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Saudiarabiens Dilemma: Das Königreich will die jemenitischen Huthi bekämpfen – aber nicht allein

Дата публикации: 24-09-2026 03:30:00

Saudiarabien braucht militärische Unterstützung, um die schiitische Miliz zurückzudrängen. Doch seine wichtigsten Partner machen nicht mit.

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Saudiarabiens Dilemma: Das Königreich will die jemenitischen Huthi bekämpfen – aber nicht allein

Saudiarabien braucht militärische Unterstützung, um die schiitische Miliz zurückzudrängen. Doch seine wichtigsten Partner machen nicht mit. 

24.09.2026, 05.30 Uhr

5 Leseminuten


Huthi-Unterstützer in Sanaa: Seit zwölf Jahren kontrolliert die schiitische Miliz die jemenitische Hauptstadt.

Huthi-Unterstützer in Sanaa: Seit zwölf Jahren kontrolliert die schiitische Miliz die jemenitische Hauptstadt.

Yahya Arhab / EPA

Mohammed bin Salman ist es gewohnt, den Ton anzugeben: Was der Kronprinz entscheidet, wird im Königreich Saudiarabien umgesetzt. Unter seiner Führung hat sich das grösste und bevölkerungsreichste Land der Arabischen Halbinsel in den vergangenen Jahren zu einer regionalen Führungsmacht entwickelt. Doch seit Beginn des Iran-Kriegs zeigt sich eine eklatante Schwäche: Saudiarabien findet kaum Partner, auf deren militärische Unterstützung es sich im Ernstfall verlassen kann – trotz seinem enormen finanziellen Gewicht und politischen Einfluss.

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Noch bevor die jemenitische Huthi-Miliz am vergangenen Wochenende eine ballistische Rakete auf die saudische Hauptstadt Riad abfeuerte, die nach saudischen Angaben abgefangen wurde, hatte Mohammed bin Salman den amerikanischen Präsidenten Donald Trump um militärische Unterstützung gegen die schiitische Miliz gebeten. Die amerikanisch-saudische Partnerschaft basiert seit Jahrzehnten auf dem Prinzip, dass Amerika die Sicherheit des Königreichs garantiert, während Saudiarabien zur Stabilität der Energieversorgung beiträgt. Doch der amerikanische Präsident winkte ab. Neue amerikanische Luftangriffe gegen die Huthi kommen für Washington derzeit nicht infrage.

Donald Trump zu Gast in Riad: Der amerikanische Präsident wird im Mai 2025 vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman empfangen. Die beiden zelebrieren ihre Zusammenarbeit – doch diese hat Grenzen.

Donald Trump zu Gast in Riad: Der amerikanische Präsident wird im Mai 2025 vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman empfangen. Die beiden zelebrieren ihre Zusammenarbeit – doch diese hat Grenzen.

Bandar Al-Jaloud / Anadolu / Getty

Der Kampf gegen die Huthi ist unkalkulierbar

Für Riad ist das eine ernüchternde Erkenntnis: Im vergangenen Jahr bombardierten die Amerikaner fast zwei Monate lang Stellungen der von Iran unterstützten Huthi – doch ausgerechnet in dieser akuten Krise agiert der wichtigste Schutzpartner zurückhaltend. Washington liefert Riad zwar weiterhin Waffen und Aufklärung, will sich aber nicht erneut in einen Luftkrieg gegen die Huthi hineinziehen lassen. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate sind nach dem offenen Bruch über die Zukunft Jemens nicht länger bereit, gemeinsam mit den Saudi gegen die Huthi zu kämpfen. Nicht einmal die Türkei und Pakistan, mit denen das Königreich erst Anfang August ein Verteidigungsbündnis geschlossen hat, haben militärisch eingegriffen.

