Die Brücke zwischen dem Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin (MPZPM) und dem Zentrum für Personalisierte Medizin und Forschung, kurz CESAR, auf dem Nordcampus des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) trägt seit dem 22. September 2026 den Namen Jochen-Guck-Brücke. Benannt ist sie nach dem im Oktober 2025 verstorbenen Max-Planck-Direktor, der das Zentrum maßgeblich mit aufgebaut hat. Die Einweihung fand im Rahmen des Symposiums „How do you feel“ statt, zu dem über hundert renommierte Wissenschaftler*innen aus dem Bereich der Biophysik nach Erlangen gekommen sind.
Die Brücke zwischen dem Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin (MPZPM) und dem Zentrum für Personalisierte Medizin und Forschung, kurz CESAR, auf dem Nordcampus des Universitätsklinikums Erlangen (UKER) trägt seit dem 22. September 2026 den Namen Jochen-Guck-Brücke. Benannt ist sie nach dem im Oktober 2025 verstorbenen Max-Planck-Direktor, der das Zentrum maßgeblich mit aufgebaut hat. Die Einweihung fand im Rahmen des Symposiums „How do you feel“ statt, zu dem über hundert renommierte Wissenschaftler*innen aus dem Bereich der Biophysik nach Erlangen gekommen sind.
Im September 2024 wurde das MPZPM feierlich eröffnet. Das kollaborative Zentrum des MPL, der FAU und des UKER praktiziert eine neue Art der Forschungskultur: Physiker*innen und Mediziner*innen forschen gemeinsam, um grundlegende medizinische Fragestellungen aus der physikalischen Perspektive besser zu verstehen. Prof. Jochen Guck, Direktor am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL), leitete am MPZPM die Abteilung ›Physik der Zelle‹. Eine Gedenktafel im Inneren auf Seiten des MPZPM sowie ein Zeitstrahl zur Entwicklung dieses Erlanger Vorzeigeprojekts grenzübergreifender Forschung würdigen seine wissenschaftliche Bedeutung. Als weltweit anerkannter Pionier auf dem Gebiet der Zellmechanik war er am Aufbau und an der internationalen Strahlkraft des Zentrums maßgeblich beteiligt.
Die Einweihung der Brücke fand mit Grußworten der Sprecher des MPZPM, des Präsidenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sowie der Klinikleitung des UKER statt. Die Brücke steht als Sinnbild für die enge Verbindung von Physik und Medizin sowie der drei Kollaborationspartner.
In seiner Begrüßungsrede betonte Prof. Vahid Sandoghdar, Geschäftsführender Direktor des MPL und Sprecher des MPZPM, wie froh man gewesen sei, Jochen Guck für Erlangen gewinnen zu können – gerade wegen seiner besonderen Persönlichkeit.
„Leider war Jochen bei der Einweihung dieses Gebäudes bereits sehr krank. Aber ich denke er war sehr glücklich, dass wir so weit gekommen waren. Er war ein großer Verfechter davon, Biophysik näher an die medizinische Forschung zu bringen und dabei die Antworten nicht nur auf molekularer Ebene zu suchen, sondern die grundlegenden Fragen auch aus der physikalischen Perspektive zu erforschen. Deshalb war er die richtige Person für unser Zentrum und dessen Mission. Im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass dies nicht nur eine wissenschaftliche Vision war, sondern dass sich darin auch seine Liebe zur Menschheit widerspiegelte.“
Prof. Vasily Zaburdaev, Leiter der Abteilung ›Immunophysik‹ und ebenfalls Sprecher des MPZPM, fügte hinzu:
„Was bleibt, ist Jochens Vision: sein wissenschaftliches und sein persönliches Erbe. Es begegnet uns während dieser ganzen Konferenz. Dafür wurde das MPZPM ins Leben gerufen, und dieser Mission hatte Jochen sich in seinen letzten Jahren ganz verschrieben. Dass diese Brücke nun seinen Namen trägt, fühlt sich richtig an. Mich persönlich freut es, jeden Morgen, wenn ich an der Gedenktafel vorbeigehe, daran erinnert zu werden, was wir zusammen geschaffen haben, was wir uns noch vorgenommen hatten und was wir nun ohne ihn zu Ende bringen möchten.“
Prof. Joachim Hornegger, Präsident der FAU, erinnerte sich an Jochen Guck:
„Als ich hörte, dass diese Brücke Jochen Gucks Namen tragen sollte, dachte ich mir: Ja, das ist richtig. Jochen Guck baute Brücken, lange bevor diese Brücke hier gebaut wurde. Er brachte Physik und Medizin zusammen und verband physikalisches Denken und physikalische Methodik mit denen der Medizin und der Biologie. Er war das Bindeglied zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und unserer Universität sowie dem Universitätsklinikum. Vor allem aber brachte er Menschen zusammen – Forscherinnen und Forscher.“
Prof. Markus Neurath, Dekan der Medizinischen Fakultät der FAU und Direktor der Medizinischen Klinik 1 des UKER, sagte:
„Jochen Guck war ein Physiker, jedoch ein Physiker mit einem ausgeprägten Sinn für klinische und biologische Fragestellungen. Er blickte nicht aus der Ferne auf die Medizin. Vielmehr fragte er mit ausgesprochener Neugier: Was sind die Probleme der Medizinerinnen und Mediziner? Wo stoßen etablierte diagnostische und therapeutische Ansätze an ihre Grenzen? Und wie kann ein physikalischer Denkansatz helfen, diese Grenzen zu verschieben? Für uns als Universitätsklinikum war das von besonderer Bedeutung. Jochen Guck betrachtete Grundlagenforschung und klinische Anwendbarkeit nicht als Gegensätze, sondern als Teile eines Kontinuums.“
How do you feel – Symposium in Memory of Jochen Guck
Prof. Kristian Franze, Leiter der Abteilung ›Neuronale Mechanik‹ und Direktor des Medizinischen Institut für Biophysik der FAU erläuterte in seiner Eröffnungsrede, was international führende Wissenschaftler*innen aus dem Feld der Zellphysik nach Erlangen geführt hat. Gemeinsam wollen sie Jochen Gucks wissenschaftliches und persönliches Vermächtnis würdigen. Seine Ideen seien nach wie vor wesentlicher Bestandteil ihrer eigenen Arbeit und prägten das gesamte Fachgebiet nachhaltig.
