KI-Unternehmen versuchen, ihre Modelle durch menschliche Literatur noch besser zu machen. Ein Bericht enthüllt nun, dass dafür über Zwischenhändler Millionen von gebrauchten Büchern erworben werden.
KI-Unternehmen versuchen, ihre Modelle durch menschliche Literatur noch besser zu machen. Ein Bericht enthüllt nun, dass dafür über Zwischenhändler Millionen von gebrauchten Büchern erworben werden.
Das deckte „404 Media“ auf. Demnach haben es die KI-Giganten vor allem auf Bücher abgesehen, die vor 2022 erschienen sind. Diese enthalten nämlich mit größerer Wahrscheinlichkeit originelle und unverfälschte Texte.
Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, soll über „Better World Books“ gebrauchte Bücher gekauft, ausgewertet und anschließend vernichtet haben. Dabei sollen Mitarbeiter die Bücher in ihre Einzelseiten zerlegen und diese anschließend in einen Hochgeschwindigkeitsscanner legen. Die Zerstörung der Bücher sei dem Bericht zufolge daher eine effiziente und kostengünstige Methode für das Unternehmen. Dennoch habe das Vorgehen mehrere Millionen US-Dollar gekostet.
Anthropic lässt die Bücher laut „ars Technica“ schreddern, um damit ein rechtliches Schlupfloch in den USA zu nutzen. Hier greift das Erstverkaufsrecht, das dem Käufer erlaubt, mit seinem Kauf nach Belieben zu verfahren, ohne dass der Urheberrechtsinhaber eingreifen kann. Dieses Vorgehen soll auch bei anderen Unternehmen praktiziert werden, allerdings ist die große Anzahl der Fälle bei Anthropic bemerkenswert.
Das „Washington Post“ berichtete bereits im Januar dieses Jahres vom geheimen „Projekt Panama“, das Führungskräfte von Anthropic Anfang 2024 vorangetrieben haben sollen. Ziel sei es, „alle Bücher der Welt zu vernichten“, zitierte das WSJ aus einem Planungsdokument. Dieses war Teil eines Gerichtsprozesses, da zahlreiche Autoren und Künstler wegen Urheberrechtsverletzung geklagt hatten.
Die Online-Datenbank ISBNdb soll ihr Geschäftsmodell sogar neu auf diesen Trend ausgerichtet haben. Die Plattform, die über 111 Millionen katalogisierte Bücher verfügen soll, soll KI-Unternehmen mittlerweile spezialisierte Dienstleistungen für den Großeinkauf von Büchern anbieten. Der „404 Media“-Recherche zufolge reichen die Bestellungen bis zu einer Million Bücher. Dabei soll der Preis nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Laut einem professionellen Buchhändler seien die wöchentlichen Verkäufe seit April dieses Jahres von etwa 20 auf Hunderte Bücher gestiegen.
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