Das Haus einer palästinensischen Familie brennt, Polizisten werden verletzt: Die Gewalt radikaler Siedler eskaliert – und das Militär greift ein. Was steckt hinter dem Angriff?
29.09.2026 · 10:56 Uhr
Durch einen Stacheldrahtzaun hindurch ist ein israelischer Siedler zu sehen, der vor einem Haus palästinensischer Beduinen am Rande der Stadt Taybeh im Westjordanland entlanggeht. (Archiv)
Foto: Leo Correa/AP/dpa/Leo CorreaTel Aviv/Ramallah · Das Haus einer palästinensischen Familie brennt, Polizisten werden verletzt: Die Gewalt radikaler Siedler eskaliert – und das Militär greift ein. Was steckt hinter dem Angriff?
Im Westjordanland ist es erneut zu massiver Gewalt radikaler israelischer Siedler gekommen. Mehr als 100 Extremisten waren nach Medienberichten an Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, Soldaten und Polizisten seien an einem Einsatz gegen die Randalierer beteiligt gewesen. Diese versuchten demnach, die Rückkehr einer palästinensischen Familie in ihr Haus zu verhindern. Laut der Mitteilung des Militärs war die Rückkehr der Familie vorab koordiniert gewesen.
Die radikalen Siedler blockierten laut Militärangaben Straßen, setzten Gebäude und Fahrzeuge in Brand und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte. Dabei seien drei Polizisten verletzt worden. Zwei der Randalierer seien festgenommen worden.
Nach palästinensischen Medienberichten setzten die Angreifer auch das Haus der palästinensischen Familie in Brand, die zurückkehren wollte. Ein Gericht hatte demnach zuvor der Klage der Familie stattgegeben und Siedler angewiesen, das von ihnen besetzte Haus zu verlassen. Die jüdischen Extremisten hatten die Familie zuvor den Berichten zufolge über längere Zeit hinweg bedrängt. Die Zeitung „Times of Israel“ berichtete, der neue Angriff habe die Rückkehr der Familie verhindert.
Der israelische Staatspräsident Izchak Herzog verurteilte die Siedlerangriffe und sprach von schwerwiegenden Gewalttaten. Diese seien ein „moralischer Makel und ein Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit“. Sie müssten mit der vollen Härte des Gesetzes geahndet werden, forderte er.
Auch der israelische Außenminister Gideon Saar verurteilte den Vorfall als „schwerwiegend und verabscheuungswürdig“. Es seien Untersuchungen eingeleitet worden und er bestärke die Ermittler darin, die Randalierer vor Gericht zu bringen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er forderte eine Bestrafung der Randalierer mit der „vollen Härte des Gesetzes“. Gleichzeitig sprach er von einer kleinen Gruppe von Unruhestiftern, die nicht „die gesetzestreuen Siedler“ im Westjordanland repräsentierten und diesen großen Schaden zufügten.
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg weiter verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden dort seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat deutlich zugenommen.
Meistgelesen
Aktuell wichtig