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Wie sich der Star-Goalie Reto Berra mit dem Wechsel nach Kloten im Spätherbst der Karriere einen Kindheitstraum erfüllt

Дата публикации: 25-09-2026 10:00:00

Der EHC Kloten könnte die positive Überraschung der Saison werden. Auch weil der langjährige Torhüter des Nationalteams der jungen Equipe Stabilität verleiht.

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Ein letztes Abenteuer in heimischen Gefilden: der Torhüter Reto Berra.

Ein letztes Abenteuer in heimischen Gefilden: der Torhüter Reto Berra.

Christian Merz / Keystone

Es ist ein Abend zum Vergessen: 0:6 verliert Kloten am Donnerstag gegen Biel, der Arbeitstag des Torhüters Reto Berra endet schon nach 20 Minuten und vier Gegentoren. Nach einem ansprechenden Saisonauftakt trüben drei Niederlagen in Folge die sanfte Klotener Eishockey-Euphorie. So ist das, wenn bei einem Aussenseiter mit schmalem Kader acht Stammspieler fehlen. Es sind nicht die besten Vorzeichen für das erste Derby der Saison, am Samstag gastiert Kloten beim ZSC in der Swiss-Life-Arena.

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Eine Woche zuvor ist die Stimmung eine andere. Bevor Berra sein erstes Heimspiel in der Swiss-Arena bestreitet, schweift sein Blick nach oben. Seine Augen suchen den Sektor K, dort stand er in den späten 1990er Jahren mit seinem Vater und bewunderte Reto Pavoni, die Klotener Torhüterlegende. Das Stadion hiess noch Schluefweg. Berra, heute 39, träumte davon, dereinst selbst zwischen den Pfosten zu stehen. Er, der Knirps aus Bülach.

Es hat gedauert, bis Berra sich diesen Kindheitstraum erfüllen konnte. Aber jetzt steht er tatsächlich für zwei Jahre in Kloten unter Vertrag, 23 Jahre nach seinem Debüt im Profi-Eishockey. Berra ist ein weitgereister Mann. Er spielte in der NHL, und in der National League ist Kloten sein siebenter Arbeitgeber. Zuletzt wirkte Berra für Gottéron, er hat seine eindrückliche Karriere dort im Frühjahr mit dem Meistertitel vollendet.

Der Werdegang von Berra erzählt von Reife und Resilienz; er ist einer der reflektiertesten Athleten im Schweizer Sport. Jüngst sprach er öffentlich darüber, wie er seine Angststörungen überwand. Und nachdem er Gottéron zum ersten Triumph der Klubgeschichte geführt hatte, sagte er: «Ich habe in den Himmel geschaut, zu meinem Vater.» Er verstarb 2011 an Lungenkrebs.

Das Rührstück von Ende April hätte sich eigentlich als Schlusspunkt angeboten. Aber Berra hatte diesen Klotener Traum offen, und in der Zürcher Agglomerationsgemeinde konnten sie ihr Glück kaum fassen. Einen Zuzug vom Kaliber Berras hat Kloten lange nicht mehr realisieren können. Seit der Verpflichtung des Star-Goalies Martin Gerber sind zwölf Jahre vergangen. Der Klub wurde damals von lebensfremden Kanadiern kontrolliert, die dem Irrglauben erlagen, mit Kloten Geld verdienen zu können.

Ein Andenken der Legende Pavoni prägte Berra

Nun ist aber Berra da. An einem Freitagabend, kurz nach 22 Uhr, steht er nach dem 5:2 gegen Lugano verschwitzt im Kabinengang. Ein paar Meter neben ihm steht der Trainer Michael Liniger, der seinen Goalie explizit lobt: «Es hilft uns sehr, einen so erfahrenen, starken Torhüter zu haben, das macht das ganze Team stärker.»

Berra hört das Kompliment nicht, er streckt seine Hand aus, zeigt nach draussen und sagt: «Da unten habe ich den Stock von Pavoni gekriegt. Er hatte sein Jubiläumsspiel, 500 Einsätze. Mein Vater hat extra den Klub angeschrieben wegen des Stocks. Und dann hat Pavoni ihn zuerst einem anderen Kind geben wollen. Mein Vater hat sich mega für mich eingesetzt, das war ein prägender Moment. Der Stock hing lange an meiner Wand», sagt Berra, dessen Aufgabe es nun ist, die stolze Klotener Torhütertradition weiterzuführen.

