Mysteriöse Einbrüche schrecken Finnland auf. Über die Täterschaft ist noch nichts bekannt – aber es gibt einen schlimmen Verdacht.
Mysteriöse Einbrüche schrecken Finnland auf. Über die Täterschaft ist noch nichts bekannt – aber es gibt einen schlimmen Verdacht.
03.10.2026, 05.30 Uhr
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Illustration Simon Tanner / NZZ
Eine offene Tür, Urin in der Toilette, eine brennende Lampe – die Spuren, die die unbekannte Täterschaft hinterlassen hat, könnten leicht unentdeckt bleiben. Wer hat nicht schon einmal vergessen, die Tür abzuschliessen, die Toilette zu spülen oder das Licht auszuschalten? Doch mehrere finnische Parlamentarierinnen und Parlamentarier sind überzeugt: Jemand ist in ihre Wohnungen eingedrungen.
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Am Donnerstag trat der Parlamentspräsident Jussi Halla-aho vor die Medien. Er sprach von einer «beträchtlichen Anzahl» von Fällen. Die betroffenen Politikerinnen und Politiker stammen aus verschiedenen Parteien. Es sei möglich, dass in den Wohnungen absichtlich Hinweise platziert worden seien, um zu zeigen, dass jemand dort gewesen sei. Die hinterlassenen Spuren unterscheiden sich zwar teilweise, doch drei Merkmale haben alle Fälle gemeinsam: Es wurde nichts gestohlen oder beschädigt, und es gibt keine Einbruchsspuren.
Die Stadtpolizei Helsinki und die zentrale Kriminalpolizei haben eine Voruntersuchung eingeleitet, auch der Nachrichtendienst wurde beigezogen. Zu der möglichen Täterschaft oder den Motiven lasse sich noch nichts sagen, betonte Halla-aho und riet von Spekulationen ab. Trotzdem haben in Finnland viele bereits einen schlimmen Verdacht.
War es der Kreml?Am letzten Donnerstag wurden die Fraktionsvorsitzenden in den Sicherheitsraum des finnischen Parlaments gerufen. Dort soll man sie laut verschiedenen finnischen Medien vor möglichen Einbrüchen in die Wohnungen von Parlamentariern gewarnt haben – zum Beispiel von einem staatlichen Akteur.
Mikko Porvali hält das für plausibel. Der Kriminalhauptkommissar forscht zu Geheimdienstoperationen an der Universität Jyväskylä. In einem Interview mit dem öffentlichrechtlichen Sender Yle sagt er, dass der sowjetische Geheimdienst KGB bereits in den sechziger Jahren operative Psychologie eingesetzt habe, bei der der Zielperson signalisiert worden sei, dass sie beobachtet werde. «Einzelne, scheinbar belanglose Handlungen bringen sie dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmungsfähigkeit zu zweifeln.»
Insbesondere die nicht gespülte Toilette scheint eine bekannte Masche zu sein. Die Russlandkorrespondentin des Senders BBC berichtet in ihrem 2024 erschienenen Buch, dass sie in den WC-Schüsseln in ihrer Wohnung in Moskau unbekannte Fäkalien gefunden habe.
Seit Wochen warnen westliche Geheimdienste und Politiker davor, dass Russland die Nato schon bald angreifen könnte. Der finnische Präsident Alexander Stubb rechnet mit einer Zunahme von Sabotageakten. Der Kreml will nicht nur Chaos verbreiten, sondern versucht auch ganz gezielt, auf die Politik in Europa Einfluss zu nehmen. Auch Finnland wählt im nächsten Jahr ein neues Parlament. Könnte es sich um einen Einschüchterungsversuch handeln?
Auf die Frage, ob Russland dahinterstecken könnte, sagte der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo am Donnerstag: «Das ist sehr gut möglich. Gerade in der heutigen Zeit ist das durchaus möglich.» Präsident Stubb sprach von einem «Angriff gegen die Demokratie».
Unerschrocken und resilientDie Sicherheitspolizei hat sich noch nicht zu den mutmasslichen Einbrüchen geäussert. Sie sagt aber, dass ihr keine Fälle bekannt seien, in denen autoritäre Staaten ausserhalb ihrer eigenen Landesgrenzen in die Wohnungen von Menschen eingedrungen seien.
Bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, kann es noch dauern. Laut finnischen Medien geht es um rund zwanzig Fälle. Die ältesten Beobachtungen liegen ein Jahr zurück, wobei die ersten Hinweise bei den Behörden erst letzte Woche eingingen.
Falls es sich tatsächlich um einen staatlichen Einschüchterungsversuch handeln sollte, scheint er sein Ziel verfehlt zu haben. Die finnischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier geben sich gefasst. Jukka Kopra, langjähriger Präsident der Verteidigungskommission, sagte in einer Diskussionssendung von Yle: «Wir lassen uns nicht beeinflussen. Die Finnen erschrecken vor so etwas nicht.»
Seine Worte stehen für ein Selbstbild, das Finnland gerade in der angespannten Sicherheitslage vermitteln will: unerschrocken und resilient.
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