Das Vertrauen in die autonom handelnden Assistenten bleibt begrenzt. Trotzdem könnte die Bequemlichkeit siegen – vor allem dann, wenn die Möglichkeit besteht, beim Abschließen eines Kredits Geld zu sparen.
Wenn es nach den Anbietern von KI-Agenten geht, könnten diese schon bald selbstständig Urlaube buchen, den Wocheneinkauf bestellen – oder einen Kredit beantragen. Aber wie offen stehen Menschen in Deutschland dem gegenüber? Das Daten- und Technologieunternehmen Experian hat im Rahmen einer Forrester-Studie über 6.000 Verbraucher:innen in 13 Ländern befragt, darunter 480 aus Deutschland. Im Vergleich zeigt sich, dass die Deutschen eher vorsichtig sind. Trotzdem könnte die Bequemlichkeit letztlich überwiegen.
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Chatbots gehören für viele Menschen in Deutschland längst zum Alltag. Laut einer Bitkom-Umfrage nutzt jede:r Dritte sie zumindest einmal wöchentlich. Mit 54 Prozent liegt die Quote bei den Jüngeren am höchsten, aber auch ältere Generationen fragen Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini immer häufiger um Rat. In der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen nutzen immerhin noch 29 Prozent KI mindestens einmal pro Woche. Private Anfragen haben berufliche dabei längst überholt: Laut einer OpenAI-Studie entfielen im vergangenen Jahr bereits 73 Prozent aller Unterhaltungen auf nicht-berufliche Themen. Am häufigsten wurden praktische Tipps erfragt.
Aber wie sehr vertrauen die Menschen KI, wenn es um ihre Finanzen geht? Laut der von Experian beauftragten Umfrage vertrauen 82 Prozent KI schon beim Vergleich verschiedener Kreditangebote. 54 Prozent wären einverstanden, dass sie in ihrem Namen einen Kredit oder eine Kreditkarte beantragt. Trotzdem bleiben die Deutschen vorsichtig. 62 Prozent gehören hierzulande zu den Skeptiker:innen. Auch das Vertrauen in KI-generierte Informationen bleibt mit 6,2 von 10 Punkten unter dem internationalen Durchschnitt von 6,8. Trotz ihrer Vorbehalte wären 67 Prozent der Deutschen laut Umfrage bereit, einem KI-Agenten die für einen Kreditantrag nötigen Finanzdaten zu überlassen.
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Laut Experian legen die Ergebnisse nahe, dass wahrgenommener Nutzen und Komfort potenzielle Bedenken teilweise überwiegen. Das Misstrauen sei also kein grundsätzliches Nein, sondern hänge von den Bedingungen ab, unter denen Verbraucher:innen KI vertrauen. Der meistgenannte erhoffte Vorteil liegt im Sparpotenzial: 80 Prozent erhoffen sich, durch KI die besten Preise zu finden. Dem steht eine klare Sorge gegenüber: 78 Prozent der Deutschen fürchten, dass sich ein Agent durch gefälschte Angebote täuschen oder von Cyberkriminellen kapern lassen könnte. Nutzen und Risiko liegen damit eng beieinander.
Ein Muster zieht sich laut Experian durch alle Märkte und prägt auch die deutschen Ergebnisse: Verbraucher:innen würden darauf vertrauen, was KI kann – aber noch nicht darauf, was sie eigenständig Entscheidungen trifft. Je höher die finanzielle Tragweite, desto geringer sei die Bereitschaft, Kontrolle an einen Agenten abzugeben. Entscheidend sei zudem, wer hinter dem Angebot steht. So gaben 75 Prozent der Befragten an, sich wohler mit einem KI-Angebot zu fühlen, wenn es von einem Anbieter komme, dem sie schon vertrauen – also beispielsweise von ihrer Hausbank.
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„Die deutsche Skepsis gegenüber neuen Technologien wird oft als Bremse missverstanden“, kommentiert Mark Wells, Director Commercial für die DACH-Region bei Experian. Der wesentliche Knackpunkt sei das Vertrauen. „Gerade in Deutschland sehen wir: Der Nutzen von KI-Agenten wird erkannt. Ob daraus Akzeptanz entsteht, hängt davon ab, wie glaubwürdig Unternehmen Sicherheit, Identitätsschutz und Transparenz gewährleisten.“
Ob und wie sich KI-Agenten durchsetzen, bleibt also abzuwarten. Durch aktuelle Nachrichten könnte das Vertrauen nachhaltigen Schaden nehmen. Während sich KI-Anbieter lange auf die Chancen ihrer Technologie fokussierten, stehen aktuell die Risiken im Vordergrund. Sogar CEOs wie Dario Amodei von Anthropic und Sam Altman von OpenAI sprechen sich inzwischen öffentlich für eine stärkere Regulierung der eigenen Modelle aus.
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