Arbeit ist nicht immer bequem. Damit wird die Generation Z jetzt zunehmend konfrontiert, denn das Jobangebot sinkt. Für einen Teil dieser Generation könnte das zur Herausforderung werden.
Arbeit ist nicht immer bequem. Damit wird die Generation Z jetzt zunehmend konfrontiert, denn das Jobangebot sinkt. Für einen Teil dieser Generation könnte das zur Herausforderung werden.
Chef doof? Tschüss. Kein Purpose? Bin raus. Job zu anstrengend? Und noch mal tschüss. So konnte sich Arbeit für einen Teil der jungen Generation in den vergangenen Jahren anfühlen. Wenn es nicht passte, wartete hinter der nächsten LinkedIn-Nachricht womöglich schon der nächste Arbeitgeber. Fachkräftemangel sei Dank. Unternehmen warben mit Homeoffice, Benefits und moderner Führung. Die Botschaft war klar: Liebe Gen Z, sag uns, was du brauchst. Wir machen es möglich.
Nur hat diese Rechnung einen Haken. Sie funktioniert nur, solange der nächste Arbeitgeber Schlange steht. Und genau das verändert sich gerade.
Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung meldete Anfang September nur noch rund eine Million offene Stellen in Deutschland. Gegenüber dem Vorquartal waren es fast 130.000 weniger. Auf 100 offene Stellen kommen inzwischen 291 arbeitslos gemeldete Menschen. IAB-Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis sagt, abgesehen von den Corona-Lockdowns habe die Arbeitskräftenachfrage „seit 2016 nicht mehr auf diesem niedrigen Niveau“ gelegen.
Noch ist das kein Arbeitgebermarkt wie früher. Aber der Bewerbermarkt bekommt Risse. Jahrelang haben wir den Unternehmen erklärt, sie müssten sich verändern, wenn sie junge Menschen gewinnen und halten wollen. Das war in vielen Punkten richtig. Jetzt kommt die unangenehme Ergänzung: Auch die junge Generation wird sich verändern müssen. Und für einen Teil dieser Generation könnte das zur Herausforderung werden.
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Denn ein Teil der Generation Z ist unter Eltern groß geworden, die ihre Kinder mit viel Liebe und Einsatz begleitet haben. Manchmal allerdings so eng, dass aus Begleitung Betreuung, aus Betreuung Kontrolle und aus Behütung Überbehütung wurde.
Wir kennen sie längst: die Helikoptereltern. Sie kreisen über dem Kind, greifen ein, bevor es kracht, räumen Hindernisse weg und federn Frust ab. Der Konflikt mit dem Lehrer? Mama ruft an. Der Trainer ist ungerecht? Papa klärt das. Zum Bewerbungsgespräch eingeladen: Nur mit Mama bitte.
Gut gemeint? Ganz bestimmt. Gut gemacht? Nicht immer. Eine aktuelle Metaanalyse trägt den passenden Titel „Parenting in Overdrive“. Sie wertet 53 Studien mit insgesamt 46.365 jungen Erwachsenen, überwiegend Studierenden, aus. Helikoptererziehung hing mit geringerer Selbstwirksamkeit, Selbstregulation und Problemen bei der Bewältigung des Studienalltags sowie mit mehr Ängsten und depressiven Symptomen zusammen, die Effekte fielen klein aus. Das heißt nicht: Helikoptereltern rein, unselbständige Erwachsene raus.
Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine Kausalkette. Psychologisch ergibt der Befund Sinn. Selbstwirksamkeit entsteht nicht, weil Mama das Hindernis wegräumt, sondern weil ich davorstehe, mich ärgere, manchmal scheitere, noch einmal probiere und irgendwann feststelle: Ich kann das selbst. Kinder brauchen Schutz, aber sie brauchen auch Probleme, die ihnen niemand abnimmt.
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Susanne Nickel ist Rechtsanwältin, Wirtschaftsmediatorin und Expertin für Arbeit und Wandel. Ihre Erfahrung sammelte sie in ihrer langjährigen Tätigkeit als Managerin und Beraterin sowohl in nationalen als auch internationalen Unternehmen und Konzernen. Sie ist in fast allen DAX 30-Unternehmen viele Jahre ein- und ausgegangen. In ihrer Kolumne schreibt Susanne Nickel über gesellschaftliche Veränderungsprozesse und den Wandel in der Arbeitswelt.
Und genau da wird es für die Arbeitswelt interessant. Denn Arbeit ist nicht immer bequem. Manchmal ist der Chef doof, das Projekt langweilig oder die Beförderung geht an jemand anderen und Arbeit ist manchmal einfach anstrengend. Willkommen in der Zumutung. Das ist kein Freibrief für schlechte Führung. Niemand muss Mobbing aushalten, sich ausbeuten lassen oder jeden Unsinn eines Vorgesetzten schlucken.