Jetzt holt er Verpasstes nach – und mit ihm ist die Hoffnung zurück in Kloten. Der Klub profitiert davon, dass der junge Sportchef Ricardo Schödler trotz winzigem Budget die Qualität der Mannschaft erhöht hat und das sportliche Profil des Vereins schärfen konnte. Kloten will mit einem jungen, dynamischen Team schnelles Eishockey spielen. Es hat für dieses Unterfangen nun den richtigen Trainer, nachdem der EV Zug sich im Sommer rätselhafterweise dazu entschieden hat, Kloten den finnischen Coach Lauri Marjamäki abzukaufen.

Das machte den Weg für Liniger frei, der einst neun Jahre für Kloten stürmte, die DNA des Klubs kennt und die Strategie verinnerlicht hat. In der aktuellen Personalnot hat Liniger, 46, zuletzt seinen eigenen, erst gerade 18 Jahre alt gewordenen Sohn Elia ins Powerplay beordert. Anders als bei zahlreichen Konkurrenten soll die Nachwuchsförderung in Kloten mehr als ein Lippenbekenntnis sein. Der Verein wurde um seine Juniorenabteilung jahrzehntelang bewundert, ehe er den Anschluss verlor. Jetzt sind Kompetenz und Weitsicht zurück.

Auch Berra war einst von Klotens Nachwuchs beeindruckt, Freunde von ihm schlossen sich dem Klub an. Wie kommt es da eigentlich, dass er selbst als Knirps beim ZSC landete? «Markus Peter, mein Trainer in Bülach, wechselte zum ZSC. Da ging ich mit. In Zürich konnte ich die Sportschule besuchen. Und ich sah beim ZSC die besseren Perspektiven. Kloten hatte damals so viele Top-Goalies in meinem Alter: Pascal Caminada, Lukas Flüeler, Robert Mayer.»

Heute ist es auch die Unerfahrenheit des Kaders, die Berra anspornt. Nach einem gewonnenen Titel im Spätherbst der Karriere ist die Gefahr eines Meisterblues nicht unerheblich, Erfolg macht genügsam. Berra sagt: «Für mich ist alles wie nach Drehbuch gelaufen: Meister werden und nach Hause gehen. Jetzt bin ich in einem neuen Umfeld, einem neuen Klub und habe eine neue Herausforderung. Solche brauche ich im Leben, sonst wird mir schnell langweilig.»

Prominente Spieler werden Kloten oft nicht einmal angeboten

Berra wird ein vielbeschäftigter Goalie sein in diesem Winter, für Kloten wäre schon der Einzug ins Play-in ein Erfolg, für kühnere Ambitionen fehlt das Geld. Das strukturelle Defizit beträgt immer noch knapp
800 000 Franken pro Saison, was deutlich weniger ist als noch vor ein paar Jahren, aber ohne einen milliardenschweren Mäzen wie in Lausanne, Lugano, Zürich und Zug halt schon einschränkt. Namhafte Spieler werden Kloten oft nicht einmal angeboten, weil ohnehin klar ist, dass sich der Klub die Salärsumme nicht leisten kann. Zuletzt geschah das etwa beim langjährigen NHL-Profi Evander Kane, der ein anderes Kaliber dargestellt hätte als der am Montag temporär verpflichtete finnische Stürmer Joona Luoto.

Auch bei den Schweizern befindet sich Kloten in der Nahrungskette weit unten. Schon die Vertragsverlängerung mit dem Captain Dario Meyer war ein Kraftakt, für ihn wurde eine alte interne Regel ausser Kraft gesetzt, wonach Verträge maximal über drei Jahre abgeschlossen werden dürfen. Meyer, 29, erhielt deren fünf. Er ist für Kloten ein sehr wichtiger Spieler, Spitzname «Super Dario». Aber er hat in der National League noch nie 30 Skorerpunkte produziert und kam nie für eine WM infrage. Schon in diesem Spielersegment stösst Kloten an Grenzen.

Der Präsident Jan Schibli, der über sein Unternehmen 99,9 Prozent der Klubanteile hält, wäre neuen Investoren gegenüber offen. Aber die Situation ist ähnlich wie in Ambri, in Langnau, in Rapperswil: Es gibt kein Geld zu verdienen. Wer sich finanziell engagiert, muss sich bewusst sein, dass es sich eher um eine Abschreibung denn um eine Investition handelt. In Langnau sagt der Präsident Peter Jakob: «Ich habe das schon lange abgeschrieben, dass irgendwann jemand kommt und sagt: ‹Ich bin ein Fan, hier habt ihr ein paar Millionen.› Das ist Träumerei.»

Mit der Erfüllung von Sehnsüchten ist es so eine Sache, oft hat das Leben andere Pläne. Aber in Kloten können sie sich immerhin an Reto Berra orientieren. Dem Spitzentorhüter, der sich mit 39 einen Kindheitstraum erfüllt.

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