Stimmen der Referentinnen und Referenten
Prof. Simone Reber, Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin
„Jochen und ich haben gemeinsam am Zellkern geforscht und dabei eine konzeptionell überraschende Beobachtung gemacht: Der Zellkern ist weniger dicht als das ihn umgebende Zytoplasma. Während die Arbeit dazu noch auf dem Weg zur Veröffentlichung war, wollten wir bereits weiterdenken und fragen, welche funktionellen Konsequenzen eine niedrige Kerndichte für die Zelle hat. Insbesondere hat uns interessiert, ob man die veränderte Kerngröße in Krebszellen aus einer neuen Perspektive betrachten kann, nämlich als Frage der Dichtehomöostase. Unser gemeinsames Ziel war es, diese neuen Ideen in konkrete, experimentell überprüfbare Fragestellungen zu übersetzen.
Die gemeinsame Zeit hat mich bestärkt, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit der richtige Weg ist, um komplexe Fragen zu lösen. Das gilt besonders für Fragen, die einerseits ganz fundamentale zellbiologische Prinzipien berühren und andererseits auch Menschen in der Klinik betreffen. Genau diese Verbindung hat die Zusammenarbeit mit Jochen ausgemacht.“
Prof. Claudia Fischbach-Teschl, Cornell University, Ithaca, USA
„Krebs wird durch das normale Gewebeumfeld reguliert. Meine Forschung konzentriert sich auf die physikalischen und mechanischen Regulationsmechanismen auf der Ebene der Mikroumgebung: Wie beeinflusst das umgebende Gewebe, ob sich Krebs entwickelt und wie er fortschreitet? Diese Fragestellungen erforschen wir grundlagenorientiert, aber auch mit Blick auf die translationale Anwendung: beides Themen, die wir mit Jochen teilten.
Genauso wichtig wie die Forschung ist für unser Fachgebiet die Aufgabe, die nächste Generation von Wissenschaftler*innen so auszubilden, dass sie über Grenzen hinweg miteinander kommunizieren und die Perspektiven der anderen wertschätzen können.“
Prof. Josef Käs, Universität Leipzig, Leipzig, Deutschland
„Jochen war mein Doktorand. Wir sind also schon seit Ewigkeiten miteinander verbunden. Wir sind weite Teile unseres wissenschaftlichen Weges gemeinsam gegangen. Die verbindende Idee war die Zellmechanik. Damit eine Krebszelle irgendwo im Körper ankommt, muss sie sich durch den Körper bewegen, Engstellen passieren, sich hindurchquetschen. Das ist ein mechanischer Vorgang. Darauf aufbauend entwickelten wir unseren ersten gemeinsamen diagnostischen Ansatz. Anschließend verfolgten wir unterschiedliche Wege. Jochen entwickelte das Hochdurchsatzverfahren der Echtzeit-Deformabilitätszytometrie (Real-Time Deformability Cytometry, kurz RT-DC), das übrigens auch namensgebend für das Symposium „How do you feel“ ist und großartig funktioniert. Ich untersuche stattdessen mit meiner Forschungsgruppe histologische Schnitte. Statt mit dem Finger zu fühlen, ob eine Zelle weich oder hart ist – als Indikator für die physiologische Veränderung – schauen wir, ob sie länglich ist. Denn wenn eine Zelle länglich ist, sich also durch das Gewebe quetschen kann, dann ist sie weich.“
Einweihung der Brücke. Von links nach rechts: Vahid Sandoghdar, Dorothe Burggraf, Heinrich Iro, Mar ...
Quelle: MPL, Susanne Viezens
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin, Physik / Astronomie
überregional
Organisatorisches, Wissenschaftliche Tagungen
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