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Lara Gut-Behrami purzelte mit 16 aufs Podest, nun endet ihre herausragende Karriere ohne letzten Höhepunkt

Дата публикации: 06-08-2026 12:44:23

Der Rückblick auf die prägendsten Momente einer der grössten Schweizer Skifahrerinnen.

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Lara Gut-Behrami purzelte mit 16 aufs Podest, nun endet ihre herausragende Karriere ohne letzten Höhepunkt

Der Rückblick auf die prägendsten Momente einer der grössten Schweizer Skifahrerinnen.

06.08.2026, 14.44 Uhr

5 Leseminuten


Der Anfang einer einzigartigen Karriere: Gut-Behrami erobert die Herzen des Publikums

Lara Gut-Behrami stürzt 2008 in die Herzen des Publikums.

Lara Gut-Behrami stürzt 2008 in die Herzen des Publikums.

Keystone

Lara Gut-Behrami war gerade einmal 16 Jahre alt, als sie in St. Moritz ihr fünftes Weltcup-Rennen fuhr. Am 2. Februar 2008 startete die Tessinerin bei der Abfahrt mit der Startnummer 32. Zur grossen Überraschung legte sie auf der Corviglia-Piste einen sensationellen Lauf hin. Doch kurz vor dem Ziel verlor sie den rechten Ski – und purzelte ins Ziel. Und das rasend schnell. Es reichte für den zweiten Zwischenrang. Der SRF-Kommentator Stefan Hofmänner war ausser sich: «Die verrückteste Geschichte, seitdem ich Skirennen kommentiere!» Am Ende wurde sie Dritte.

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Im Ziel rappelte sich Gut-Behrami auf, strahlte das Publikum an, das Gesicht voller Schnee. Eine kitschige Szene, fast wie aus einem Märchen. Als sie nach dem Rennen ein Interview gab, wirkte sie wie das Mädchen, das sie noch war: «Am Anfang habe ich es nicht gecheckt – das hätte ich nie gedacht», sagte sie mit Tessiner Akzent. Damals stürzte sie regelrecht in die Herzen des Publikums.

Die Slowenin Tina Maze gewann an diesem Tag das Rennen. Jahre später sagte sie über Guts Karriereauftakt: «Alle liebten sie. Das Publikum in St. Moritz war verrückt nach ihr.» Der Mythos des Ski-Schätzchens war geboren. Mit dieser engen Rolle tat sich Gut-Behrami später noch schwer.

Der dritte Rang in St. Moritz war der Start einer aussergewöhnlichen Skikarriere. Ein Jahr später, am 20. Dezember 2008, gewann Gut-Behrami in St. Moritz ihr erstes Weltcup-Rennen. Bis heute ist sie mit 17 Jahren und 8 Monaten die jüngste Weltcup-Siegerin im Super-G.

Trotz Konflikten mit Swiss Ski: Sie sichert die einzige WM-Medaille

Lara Gut-Behrami umarmt Hans Flatscher, damaliger Frauen-Cheftrainer bei Swiss Ski.

Lara Gut-Behrami umarmt Hans Flatscher, damaliger Frauen-Cheftrainer bei Swiss Ski.

Jean-Christophe Bott / Keystone

2013 holte Gut-Behrami im Super-G von Schladming WM-Silber. Kaum stand ihr Podestplatz fest, lief sie auf Hans Flatscher, den damaligen Frauen-Cheftrainer, zu und umarmte ihn. Die Geste wirkte wie eine Erlösung: Flatscher war ihr Vertrauter, er fand auch in schwierigen Zeiten einen Zugang zu ihr.

Der Szene vorausgegangen waren aufreibende Monate, ja Jahre, mit Swiss Ski. Gut-Behrami gehörte zwar zum Nationalkader von Swiss Ski, war aber während ihrer gesamten Karriere mit einem Privatteam unterwegs. Der Vater und Trainer Pauli Gut war die Konstante.

