Rechtsaußen verliert, aber die Linken können nicht triumphieren. Schwedens Sozialdemokraten haben ihre Chance verspielt: Wer keine eigene Idee hat, kann kein Land führen.
Richtig in Schwung kam die Wahlparty der schwedischen Sozialdemokraten am Sonntag nicht. Monatelang hatten sich die Genossinnen und Genossen um Parteichefin Magdalena Andersson auf eine Nacht des Jubels vorbereitet. Im Laufe des Abends bahnte sich aber lethargische Müdigkeit ihren Weg.
Bei der Parlamentswahl im größten skandinavischen Land sind die Sozialdemokraten zwar stärkste Kraft geworden, doch der ihnen lange vorausgesagte Erdrutschsieg blieb aus.
Stattdessen fahren sie mit 28,1 Prozent Zustimmung wohl ihr schlechtestes Wahlergebnis aller Zeiten ein. Zugleich hat die konservative Moderaterna-Partei des amtierenden Ministerpräsidenten, Ulf Kristersson, leicht an Stimmen gewonnen. Das amtliche Endergebnis wird im Laufe der Woche erwartet.
Doch Grund zum Jubeln hat am Montagmorgen in Schweden niemand so richtig. Die politische Landschaft im Land ist zersplitterter denn je: Der amtierenden Regierung fehlt die Mehrheit, die vier Oppositionsparteien kommen aktuellen Zahlen zufolge nur auf 176 Sitze im Reichstag in Stockholm – ein Platz mehr, als für eine absolute Mehrheit nötig ist.
Das liegt vor allem an der Schwäche der Sozialdemokraten. In den vergangenen Monaten haben sie einen riesigen Vorsprung verschenkt. Noch vor einem Jahr wollte mehr als jeder Dritte in Schweden ihnen seine Stimme geben. Selbst im Juni lagen die Genossen noch bequem über der magischen 30-Prozent-Marke.
Im Laufe des zähen Wahlkampfs gelang es ihnen aber nie, den Wählern überzeugend eine politischen Vision zu präsentieren. Einzig der Auftritt von Abba-Musiker Benny Andersson beim Wahlkampfabschluss konnte richtig begeistern. Sozialdemokratische Politik besang allerdings auch er nicht.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Zu sehr baute Parteichefin Magdalena Andersson auf die Schwäche der Regierungsparteien, die seit Beginn der Legislatur unbeliebt waren. Zu oft warnte sie vor einer Regierungsbeteiligung der rechten Schwedendemokraten. Dabei stellte bereits die Nachwahlanalyse 2022 fest, dass die extreme Fokussierung auf Rechtsaußen im Endspurt selten Wähler mobilisiert.
Eigene politische Ideen und Themen suchten Wähler und Wählerinnen bei den Sozialdemokraten dagegen fast vergebens. Dabei waren die wichtigsten Themen für die acht Millionen Wahlberechtigten das Gesundheits- und das Bildungswesen. Bereiche, in denen Andersson mit sozialdemokratischen Ideen hätte punkten können.

© imago/Bildbyran/CAISA RASMUSSEN
Stattdessen überließen die Genossen den Regierungsparteien klassische Wohlfahrtsthemen. Und sie reagierten auch nicht, als die Konservativen, die sich während der gesamten Legislaturperiode bei Sozialleistungen mehr als knauserig gezeigt hatten, kurz vor der Wahl plötzlich in Geberlaune waren.
Das Land kann aufatmen, der Durchmarsch der Rechten ist vorerst gestoppt.
Die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel wurde im April gesenkt, im Sommer ein günstigerer ÖPNV versprochen. Statt die Ideen aufzugreifen, stellten die Sozialdemokraten insbesondere deren Finanzierung infrage.
Das Ergebnis: Jeder Fünfte der heutigen Linken-Wähler stimmte vor vier Jahren noch für die Sozialdemokraten, bei den Grünen waren es sogar noch mehr.
Erfolg für die kleinen ParteienProfitiert haben die kleinen Parteien auch von taktisch Wählenden, die keinesfalls eine Regierung der Mitte sehen wollten. Damit hatten die Sozialdemokraten immer wieder öffentlich geliebäugelt. Punkten konnten sie damit bei linken Genossen nicht – und auch nicht ausreichend Wechselwählende aus dem rechten Parteienblock anziehen.

