommunale Buchführung, zum anderen der Verdacht, dass einzelne Familien den Tod älterer Angehöriger bewusst verschwiegen hatten, um weiterhin deren Rentenansprüche zu kassieren.
Der Skandal führte zu einer grundlegenden Reform: Seitdem gleicht das Gesundheitsministerium seine Erhebungen systematisch mit den kommunalen Melderegistern ab und zählt nur Personen, deren Existenz nachweislich bestätigt ist. Die aktuelle Zahl von 107.677 gilt daher als erheblich belastbarer als frühere Statistiken – ein gewisses Restrisiko bei der Datenqualität lässt sich aber nie ganz ausschließen.
Japan zählt zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung ab Geburt weltweit. Nach Angaben der Weltbank-Gruppe lag die durchschnittliche Lebenserwartung dort im Jahr 2024 bei 84 Jahren. In Deutschland lag der entsprechende Wert bei 81 Jahren, in den USA bei 79 – weltweit bei 73.
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Dass das Prinzip nicht nur auf einer japanischen Insel trägt, zeigt eine im Juli 2026 veröffentlichte Meta-Analyse im Fachjournal „Psychological Medicine“. Die Forscher werteten 25 Studien aus den USA, Europa und Asien aus, mit insgesamt 488.765 Teilnehmern. Ergebnis: Menschen mit einem ausgeprägten Lebenssinn haben ein rund 30 Prozent niedrigeres Sterberisiko. Der Effekt blieb auch nach Herausrechnung klassischer Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht bestehen.
Laut Psychokardiologe Roland Prondzinsky wirkt ein klar empfundenes Ikigai wie ein natürlicher Stresspuffer. In einem Beitrag bei FOCUS online schreibt er, es senke den Cortisolspiegel, fördere die Ausschüttung von Dopamin und Oxytocin und stärke den Parasympathikus – den körpereigenen „Ruhepol“.
Die Folge: weniger chronischer Stress, besserer Schlaf, geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Entscheidend dabei: Ikigai muss nicht weltbewegend sein. Gartenarbeit, Kochen für andere, ein Ehrenamt oder das tägliche Tee-Ritual – was zählt, ist, dass es echt ist und Freude stiftet. Vier Fragen können dabei helfen:
„Dort, wo sich diese vier Kreise überschneiden, liegt Ikigai. Und wer diesem Punkt näherkommt, lebt oft automatisch gesünder“, schreibt Prondzinsky.
Die Zahl steigt damit seit nunmehr 56 Jahren ununterbrochen an. Als das Ministerium 1963 mit der Erhebung begann, zählte das Inselreich gerade einmal 153 Hundertjährige. 25 Jahre später waren es dann schon mehr als 10.000.
Zugleich aber schrumpft Japans Bevölkerung angesichts niedriger Geburtenraten und einer im internationalen Vergleich geringen Einwanderung im Rekordtempo. Die offiziellen Zahlen des japanischen Innenministeriums zeigen: Zum Stichtag des 1. Januar 2026 lebten nur noch 119,7 Millionen japanische Staatsbürger im Land – ein Rückgang um 916.744 Einwohner innerhalb eines einzigen Jahres. Es ist das 17. Jahr in Folge, in dem die Zahl der japanischen Einwohner sinkt, und der stärkste Rückgang seit Beginn der Erfassung.
Der Grund ist ein dramatischer Geburtenrückgang: 2025 kamen nur noch 670.467 Kinder mit japanischer Staatsangehörigkeit zur Welt – ein historisches Tief und der zehnte Rückgang in Folge – dem gegenüber standen 1,593 Millionen Todesfälle.
Die Kosten für die soziale Sicherung in Japan steigen aufgrund der rückläufigen Geburtenrate und der alternden Bevölkerung von Jahr zu Jahr an und belasten die öffentlichen Finanzen. Und das in einem Land, das ohnehin schon die mit großem Abstand höchste Staatsverschuldung unter den Industrieländern hat.
mit dpa
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