Die Generation Z hat zu Recht einiges in Bewegung gebracht: bessere Führung, mehr Flexibilität, mehr Aufmerksamkeit für psychische Gesundheit und die Frage nach dem Sinn von Arbeit. Aber zwischen Ausbeutung und Wunschkonzert liegt ein großer Bereich. Man nennt ihn Realität. Sie wird gerade rauer, das spüren inzwischen auch Akademiker: 2025 waren 335.000 Menschen mit Hochschulabschluss arbeitslos, 16 Prozent mehr als im Vorjahr, die Quote kletterte erstmals seit 2007 wieder über drei Prozent. Von einer Akademikerkrise zu sprechen, wäre überzogen. Aber die Garantie, dass nach dem Studium gleich drei Arbeitgeber mit Blumenstrauß warten, gibt es nicht mehr.
Noch deutlicher wird das beim Übergang in den Beruf. Der F.A.Z. Artikel, der mich zu dieser Kolumne inspiriert hat, nennt eine Zahl, die aufhorchen lässt: Rund jeder zehnte 20 bis 24 Jährige in Deutschland ist weder in Ausbildung noch beschäftigt. 59 Prozent von ihnen haben weder einen Berufsabschluss noch Hochschulreife, bei 86 Prozent liegt die letzte Teilnahme an einem Bildungsprogramm mehr als ein Jahr zurück, ein Drittel hat Schule, Ausbildung oder Studium abgebrochen.
Bildungsforscher Kai Maaz warnt deshalb vor einer möglichen „längerfristigen Entkopplung von Bildung, Qualifizierung und Erwerbstätigkeit“. Diese Gruppe ist nicht homogen, auch Krankheit und Übergangsphasen spielen eine Rolle. Überbehütung kennt ohnehin keine Bildungsgrenze, sie trifft Azubikinder genauso wie Akademikerkinder. Trotzdem bleibt eine unbequeme Frage: Was passiert, wenn ein schwierigerer Arbeitsmarkt auf junge Menschen trifft, denen Schwierigkeiten lange erspart wurden?
Frustration ist kein Erziehungsfehler. Sie ist Trainingsmaterial fürs Leben. Kein Einwand gegen liebevolle Erziehung, sondern gegen die Verwechslung von Wunsch und Bedürfnis. Und davon könnte es künftig wieder mehr geben.
Auch der Ausbildungsmarkt zeigt das Passungsproblem: Ende August waren 116.000 Ausbildungsplätze noch frei, während gleichzeitig 102.000 junge Bewerber weder einen Ausbildungsplatz noch eine Alternative gefunden hatten. Der Ausbildungsort passt nicht. Der Beruf passt nicht. Die Erwartungen passen nicht. Plötzlich wird Anpassungsfähigkeit vom netten Karriere Buzzword zur handfesten Zukunftskompetenz.
Und während wir noch über Gen Z diskutieren, steht mit Generation Alpha schon die nächste Generation vor der Tür. Und hier kommt eine neue Spezies ins Spiel, ich nenne sie Drohneneltern. Der Helikopter kreiste noch sichtbar über dem Kind. Die Drohne kontrolliert aus der Ferne. Wo bist du? Warum bewegst du dich nicht? Hast du meine Nachricht gelesen? Warum antwortest du nicht? Die Technik macht es möglich. Sechs Prozent der Deutschen haben laut einer Bitkom-Befragung bereits Tracking-Geräte oder Apps eingesetzt, um Kinder zu orten. Weitere 24 Prozent können sich das vorstellen. Macht zusammen 30 Prozent, also fast jeder Dritte.
Tracking kann Sicherheit schaffen, gerade bei kleineren Kindern. Aber Sicherheit hat eine Schwester. Sie heißt Kontrolle. Und irgendwann sendet permanente Kontrolle eine merkwürdige Botschaft: Ich traue der Welt nicht. Und offenbar traue ich dir auch nicht ganz zu, darin allein zurechtzukommen. Helikoptereltern haben Hindernisse weggeräumt. Drohneneltern müssen dafür nicht einmal mehr das Haus verlassen. Was passiert, wenn eine noch stärker digital begleitete Generation auf einen Arbeitsmarkt trifft, der wieder mehr Selbstständigkeit, Flexibilität und Frustrationstoleranz verlangt? Das dürfte spannend werden.
Unternehmen sollten daraus nicht den falschen Schluss ziehen. Es geht nicht darum, junge Menschen wieder hart anzufassen, sondern darum, Führung nicht mit Kümmern zu verwechseln. Gute Führung heißt, Erwartungen klar auszusprechen, Verantwortung zu übertragen und ehrliches Feedback zu geben. Führen statt kümmern. Junge Menschen müssen lernen, dass nicht jedes Problem ein Kündigungsgrund ist. Kritik ist nicht automatisch toxisch. Anpassung ist nicht Unterwerfung. Chef doof? Manchmal muss man trotzdem bleiben. Job anstrengend? Genau dafür wird man bezahlt. Kein Purpose? Auch der nächste Arbeitgeber hat vielleicht keinen im Angebot.
Die Generation Z fordert die Arbeitswelt mit ihrer neuen Haltung heraus. Vieles davon war überfällig. Jetzt fordert der Arbeitsmarkt die Generation Z und bald wohl auch die Generation Alpha.
Unternehmen können begleiten. Eltern können kreisen. Eltern können tracken. Aber arbeiten, scheitern, sich verändern und wieder aufstehen müssen ihre Kinder am Ende selbst.