o2-Telefónica-Chef Santiago Argelich Hesse hält vier Netzbetreiber in Deutschland für einen zu viel. Prompt gibt es neue Spekulationen über eine mögliche Übernahme von 1&1. Doch technische Hürden, die Kosten und nicht zuletzt Ralph Dommermuth sprechen gegen ein solches Szenario.
Anmerkungen zur Marktlage haben erneut Spekulationen befeuert, o2-Telefónica könnte doch 1&1 übernehmen. Die Faktenlage ist eine andere. Kürzlich stellte der neue o2-Telefónica-Deutschland Chef Santiago Argelich Hesse seine künftige Strategie vor. Dabei ging es auch um die Anzahl der Marktteilnehmer. Hesse bestätigte, dass vier Netzbetreiber eigentlich einer zu viel seien, auch das Modell der Service-Provider sagt ihm nicht sonderlich zu.
Erneute Spekulation: Telefónica kauft 1&1?Daraus wurde in verschiedenen Medien erneut die Vermutung abgeleitet, die Telefónica Deutschland könnte sich doch den vierten Netzbetreiber 1&1 kaufen und in das eigene Unternehmen integrieren. Dazu sagte Hesse nichts, denn das Thema war eigentlich schon kurz nach dem MWC 2026 ausdiskutiert und ad acta gelegt worden.
Kauf von 1&1: Welche Vorteile hätte das?
Erneut geistern Gerüchte durch die Medien: Könnte o2-Telefónica die 1&1 kaufen?
Fotos: Image licensed by Ingram Image/teltarif.de, Logos: Anbieter, Montage: teltarif.de
Klar, in München gibt es Stimmen, die der Ansicht sind, dass das Glasfasernetz von 1&1 (bisher Versatel) ganz gut ins Programm von o2-Telefónica passen würde. Dann hätte man "was eigenes fürs Festnetz" und könnte daraus interessantere Angebote schmieden. Dass der Verkauf des "eigenen Festnetzes" vor Jahren ein Fehler war, hat sich längst herumgesprochen.
Nur: Das eigene Mobilfunknetz von 1&1, das auf Open-RAN-Technologie von Rakuten basiert, ist zu dem von o2 (wo OpenRAN derzeit nur regional im Probebetrieb läuft) absolut inkompatibel, d.h. Telefónica würde hier ein Netz-System für viel Geld kaufen, mit dem es im Prinzip wenig bis gar nichts anfangen kann.
Sind 12 Millionen Kunden lukrativ?Blieben die rund 12 Millionen 1&1-Mobilfunk-Kunden, die ja früher einmal (weitgehend) im o2-Netz bedient wurden, bevor es zum spektakulären Netz-Wechsel kam. Bekanntlich sind 1&1-Kunden in der Regel sehr kostenbewusst. Die zu erwartenden Umsätze also eher gering. Das wusste schon Hesses Vorgänger Markus Haas, konnte das aber nicht deutlich genug in der Konzernzentrale in Spanien vermitteln.
Will Dommermuth überhaupt verkaufen?
1&1-Chef Ralph Dommermuth: Die Party hat noch gar nicht begonnen.
Foto: Picture Alliance/dpa
Entscheidend ist: Das Unternehmen 1&1 gehört dem Unternehmer Ralph Dommermuth, der auf Nachfrage gegenüber teltarif.de klar betont hat: "Warum sollte ich verkaufen, die Party hat doch noch gar nicht angefangen." Dommermuth stützt sich auf sein bis zu 18 Jahre lang laufendes Roaming-Abkommen mit Vodafone, was ihm die Freiheit gibt, sein eigenes Netz in aller Seelenruhe ohne Hast aufzubauen. Die geforderten 50 Prozent Abdeckung der Bevölkerung lassen sich mit den Vorgaben der Bundesnetzagentur "locker erfüllen" (-114dBm in 3 Meter Höhe über Grund), wie Branchenkenner bestätigen.
Telefónica müsste Herrn Dommermuth schon eine unglaublich hohe Summe bieten, bevor er schwach werden würde. Nur müsste o2-Telefónica diese Kaufsumme irgendwie aufbringen und später wieder zurückverdienen. Bekanntlich ist o2-Telefónica ist ja eher auf Sparkurs unterwegs.
Die unbeliebten Service-ProviderDass Service-Provider, die einfach nur Verträge einkaufen und unter eigenem Namen weiterverkaufen, bei allen Netzbetreibern relativ unbeliebt sind, ist nicht neu. Um existieren zu können, brauchen sie so um die 30 Prozent Rabatt, damit lebten sie bislang ganz gut. Die Verwaltung der Service-Provider-Kundendaten im Netz (Netzfunktionen, Aktivieren und Deaktivieren der SIM-Karte etc.), verbleibt beim Netzbetreiber und auf seinen Systemen. Die Service-Provider haben eine spezielle Hotline beim Netzbetreiber, wenn Kunden über Störungen berichten und nach einer Lösung fragen.
Virtuelle NetzbetreiberBei den virtuellen Netzbetreibern (mit eigenem Kernnetz und eigener Vorwahl) scheint die Rechnung etwas besser auszusehen, da sie den Interconnect und die notwendige Server-Technik in der Regel selbst aufbauen und betreiben müssen (oder einen Dienstleister einspannen), also auch das Aktivieren oder Deaktivieren der Kunden selbst verwalten und nur die "fertigen" Signale im Mobilfunknetz abliefern.
2027 - Jahr der NeuverhandlungenHesse deutete an, im nächsten Jahr alle "Partnerverträge" mit virtuellen Netzbetreibern und Service-Providern neu verhandeln zu wollen. Wie die Details aussehen (soll es für die Partner teurer werden?) verriet er nicht.
Spekulieren wir mal: Dann könnte es also durchaus sein, dass der eine oder andere Partner danach "aussteigen" möchte, entweder um in einem neuen Netz sein Glück zu suchen oder gar ganz aufzugeben. Aber das ist alles hoch spekulativ. Es kann genauso gut sein, dass die Verhandlungen wie das berühmte Schießen zu Hornberg ausgehen und am Ende die bestehenden Verträge mehr oder weniger zu den alten oder sogar noch für die Partner besseren Konditionen verlängert werden.
Was können die Kunden tun?Vorsichtige Kunden sollten darauf achten, möglichst monatlich kündbare Verträge abzuschließen (nach 24 Monaten Laufzeit ist das automatisch der Fall) und bei angebotenen Vertragsverlängerungen mit dem "Handy für 1 Euro" (die eine neue Laufzeit von 24 Monaten, bei bestimmten Kostenmodellen sogar 36 Monate für den Handyratenkauf starten), sehr scharf nachzurechnen und ggfs. "Nein" zu sagen. So bleiben sie flexibel.
Da heutige Handys in der Regel Platz für zwei SIM-Karten haben, kann es nie schaden, eine weitere SIM-Karte in einem anderen Netz zu besorgen, mit monatlicher Kündigungsfrist oder auf der noch risikoloseren Prepaid-Basis. Auch der Kauf von Prepaid-Jahrespaketen will gut überlegt sein.
Welche Tarife und Pakete und welche Netze in Frage kommen, lesen Sie bei uns.
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