Rund 100 Wohnungen mehr. Das könnte in wenigen Jahren in Bottighofen Realität werden. Noch bis zum 12. Oktober findet die öffentliche Mitwirkung zu zwei Gestaltungsplänen statt.
Besucher der Informationsveranstaltung diskutieren über die geplante Überbauung Moosfeld in Bottighofen.Bild: Thomas Martens
Das Bottighofer Ortsbild könnte sich wesentlich ändern. Im Gebiet Moosfeld am östlichen Dorfrand sollen je nach Wohnungsgrösse etwa 80, im bestehenden Wohngebiet Pünt rund 20 Wohnungen realisiert werden. Damit könnte die Einwohnerzahl um mehr als 200 Menschen steigen.
Die zu überbauende Fläche im Moosfeld ist mehr als 13’500 Quadratmeter gross. Hier will die Moosfeld AG eine neue Siedlung mit hauptsächlich Wohnungen und Gewerberäumen erstellen. Um eine ganzheitlich durchdachte und dem Standort entsprechende Bebauung zu realisieren, wurde ein Gestaltungsplan mit Richtprojekt entworfen.
Abweichung vom MasterplanDemnach sind acht verschiedene Gebäude unterschiedlicher Höhe mit Satteldächern geplant, drei davon als höhere, sogenannte Punktbauten mit nahezu quadratischem Grundriss, und fünf flachere Längsbauten. Der höchste Punktbau, prominent am Kreisel vorgesehen, soll fünfgeschossig werden. Im Masterplan der Gemeinde, der die Visionen und Handlungsfelder für die ortsbauliche und freiräumliche Entwicklung von Bottighofen darstellt, ist hier sogar ein Gebäude mit acht Geschossen angedacht. Jetzt soll dieser Eckbau mit 17 Meter Höhe jedoch rund sieben Meter niedriger ausfallen. «Nach Osten hin werden die weiteren Gebäude immer flacher und nähern sich damit in der Höhe den bestehenden Einfamilienhäusern an», erklärte Planer Roger Studerus von Strut Architekten aus Winterthur anlässlich einer Informationsveranstaltung im Dorfzentrum vergangene Woche.
Das Gebiet Moosfeld im Osten von Bottighofen soll grosszügig überbaut werden.Bild: Thomas Martens
Wie den Planungsentwürfen zu entnehmen ist. werden die Möglichkeiten der ortsüblichen Regelbauweise in der Gesamthöhe der Gebäude bei weitem nicht ausgeschöpft. Auch die Bauvolumen liegen insgesamt unter den Möglichkeiten der Bauordnung der Gemeinde. Zudem unterschreitet das Richtprojekt das im Gestaltungsplan vorgesehene Bauvolumen insgesamt um knapp 280 Kubikmeter.
Alte Vorschriften müssen wegVon der Regelbauweise könne abgewichen werden, wenn dadurch eine gesamthaft bessere Siedlungsgestaltung erzielt wird und diese im öffentlichen Interesse liegt, heisst es im Planungsbericht des Ingenieurbüros NRP aus Amriswil. Dieses hat den neuen Gestaltungsplan mit Richtprojekt für das bestehende Wohngebiet Pünt erarbeitet. Denn um die Wohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern bauen zu können, muss zunächst der bestehende Gestaltungsplan «Begegnung» aus dem Jahr 1992 weichen.
Die Freifläche im Gebiet Pünt. Bild: Thomas Martens
Die Gemeinden sind gemäss Thurgauer Planungs- und Baugesetz (PBG) verpflichtet, alle bestehenden Sondernutzungspläne bis Ende 2027 dem neuen PBG anzupassen oder aufzuheben. «Wir haben den bisherigen Gestaltungsplan Begegnung deshalb grundlegend überprüft», sagte Gemeindepräsidentin Marion Sontheim.
Die bisher unbebauten Parzellen seien im Hinblick auf eine zeitgemässe und ortsbaulich sorgfältige Entwicklung neu betrachtet worden. Die Gemeinde habe mit Architekten, Ortsplanern und den Grundeigentümern die Grösse der geplanten Baukörper erarbeitet. Eine Anpassung des Gestaltungsplans sei nicht zweckmässig, da dieser bereits über 30 Jahre alt sei und sich die ursprünglichen Zielsetzungen inzwischen überholt hätten. Deshalb sei eine Neufassung sinnvoller.
Ins Umgebungsbild eingepasstDer neue Gestaltungsplan heisst «Begegnung 2026» und umfasst eine Fläche von knapp 7000 Quadratmeter. Die noch bebaubare Fläche ist knapp 2500 Quadratmeter gross. Die Höhe und Länge sowie das Erscheinungsbild der beiden geplanten Neubauten mit Satteldach orientieren sich gemäss Planer Pascal Meile von NRP Ingenieure an den bestehenden Mehrfamilienhäusern.
Besucher informierten sich über die geplanten Häuser im Gebiet Pünt.Bild: Thomas Martens
Abweichungen zur Regelbauweise gibt es auch hier bei der Gesamthöhe: Sie ist mit 15 Metern um einen Meter niedriger. Zudem wird der kleine Grenzabstand zum Nachbargrundstück im Norden um drei Meter unterschritten und liegt jetzt bei fünf Metern. Darüber hinaus soll sich das Bauvolumen gegenüber der Regelbauweise um 23 Prozent erhöhen.
Die beiden Gestaltungspläne können bis zum 12. Oktober auf der Webseite der Gemeinde sowie bei der Gemeindeverwaltung eingesehen werden. Während der Mitwirkungsfrist sind schriftliche Anregungen beim Gemeinderat möglich. «Die Anregungen werden dann von uns beantwortet», sagt Gemeindepräsidentin Sontheim. Man werde gegebenenfalls auch das Gespräch mit den Personen suchen. Danach will der Gemeinderat den Gestaltungsplan beschliessen und für 20 Tage öffentlich auflegen. Während dieser Zeit sind Einsprachen möglich.
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