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„Die Auswahl an deutschen Spielern in der Bundesliga wird kleiner“

Дата публикации: 15-09-2026 07:29:00

Ex-Trainer Mirko Slomka rechnet vor, wie Klubs wie Ex-Meister Leverkusen aufstellen - und unbewusst dem Nachwuchs kein Risiko zutrauen

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Ex-Trainer Mirko Slomka rechnet vor, wie Klubs wie Ex-Meister Leverkusen aufstellen - und unbewusst dem Nachwuchs kein Risiko zutrauen

Zwei deutsche Spieler beim deutschen Meister von 2024, und zusammen bringen sie es auf 44 Einsatzminuten. Robert Andrich und Jonas Hofmann bei Bayer Leverkusen – mehr steht bisher nicht auf dem Zettel. Es ist eine dieser Zahlen, die man zweimal liest, weil man beim ersten Mal einen Tippfehler vermutet.

Mirko Slomka hat sie in einer Kicker-Kolumne aufgeschrieben, und sie taugt zu mehr als zur Empörung über einen einzelnen Klub. Wer sich fragt, warum Jürgen Klopp als Bundestrainer die Qual der Wahl hat – mit Betonung auf Qual –, findet in diesen 44 Minuten die Antwort im Kleinen. Die Bundesliga stellt ihm einen Talentepool bereit, der jedes Jahr schrumpft. Das ist kein Klopp-Problem, das ist eines der wirtschaftlichen Logik der Klubs.

„Die Auswahl an deutschen Spielern wird kleiner“

„Selbst der beste Trainer ist auf die Spieler angewiesen, die ihm der deutsche Fußball zur Verfügung stellt. Und die Auswahl wird kleiner“, schreibt Slomka. Er nennt die Bundesliga eine „Verkaufsliga“: Vereine holen junge Spieler aus dem Ausland, entwickeln sie und veräußern sie gewinnbringend weiter. Für viele Klubs sei das eine wirtschaftliche Überlebensstrategie – „doch sie macht Klopp das Leben schwerer“.

Die Größenordnung wird an einem Vorher-Nachher greifbar. In der Saison vor dem WM-Triumph 1990 kamen deutsche Profis in der Bundesliga auf 511.759 Einsatzminuten, in der vergangenen Spielzeit nur noch auf 235.689 – weniger als die Hälfte. Der Spielraum, in dem ein deutscher Profi überhaupt auf den Platz kommt, hat sich in gut dreißig Jahren mehr als halbiert.

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„Zum Bundesliga-Spieler wird ein Talent erst durch Vertrauen, Einsatzminuten und Verantwortung“

Nun ließe sich sagen: 1990 galt eine Beschränkung für Spieler aus dem Ausland, die Konkurrenz war künstlich klein gehalten, der Vergleich taugt also wenig. Nur trägt dieser Einwand die These eher, als dass er sie kippt.

Denn nach dem Wegfall der Grenze wäre es Sache der Klubs gewesen, die frei gewordenen Plätze wenigstens teilweise mit eigenem Nachwuchs zu füllen. Stattdessen ist genau der Platz weg, auf dem ein Achtzehnjähriger sich zum Profi spielt.

Slomka legt den Finger genau dorthin: „Zum Bundesliga-Spieler wird ein Talent erst durch Vertrauen, Einsatzminuten und Verantwortung. Gerade zwischen 18 und 22 Jahren fehlen vielen deutschen Spielern diese Möglichkeiten.“

„Vielleicht ist der Profifußball immer weniger bereit, das notwendige Risiko zu tragen“

Die Rechnung eines Klubs ist ja verständlich. Ein fertig entwickelter junger Ausländer lässt sich teuer weiterverkaufen, ein eigener Achtzehnjähriger kostet erst mal Punkte, wenn er Fehler macht. Vertrauen ist teuer, und kaum jemand will es sich noch leisten.

Deshalb ist die scharfe Zeile der Kolumne kein Vorwurf an die Trainer, sondern an das Geschäftsmodell. „Vielleicht ist der deutsche Fußball also gar nicht zu schlecht, zu teuer oder zu anspruchsvoll“, schreibt Slomka.

„Vielleicht ist der Profifußball nur immer weniger bereit, das notwendige Risiko zu tragen.“ Das Risiko heißt: einen jungen Deutschen spielen zu lassen, obwohl ein teurer Zukauf sicherer wäre.

Am Donnerstag nominiert Klopp seinen ersten Kader, am 24. September gibt er sein Debüt gegen die Niederlande in Amsterdam. Slomka traut ihm zu, Spieler besser zu machen und neue Begeisterung zu entfachen. Er kann das. Nur besser machen kann er nur die, die zuvor überhaupt gespielt haben – und beim Meister von 2024 waren das in dieser Saison zwei Deutsche, 44 Minuten lang.

Von Pit Gottschalk

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