Im Herbst können Hausstaubmilben Allergien auslösen. So erkennen Sie die Beschwerden und schützen sich im Schlafzimmer.
Die Fenster bleiben zu, die Heizung läuft und die Nase gleich mit. Viele halten das für die erste Erkältung des Jahres. Doch oft steckt eine Allergie dahinter. Denn mit der Heizperiode beginnt die Hochsaison der Hausstaubmilbe.
Warum die Heizungsluft das Problem verschärft„Viele wundern sich, dass ihr Heuschnupfen im Oktober zurückkommt“, sagt der Allergieexperte Dr. Rüdiger Wahl im Interview mit dem Luftreiniger-Hersteller Coway Europe. „Meist ist das aber kein Nachzügler der Pollensaison, sondern ein Wechsel des Auslösers – und der findet nicht mehr im Park statt, sondern im Schlafzimmer.“ Je nach Region reagieren laut Wahl zehn bis 14 Prozent der Bevölkerung empfindlich auf Hausstaubmilben.
Hausstaubmilben verstecken sich in jedem Kopfkissen und können regelrechte Kolonien bilden.
© Depositphotos/Imago
Die winzigen Spinnentiere sind mit bloßem Auge nicht zu sehen. Sie lieben es feucht und vermehren sich deshalb im Sommer stark. Wird die Luft durch das Heizen trocken, sterben sie in großer Zahl. Das Problem: Die Allergene stecken in ihren zerfallenden Körpern und in ihrem Kot, der sich über Monate in Matratze und Bettzeug gesammelt hat. Klingt ekelig, ist aber bei jedem so.
In der trockenen Luft wird daraus feiner Staub. Der wird schon beim Aufschütteln der Bettdecke aufgewirbelt und schwebt lange in der Luft. Weniger Milben bedeutet also nicht weniger Beschwerden, im Gegenteil. Dazu kommt: Wir sind jetzt viel drinnen und lüften seltener. „Der Herbst ist für Milbenallergiker deshalb weniger ein Milbenproblem als ein Innenraumluft-Problem“, sagt Wahl.
Die Beschwerden ähneln sich stark. Es gibt aber klare Unterschiede: Bei einer Allergie jucken Nase, Augen und Gaumen, das Sekret bleibt klar und wässrig. Fieber, Gliederschmerzen und Halsschmerzen gehören nicht dazu. Eine Erkältung beginnt dagegen meist mit Halskratzen und ist nach spätestens zehn Tagen vorbei. „Wer nach zwei Wochen noch dieselbe laufende Nase hat, sollte umdenken“, rät Wahl.
Ein wichtiger Hinweis ist auch der Ort: Laufen Nase und Augen vor allem in der Wohnung, besonders im Schlafzimmer und morgens nach dem Aufwachen, spricht das für eine Milbenallergie. Klarheit bringt ein Test beim Allergologen.
Wahls wichtigster Tipp sind sogenannte Encasings, also milbendichte Überzüge für Matratze, Kissen und Decke. Bei einer nachgewiesenen Milbenallergie übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten in der Regel auf Rezept. Außerdem sollte man die Bettwäsche alle ein bis zwei Wochen bei 60 Grad waschen, denn bei 40 Grad überleben die Milben. Das Schlafzimmer sollte kühl sein, um die 18 Grad, und morgens sollte stoßgelüftet werden.
Im Schlafzimmer sollten Sie bei einer Allergie auf spezielle Bettwäsche setzen.
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„Ein Matratzentausch ohne Encasing ist dagegen rausgeworfenes Geld – die neue Matratze ist nach wenigen Monaten wieder besiedelt“, sagt Wahl. Auch der alte Tipp, Bettzeug oder Kuscheltiere einzufrieren, ist laut dem Experten ein Mythos. Die Kälte tötet zwar die Milben, die Allergene bleiben aber erhalten. „Für die Atemwege macht es keinen Unterschied, ob das Allergen von einer lebenden oder einer toten Milbe stammt.“
Brandenburg ist Ambrosia-HotspotAuch draußen gibt es im Herbst keine Entwarnung. Die Ambrosia, auch Beifußblättriges Traubenkraut genannt, blüht bis zum ersten Frost, in warmen Jahren bis in den November. Ihre Pollen fliegen Hunderte Kilometer weit. Das am stärksten betroffene Gebiet Deutschlands liegt direkt vor der Haustür: die Niederlausitz in Südbrandenburg.
In warmen Herbstwochen rät Wahl deshalb: die Pollenflugvorhersage weiter verfolgen, abends die Haare waschen und Straßenkleidung nicht mit ins Schlafzimmer nehmen.
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