Improvisierte Zeltlager, Obdachlose und Müll prägen das Stadtbild weiterhin, die Unterkünfte reichen nicht aus. Manche Migranten wollen gar nicht gefunden werden. Doch nun kommt der Herbst.

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Improvisierte Zeltlager, Obdachlose und Müll prägen das Stadtbild weiterhin, die Unterkünfte reichen nicht aus. Manche Migranten wollen gar nicht gefunden werden. Doch nun kommt der Herbst.
03.10.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten
Sechzig Tage sind vergangen, seit etwa 80 000 Migranten die Grenze von Ceuta überwunden haben. Schon in den ersten Tagen danach ist die überwältigende Mehrheit nach Marokko zurückgekehrt oder ist zurückgebracht worden. Geblieben sind nach Angaben der Stadtverwaltung aber mehr als 10 000 Menschen. Sie sind immer noch eine enorme Belastung für die spanische Exklave. Wie kann das sein?
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Kein Platz
Versteckspiel
Wie viele es genau sind, lässt sich kaum beziffern. Sicherheitskräfte entdecken in der hügeligen Landschaft ausserhalb des Stadtzentrums immer wieder neue Zelte, Unterschlüpfe und Verstecke.
Vor allem die Quartiere Loma Colmenar und El Príncipe bieten ideale Verstecke. Beide Quartiere liegen direkt am Grenzübergang Tarajal und im überwiegend muslimisch geprägten Teil Ceutas. Niedrige Häuser mit zahlreichen Anbauten und Nebenräumen sowie halbfertige Bauten machen es leicht, Menschen dort vorübergehend unterzubringen – und schwer, sie aufzuspüren. El Príncipe gilt zudem als eines der gefährlichsten Viertel Spaniens: Die Drogenkriminalität ist weit verbreitet, die Polizei war schon vor dem Ansturm ungern gesehen. Es ist also gut möglich, dass sich in den Häuserzeilen noch Hunderte aufhalten. Sie werden von Anwohnern versorgt, holen sich Essen und Decken an den Ausgabestellen des Roten Kreuzes und anderer Hilfsorganisationen – oder beschaffen sich das Nötigste auf illegalem Weg.
Spaniens Zentralregierung hat zwar 309 Millionen Euro für die Bewältigung der Krise bereitgestellt, knapp 120 Millionen davon für humanitäre Hilfe. Der Stadtregierung reicht das jedoch nicht. Sie wirft der Zentralregierung von Pedro Sánchez vor, Warnungen ignoriert und den Ansturm auf die Grenze erst möglich gemacht zu haben. Stadtpräsident Juan Vivas liefert sich fast täglich Wortgefechte mit Madrid. Auch viele Einwohner Ceutas klagen in sozialen Netzwerken und den Medien, die Zentralregierung lasse sie mit den Folgen der Krise auf den Strassen weiter allein.
Rechtsstaat im Regen
Doch nicht nur auf den Strassen der Stadt sind die Folgen der Krise spürbar. Die Behörden haben auch mit jenen alle Hände voll zu tun, die bereits in den Lagern sind. Matratzen müssen herangeschafft und Mahlzeiten verteilt werden, während Beamte Fingerabdrücke nehmen, Identitäten prüfen und klären, wer bleiben darf und wer gehen soll. Marokko nimmt eigene Staatsbürger zurück. Bei allen anderen beginnt ein aufwendigeres Prüfverfahren, das sich zum Teil noch Monate hinziehen kann.
Besonders kompliziert ist die Lage bei den mehr als 2500 unbegleiteten Minderjährigen, die in Ceuta sind. Sie unterstehen einem besonderen Schutz und können nicht einfach abgeschoben werden. Zunächst muss geklärt werden, ob und wo ihre Familien leben und ob eine Rückkehr überhaupt möglich ist. Hunderte sollen deshalb auf das spanische Festland gebracht werden. Doch auch darüber wird längst heftig gestritten. Die sozialistische Zentralregierung drängt auf eine schnelle Verteilung von möglichst vielen Minderjährigen auf sämtliche Regionen Spaniens; die mehrheitlich konservativen Regionalpräsidenten stellen sich dagegen. Sie fürchten, schon einzelne Ankünfte auf dem Festland könnten weitere Migranten zum Aufbruch ermutigen.
So zieht sich die Krise in Ceuta hin – und draussen kommt nun der Herbst.
In Ceuta hat der Regen eingesetzt. An den Stränden, wo noch immer Migranten unter Planen und in Zelten schlafen, wird es nass und kühl. Einige haben inzwischen aufgegeben und sind freiwillig nach Marokko zurückgekehrt. Bis Mitte Oktober sollen auch die letzten illegalen Lager verschwinden. Die Regierung hat angekündigt, alles dafür zu tun, die Strände bis dahin zu räumen.
Der Termin hat inzwischen zusätzliche Symbolkraft. Am 13. Oktober wollen König Felipe VI. und Königin Letizia Ceuta besuchen – zum ersten Mal, seit Felipe König ist. Bis dahin soll die Stadt wieder anders aussehen.
Noch wirkt das weit weg.

Imago
7 Kommentare
Marc Pintér
vor 3 Stunden
1 Empfehlung
Das ist lächerliches Politikversagen. Teils auch Unwille, Zustände zu ändern, also das Sympathisieren mit den Armutsmigranten. Es erinnert sehr stark an die Schweiz und Beat Jans.
Uli Hofer
Gestern
2 Empfehlungen
Dass ein Staat wie Spanien seine, oder eine Staatengemeinschaft wie die EU ihre Grenzen nicht schützen können soll, ist lächerlich. Natürlich könnten die das, sofern sie wollten. Vernünftige Staaten machen es vor. Jugendliche gehören nicht in irgendwelchen Lagern besonders betreut, sondern SOFORT heim zu den Eltern geschickt. Diese sind für ihre Kinder zuständig und haftbar. Alles andere ist gewissenloser Unfug. Bei JEDEM Ankommenden kann man anhand des Handys sofort die Staatsbürgerschaft feststellen und die Person zurückweisen.