«Saudiarabien fühlt sich von vielen Akteuren im Stich gelassen», sagt der Golfexperte Sebastian Sons vom Bonner Carpo-Institut im Gespräch. «Viele betrachten diesen Konflikt fälschlicherweise als einen Konflikt zwischen Saudiarabien und den Huthi. Dabei handelt es sich tatsächlich um einen regionalen, wenn nicht sogar einen globalen Konflikt mit Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.» Trotzdem halten sich die mit Saudiarabien verbündeten Staaten weitgehend zurück. Denn der Kampf gegen die Huthi aus dem bergigen Norden Jemens ist ein unkalkulierbares Risiko.

Zwar gelang es den USA vor einem Jahr, die militärischen Fähigkeiten der Huthi mit Luftangriffen auf Stellungen der Miliz zu schwächen. Dauerhaft ausgeschaltet wurden die Huthi jedoch nicht. Vor zwei Wochen brachten Kämpfer aus dem bergigen Nordjemen unter anderem die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle und damit die wichtigste Alternativroute für saudische Tanker, die nicht länger die Strasse von Hormuz passieren können. Die Huthi versicherten zwar, im Roten Meer keine Schiffe anzugreifen. Für saudische Schiffe galt diese Zusage jedoch ausdrücklich nicht.

Die saudische Schlagkraft reicht nicht aus

Ohne militärische Hilfe aus den USA kann Saudiarabien nicht viel dagegen tun. Um die Huthi zurückzudrängen und Bab al-Mandab zu sichern, braucht Riad vor allem das, was nur Washington in grossem Umfang liefern kann: Aufklärung in Echtzeit, maritime Schlagkraft, Luftverteidigung und logistische Unterstützung. Das Königreich finanziert und unterstützt zwar verschiedene jemenitische Kräfte, die in Jemen gegen die Huthi kämpfen. Doch diese sind untereinander zerstritten, schlecht koordiniert und können kaum etwas gegen die Huthi ausrichten. Im Kampf gegen die schiitische Miliz steht Saudiarabien deshalb ziemlich alleine da.

Dabei hatte Saudiarabien die Gefahr, die von Teheran und seinen Verbündeten ausgeht, schon früh erkannt. Zwei Jahre nach der Islamischen Revolution 1979 gründete Saudiarabien zusammen mit fünf weiteren Golfstaaten den Golfkooperationsrat (GCC): einen Zusammenschluss von sechs Monarchien auf der Arabischen Halbinsel. Nach Gründung der Islamischen Republik und mitten im iranisch-irakischen Krieg wollten die sechs Staaten ihre Politik miteinander koordinieren und ihre Sicherheit gemeinsam organisieren.

Ausserdem hatten die Golfstaaten eine gemeinsame Aussenpolitik und eine gemeinsame Währung geplant. Doch schon bald nach der Gründung gab es erste Differenzen. Ein Grund dafür war die Sorge der kleineren Golfstaaten, dass Saudiarabien wichtige Entscheidungen dominieren könnte. Aus der gemeinsamen Währung wurde nichts. Und mit der Blockade des Emirats Katar von 2017 bis 2021 stellte das Königreich im Verbund mit Bahrain und den Emiraten – sowie Ägypten – den GCC auf eine harte Probe.

Schwarzer Rauch über dem King-Khalid-Flughafen in Riad: Die Huthi attackieren die saudische Infrastruktur im September 2026.

Schwarzer Rauch über dem King-Khalid-Flughafen in Riad: Die Huthi attackieren die saudische Infrastruktur im September 2026.

Reuters

Für welche Strategie entscheidet sich Riad?

Mittlerweile haben sich die Wogen zwischen Saudiarabien und Katar weitgehend geglättet. Dafür tritt jetzt die Konkurrenz zwischen Saudiarabien und den Emiraten immer deutlicher zutage. Kämpften die beiden militärischen Schwergewichte des GCC früher in einer saudisch geführten Militärkoalition Seite an Seite gegen die Huthi, standen von ihnen unterstützte jemenitische Kräfte zuletzt auf gegnerischen Seiten. Saudiarabien bombardierte Anfang des Jahres Stellungen der von den Emiraten unterstützten südjemenitischen Separatisten; Abu Dhabi zog daraufhin seine verbliebenen militärischen Kräfte und Ausrüstung aus Jemen ab. Auch ihre Schlagkraft fehlt den Saudi nun.

