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Mehr Taschengeld und Rechtsanspruch: Was Priens Reform für München und Bayern bedeutet

Дата публикации: 07-10-2026 10:08:22

Bundesfamilienministerin Karin Prien plant eine Reform der Freiwilligendienste. In Bayern und München trifft der Vorstoß auf eine akute Bewerberkrise.

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Mehr Taschengeld und Rechtsanspruch: Was Priens Reform für München und Bayern bedeutet

Stand: 07.10.2026, 12:08 Uhr

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Bundesministerin Karin Prien (CDU) kündigt eine Reform von FSJ und BFD an.

Bundesministerin Karin Prien (CDU) kündigt eine Reform von FSJ und BFD an. © Michael Kappeler/dpa

Bundesfamilienministerin Karin Prien plant eine Reform der Freiwilligendienste. In Bayern und München trifft der Vorstoß auf eine akute Bewerberkrise.

Berlin/München – Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat einen Gesetzentwurf zur umfassenden Reform der Freiwilligendienste angekündigt, der noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden soll. Die Reform soll den Bundesfreiwilligendienst (BFD), Jugendfreiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) sowie den Zivil- und Katastrophenschutz gemeinsam regeln. Ziel ist, einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf einen Dienstplatz zu schaffen und die finanzielle Vergütung spürbar anzuheben.

Für den Freistaat Bayern und insbesondere den Großraum München kommt der Vorstoß zu einem kritischen Zeitpunkt: Träger wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und die Caritas kämpfen infolge der bayerischen G9-Schulreform mit einem spürbaren Bewerbermangel.

Mehr Taschengeld und Rechtsanspruch: Die Kernpunkte der Bundesreform

Prien betonte nach Gesprächen in Kiew gegenüber der Rheinischen Post und der Deutschen Presse-Agentur, dass die gesellschaftliche Resilienz gestärkt werden müsse: „Die Frage, was kann ich für mein Land tun, ist dabei zentral.“ Der Gesetzentwurf soll den Gesellschaftsdienst zukunftssicher aufstellen. Ihr Gesetzentwurf umfasst mehrere zentrale Maßnahmen:

  • Gesetzlicher Rechtsanspruch: „Wir wollen faktisch einen Rechtsanspruch schaffen, eine Garantie, dass jeder, der einen Gesellschaftsdienst leisten will, diesen auch leisten kann“, betonte Prien gegenüber der dpa.
  • Spürbar höheres Taschengeld: Bislang erhalten Engagierte im FSJ oder BFD meist nur ein geringes Taschengeld. Der Dienst soll finanziell so aufgewertet werden, dass ein Engagement nicht am Budget der Familie scheitert – eine Vereinbarung, die Union und SPD auch im Koalitionsvertrag festgehalten haben.
  • Zivile Vorsorge und Wehrdienst-Verzahnung: Prien sieht das Vorhaben auch als Vorbereitung auf einen möglichen Zivildienst – für den Fall, dass die Wehrpflicht wieder eingeführt wird. Eine verpflichtende Dienstpflicht sei derzeit mangels verfassungsändernder Mehrheit jedoch nicht geplant.
Die bayerische Realität: G9-Lücke und teures Pflaster München

In Bayern trifft der Vorstoß auf eine besonders angespannte Lage: Durch die bayerische Rückkehr vom G8 zum neunjährigen Gymnasium (G9) fiel 2025 der reguläre Abiturjahrgang weitgehend aus – bayernweit machten nur rund 5900 statt der üblichen 34.000 Schüler Abitur. Da Abiturienten und FOS-Absolventen traditionell rund die Hälfte aller Freiwilligen stellen, fehlen den Einsatzstellen im Freistaat hunderte Helfer:

  • Beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) sank die Zahl der Freiwilligen um 30 bis 40 Prozent auf rund 900 Helfer (statt üblicherweise 1.300 bis 1.400).
  • Die Caritas in Bayern verzeichnete ein Bewerberminus von rund 25 Prozent; zeitweise waren rund 200 Plätze unbesetzt.

Besonders in München stellt die Vergütung eine massive Hürde dar: In der Praxis liegt das monatliche Taschengeld bei Trägern im Großraum München zwischen 450 und 650 Euro. Angesichts der Münchner Mietpreise ist ein Freiwilligendienst für auswärtige Bewerber ohne elterliche Finanzspritze kaum bezahlbar.

FSJ-ler Florian Königer (19) vor einem Rettungswagen an der BRK-Wache Aubing in München.

FSJ-ler Florian Königer (19) vor einem Rettungswagen an der BRK-Wache Aubing in München. © Foto: Astrid SchmidhuberReaktionen aus Wohlfahrt und Politik

Unterstützung für den Vorstoß kommt von der Caritas. Präsidentin Eva Welskop-Deffaa nannte ein Gesetz zur Stärkung der Freiwilligendienste „überfällig“, mahnte jedoch: Solange unklar sei, ob eine neue Wehrpflicht komme, sei eine Neuordnung des Zivildienstes nur sehr begrenzt sinnvoll möglich. Wohlfahrtsverbände fordern eine Anhebung des Taschengeldes auf BAföG-Niveau.

Auch die Grünen begrüßen die Reformpläne im Grundsatz: Fraktionsvize Misbah Khan forderte ebenfalls einen garantierten Rechtsanspruch auf einen Einsatzplatz. Scharfer Widerspruch kommt von der Linksfraktion: Die Bundestagsabgeordnete Mandy Eißing warnte vor einer Zweckentfremdung der Dienste als „Instrument der Militarisierung“. Die SPD äußerte sich reserviert: Verteidigungspolitiker Felix Döring betonte, durch die Modernisierung des freiwilligen Wehrdienstes stelle sich die Frage einer Wehrpflicht-Rückkehr momentan nicht.

Parallel treiben CSU und Freie Wähler auf Landesebene das Modellprojekt eines „Bayernjahrs“ voran, um Freiwilligendienste über zusätzliche Vergünstigungen attraktiver zu machen. (Quellen: dpa, Rheinische Post) (cs)

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