Wenn der Zug schon nicht pünktlich kommt, soll zumindest die Information darüber schneller werden: Die Bahn plant den Einsatz von KI, neue Monitore und eine neue App. Doch die Grünen sehen weiterhin ein grundlegendes Problem.
27.08.2026 · 21:30 Uhr
Grünen-Politikerin Piechotta: „Unter Bahnchefin Palla erreichen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit neue Tiefststände.“
Foto: Jens Büttner/dpa/Jens BüttnerExklusiv | Berlin · Wenn der Zug schon nicht pünktlich kommt, soll zumindest die Information darüber schneller werden: Die Bahn plant den Einsatz von KI, neue Monitore und eine neue App. Doch die Grünen sehen weiterhin ein grundlegendes Problem.
Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen gerade eine Menge Geduld aufbringen: Im ersten Halbjahr ist fast jeder zwölfte Fernzug ganz oder zumindest auf einem Teil der Strecke ausgefallen. Das waren drei Prozentpunkte mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Unter Bahnchefin Palla erreichen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit neue Tiefststände“, kritisierte Grünen-Politikerin Paula Piechotta, Mitglied im Haushaltsausschuss und Berichterstatterin für den Verkehrsetat. Schnell lösen lassen dürfte sich das Problem angesichts vieler Baustellen kaum.
Dafür verspricht die Bahn, ihre Kundenkommunikation zeitnah zu verbessern – mit mehreren Maßnahmen. Ziel sei „eine spürbare und unmittelbare Verbesserung der Kundenkommunikation“. Das geht aus Antworten des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Demnach will die Bahn bis Jahresende „rechtzeitige Information zu Halteausfällen“ in mehr als 90 Prozent der Fälle gewährleisten. Wie hoch der Anteil derzeit ist, gibt das Ministerium allerdings nicht an.
Ebenfalls bis Jahresende soll ein KI-Chat auf bahn.de ausgerollt werden. Außerdem sollen bis Dezember 900 Zug-Informationsmonitore installiert sein. Auch über Gleiswechsel oder Änderungen der Wagenreihung sollen Kunden künftig frühzeitig in Kenntnis gesetzt werden. In zeitkritischen Fällen sei es das Ziel, Verzögerungen „weitestgehend zu beseitigen“. Weiter schreibt das Ministerium: „Mit dem Sofortprogramm zielt die DB AG darauf ab, die Qualität der den Auskunftssystemen zu Grunde liegenden Daten für alle Verkehre – unabhängig vom Betreiber – zu verbessern.“
Tickets für andere Anbieter wie etwa Flixtrain soll es aber auch künftig nicht über den DB Navigator zu kaufen geben. „Im Grundsatz gilt, dass die DB AG in ihren Vertriebskanälen zunächst ihre eigenen DB-Produkte verkauft, die sie dann im Sinne der Kunden um Produkte von Verkehrsverbünden und Kooperationen mit DB-Beteiligung ergänzen“, heißt es in der Antwort. Und: Einen Übergang des DB Navigators auf die gemeinwohlorientierte DB InfraGO soll es künftig nicht geben. Stattdessen ist bis Jahresende eine anbieterübergreifende App geplant, die Verbindungen von verschiedenen Anbietern anzeigen soll.
Grünen-Politikerin Piechotta kritisiert das scharf. „Wie wenig die Deutsche Bahn im Interesse der Bahnkunden handelt, sieht man daran, dass sie eine möglichst einheitliche, von verschiedenen Bahn-Anbietern gleich nutzbare App für den Ticketverkauf boykottiert“, sagte sie unserer Redaktion. „Sogar das Verkehrsministerium knickt ein und lässt zu, dass die DB Fernverkehr die App-Gewinne aus dem Ticketvertrieb im DB Navigator behalten darf“, bemängelte sie. Das zeige, „dass Kosten und Gewinn auf der Schiene nicht fair verteilt sind“.
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