© AFP/Pontus Lundahl
Auch dort haben sich die Machtverhältnisse verändert: Kristerssons Konservative stellen dort wieder die stärkste Kraft. Denn erstmals in ihrer Geschichte müssen die rechten Schwedendemokraten eine nationale Wahlniederlage verdauen: Sie verlieren wohl drei Prozent im Vergleich zur Abstimmung 2022 und müssen sich mit Platz 3 begnügen.
Das Land kann aufatmen, der Durchmarsch der Rechten ist vorerst gestoppt. Aber deren Ideen leben weiter – auch bei den Sozialdemokraten: Besonders in der Migrations- und Kriminalitätspolitik haben sich die Genossen in den vergangenen Jahren opportunistisch gezeigt, waren mit der Regierung fast immer auf einer Linie.
Obwohl die Mehrheit im Land mit Abschiebungen für Teenager oder Gefängnissen für Kinder fremdelt. Eine Stimme für die Sozialdemokraten hätte also kaum eine Kurskorrektur gebracht. Auch deshalb stimmten viele lieber für die Grünen oder Linken.
Rechtsaußen verliert erstmals bei einer ParlamentswahlZugleich haben die Wähler über die Regierungstauglichkeit der Rechten abgestimmt: Im April versicherte Ministerpräsident Ulf Kristersson, dass die Rechtsaußenpartei nach der Wahl, bei einem Sieg seines Regierungsbündnisses, mit Ministerposten belohnt werden würde.
Ein Großteil der Schwedinnen und Schweden will offensichtlich nicht, dass eine Partei mit Wurzeln in der Neonaziszene Regierungsmacht bekommt. Zumal deren Saubermann-Image in den vergangenen Monaten immer wieder Risse bekam.
Schweden bleibt gespalten und politisch gelähmt.
Maxi Beigang
Der einstige Generalsekretär der Partei, Richard Jomshof, gab in einem Interview im Juli freimütig zu, dass er den Islam hasse. Zudem warf er einem Journalisten nach einem kritischen Beitrag über die Regierungsfähigkeit der Rechten indirekt Landesverrat vor. Die sozialdemokratische Parteichefin, Magdalena Andersson, geriet ebenfalls unter Beschuss. Auch sie sei eine Landesverräterin, weil sie sich „den Islamisten“ unterwerfe.

© AFP/Pontus Lundahl
SD-Parteichef Jimmie Åkesson schien sich ebenfalls immer wieder auf die Wurzeln der Partei zu besinnen und behauptete in einer Fernsehdebatte gar, dass muslimische Einwanderung den Ausgang der Wahl beeinflussen könnte. Das beunruhige ihn. Die Wähler beunruhigte offensichtlich ein Jimmie Åkesson als Minister mehr.
Dem Land stehen jetzt zehrende Wochen der Regierungsbildung bevor. Magdalena Andersson wird es, wenn überhaupt, nur mit schmerzhaften Kompromissen auf allen Seiten schaffen, die vier Parteien der Opposition zu einen. Denn dort kann die Zentrumspartei nicht mit den Linken und umgekehrt.
Auch für ein Bündnis der Mitte fehlt ihr die Mehrheit. Zugleich versucht Amtsinhaber Ulf Kristersson, die grünliberale Zentrumspartei auf seine Seite zu holen, doch die will mit den rechten Schwedendemokraten keine gemeinsame Sache machen.
Eine klare Regierungsalternative hat also niemand, Schweden bleibt gespalten und politisch gelähmt.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | La socialdemócrata Andersson gana las elecciones en Suecia, la izquierda dura con la inmigración | 0 | 6.55 | 14-09-2026 |
| 2 | На выборах в парламент Швеции победил правящий левый блок | 0 | 0 | 16-09-2018 |
| 3 | La izquierda acelera los contactos para la difícil formación de gobierno en Suecia | 0 | 7.35 | 17-09-2026 |
| 4 | Magdalena Andersson, la economista creíble y pragmática con mentalidad gestora | 0 | 12.11 | 14-09-2026 |
| 5 | Шведские националисты больше других партий улучшили результаты на выборах в Европарламент | 0 | 0 | 27-05-2019 |
| 6 | Лидер социал-демократов Швеции попытается сформировать правительство | 0 | 0 | 01-07-2021 |
| 7 | Sweden's prime minister Kristersson to resign after left-leaning opposition narrowly wins election | 0 | 9.39 | 17-09-2026 |
| 8 | LEDARE: När regeringen inte skyddar barnen måste vi göra det | -5 | 3 | 17-06-2026 |
| 9 | S: Vårt löfte – bättre och snabbare vård | 0 | 9.28 | 09-08-2026 |