Immer wieder geriet Gut-Behrami mit ihren Forderungen nach mehr Autonomie mit dem Verband aneinander. Im Oktober 2011 etwa kritisierte sie das «Kleiderdiktat» und forderte mehr Freiheiten. Wegen ihrer öffentlichen Kritik am Cheftrainer Mauro Pini und Verstössen gegen Kleidervorschriften wurde sie 2010 gar kurzzeitig gesperrt.

2011 und 2012 blieben die grossen Erfolge aus, Gut-Behrami konnte nach einer schweren Hüftverletzung noch nicht an die vorigen Erfolge anknüpfen. Die Silbermedaille in Schladming beendete diese Durststrecke. Sie blieb die Einzige des Schweizer Teams, die an der WM in Österreich eine Medaille gewann.

So angespannt das Verhältnis zwischen ihr und Swiss Ski mitunter war, so unentbehrlich blieb sie für den Verband und die Schweiz als Skination.

Grosser Ehrgeiz: Olympiabronze ist ihr nicht genug

Die Bronzemedaille ist eine Enttäuschung: Gut-Behramis Freude ist verhalten. Grosse Freude hingegen bei Dominique Gisin.

Die Bronzemedaille ist eine Enttäuschung: Gut-Behramis Freude ist verhalten. Grosse Freude hingegen bei Dominique Gisin.

Jean-Christophe Bott / Keystone

Das Verhältnis von Gut-Behrami und den Olympischen Winterspielen war lange kompliziert. 2010 verpasste sie die Spiele in Vancouver wegen einer Hüftverletzung. 2014 hoffte sie in Sotschi auf eine Goldmedaille – und wurde enttäuscht. Dominique Gisin und Tina Maze teilten sich den ersten Rang bei der Abfahrt. Gut-Behrami fuhr auf den dritten Rang. Nur zehn Hundertstel trennten sie von der Goldmedaille.

Im Zielraum konnte sie die Enttäuschung nicht verbergen: «Eigentlich sollte ich mich über eine Olympiamedaille doch freuen, trotzdem herrscht auch ein wenig Frust über das verpasste Gold», sagte sie. Und riss sich nach der Siegerehrung die Medaille vom Hals. Einige sagten ihr nach, sie sei eine schlechte Verliererin.

Gut-Behrami machte sich nie die Mühe, ihren sportlichen Ehrgeiz zu verschleiern – sie wusste: Sie kann mehr. Und tatsächlich, 2022 kam die späte olympische Versöhnung: In Peking gewann sie Gold im Super-G sowie Bronze im Riesenslalom.

Endlich erlöst: Doppelter WM-Triumph in Cortina

Endlich WM-Gold für Lara Gut-Behrami. Sie blickt aber deutlich nüchtern auf die herbeigeschriebene «Erlösung».

Endlich WM-Gold für Lara Gut-Behrami. Sie blickt aber deutlich nüchtern auf die herbeigeschriebene «Erlösung».

Jean-Christophe Bott / Keystone

Bei einer Karriere wie der von Lara Gut-Behrami zählt eben nur Gold. Niemand wusste das besser als sie selbst. Wenn sie im Starthaus stand, dachte sie nur an dieses Ziel. Doch bei Weltmeisterschaften wollte es einfach nicht klappen. Verletzungen kurz davor, vierte Ränge – und dann reichte es aufs Podest: dreimal Silber, zweimal Bronze.

Umso grösser war der Druck vor den Weltmeisterschaften in Cortina 2021 – zumal Gut-Behrami die letzten vier Super-G-Rennen gewonnen hatte. Würde sich die Super-G-Königin endlich krönen? Ja. Und wie. Auf der «Olympia delle Tofane» fuhr sie nahezu perfekt. Sie erklärte, sie habe sich zum ersten Mal keinen Druck wegen einer Medaille gemacht.