Um seine Sicherheitsarchitektur breiter aufzustellen und seine Abhängigkeit von den USA zu verringern, hat Saudiarabien Anfang August den Mekka-Pakt mit Pakistan und der Türkei geschlossen. Doch keines der beiden Länder eilte dem Königreich zu Hilfe, als es von den Huthi angegriffen wurde. Für die Türkei dürfte eine Rüstungskooperation mit Saudiarabien weitaus wichtiger sein als die Verteidigung des Königreiches, während Pakistan sich allem Anschein nach nicht mit den USA überwerfen will.

Riad muss nun entscheiden, welche Strategie es mit Blick auf die Huthi verfolgen will: den Konflikt weiter eskalieren lassen – oder versuchen, mit der schiitischen Miliz eine Lösung auszuhandeln. Mit militärischer Eskalation hat das Königreich zwischen 2015 und 2022 bereits schlechte Erfahrungen gemacht: Saudiarabien versuchte damals, die Huthi vor allem mit Angriffen aus der Luft zu besiegen, erreichte sein wesentliches Kriegsziel aber nicht. Die Huthi kontrollieren weiterhin die Hauptstadt Sanaa und grosse Teile Nordjemens. Sollte Riad dieses Mal mit den Huthi verhandeln wollen, dürfte es erhebliche Zugeständnisse machen müssen – zu einem Zeitpunkt, an dem die jüngsten militärischen Erfolge die Verhandlungsposition der Huthi gestärkt haben.

Für Mohammed bin Salman ist das ein Dilemma. Ein langwieriger, kostspieliger Krieg gegen die Huthi gefährdet Saudiarabiens Ambitionen, sich als internationaler Innovations-, Technologie- und Investitionsstandort zu etablieren und langfristig unabhängiger von der Erdölproduktion zu werden. Dafür braucht Saudiarabien Frieden und Stabilität in der Region. Für die Huthi hingegen gehört der Krieg seit Jahren zum Alltag. Sie können mit vergleichsweise geringen Mitteln viel Schaden anrichten, während das wohlhabende Saudiarabien mit seiner Öl-, Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur vor allem viel zu verlieren hat.

6 Kommentare

Marc Anderson

24.09.2026

Wenn Krösus das Thawb flattert ist die Zeit für The Art of the Deal nah. Der Preis für Abraham Acc. könnte viel sein. Ein Palästinensischer Staat ist allerdings Grundvoraussetzung.

Egon Hungerbühler

24.09.2026

3 Empfehlungen

wem käme da nicht ein agreement mit Israel (der derzeitigen Regierung) in den Sinn ? denn das Mecca Joint Defence Agreement ist für SA den Teppich nicht wert, auf dem es ausgehandelt wurde.. und die Huthis haben mit ihren Raketenangroffen dem Staat jüdischer Selbstbestimmung längst den Krieg erklärt Manche Dependenzen schwächen nicht, denn alle stehen mit allen in Beziehung, die Frage ist nur, wie "Dafür braucht Saudiarabien Frieden und Stabilität in der Region", was die erweiterten Abraham Accords ermöglichen werden

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Seit der Eroberung der Meerenge von Bab al-Mandab durch die Huthi kann das Königreich kaum mehr Erdöl exportieren. Welche Optionen hat der Kronprinz jetzt?

Saudiarabien kann Iran und dessen Verbündeten wenig entgegensetzen. Den Golfstaaten fehlt es an militärischer Geschlossenheit – und an einer gemeinsamen Strategie gegenüber Teheran.

Nach der Eskalation Anfang Juni drohen auch noch die Huthi aufseiten Irans in den Nahostkrieg einzugreifen. Dabei könnten sie grossen Schaden anrichten. Aber wer sind die Huthi eigentlich?

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