Eine Erlösung, könnte man meinen. «Jetzt werdet ihr schreiben, mir fehle noch der Olympiasieg», sagte sie beim Interview im Zielhang. Die Erwartungen an sie verstummten nie. Also holte sie – fast schon als Trotzreaktion – bei der WM gleich noch eine zweite Goldmedaille. Mit einem Vorsprung von zwei Hundertstelsekunden setzte sie sich im Riesenslalom vor Mikaela Shiffrin zuoberst auf das Podest. Den Makel, die Frau ohne WM-Gold zu sein, tilgte sie damit doppelt.

Notbremse vom Körper: Gut-Behrami lernt das Leben abseits des Sports kennen

Erst holte Gut-Behrami an der Heim-WM 2017 in St. Moritz Bronze im Super-G, dann verletzte sie sich drei Tage später schwer.

Erst holte Gut-Behrami an der Heim-WM 2017 in St. Moritz Bronze im Super-G, dann verletzte sie sich drei Tage später schwer.

Alexandra Wey / Keystone

Der 10. Februar 2017 sollte zu einem Wendepunkt in der Karriere von Lara Gut-Behrami werden. Zu den Heim-Weltmeisterschaften in St. Moritz war sie als Mitfavoritin angereist. Gold wurde erwartet. Sie holte angeschlagen immerhin die Bronzemedaille im Super-G.

Drei Tage später, beim Einfahren für den Slalom der Kombination, knickt Gut-Behrami nach einem Geländeübergang weg. Sie muss mit Schneemobil und Helikopter abtransportiert werden. Die Ärzte diagnostizieren einen Riss des vorderen Kreuzbandes und eine Meniskusläsion. WM-Aus. Saison-Aus. «Lara wird ein Weilchen brauchen, um den Vorfall zu verdauen», sagte ihr Vater damals.

Sie selbst bezeichnet die Verletzung als Notbremse ihres Körpers. Stets hatte sich alles in ihrem Leben um den Erfolg gedreht, das nächste Rennen, die nächste Medaille. Der Mensch in der Rennfahrerin existierte nebenher. Durch die Zwangspause kam sie zur Ruhe, baute sich ein Privatleben als Rückzugsort auf. Paradoxerweise habe ihr die Verletzung gutgetan, sagte sie.

Nicht ganz zehn Jahre nach dem ersten Kreuzbandriss zog sich Gut-Behrami die Verletzung im November 2025 erneut zu. Sie stürzte im Speed-Training in Copper Mountain in den USA. Die Olympischen Spiele 2026 in ihrer Wahlheimat Italien blieben ihr verwehrt.

Den Winter 2025/26 hatte sie zwar bereits als ihren letzten angekündigt – doch dass eine Verletzung ihr den endgültigen Entscheid abnimmt, wollte sie zunächst nicht wahrhaben. Sie arbeitete an einem Comeback, stieg wieder ins Training ein. Nun lässt sie doch los. Ihr Karriereende teilt sie in einem Brief mit. «Spitzensport ist kein Märchen, genauso wenig wie das Leben», schreibt sie darin.

So blickt eine der erfolgreichsten Fahrerinnen der Geschichte des Schweizer Skiteams auf 19 Saisons im Weltcup, die 395 Weltcup-Rennen umfassten, 101 Podeste, 48 Siege, 9 WM- und 3 Olympiamedaillen zurück.

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Die Tessiner Skifahrerin beendet ihre grosse Karriere. Der Schweizer Skisport verliert damit nicht nur eine aussergewöhnliche Sportlerin, sondern auch eine Persönlichkeit, die stets aus der Masse herausstach.

Nach einem Sturz im Training beendet die 35-Jährige ihre Karriere früher als geplant. In fast zwei Jahrzehnten Sportkarriere war die Tessinerin Gesamtweltcup-Siegerin und Weltmeisterin – und gewann Olympiagold.

Marcel Hirscher, Mikaela Shiffrin, Lara Gut-Behrami – sie alle haben den Gesamtweltcup gewonnen und werden von ihren Eltern trainiert. Wer diesen Weg gehen will, muss Widerstände und Neid überwinden. Doch am Ende profitiert auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind.

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