Die geplante Erweiterung des Red-Bull- und Rauch-Werkes in Baruth/Mark sorgt wegen befürchteter Grundwasserknappheit für Streit. Das Landesumweltamt schließt eine Übernutzung der Wasservorräte aus. Ein lokales Ressourcenbündnis fordert strengere Prüfungen.
Werkserweiterung in Baruth/Mark Wem gehört das Wasser?
Von Philipp Rother Alexander Goligowski
Die Erweiterung des Werkes vom Energy-Drink-Produzenten Red Bull und dem Fruchtsaftunternehmen Rauch hat in Baruth/Mark (Teltow-Fläming) einen Streit um das Grundwasser ausgelöst. Umweltschützer befürchten, dass das Wasser künftig nicht mehr für alle reichen könnte.
Den ersten Bebauungsplan der Stadt (rund 4.100 Einwohner) zur Erweiterung des Industriegeländes hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wegen eines Fehlers gestoppt. Dabei ging es um Lärmbeschränkungen, die in einem Industriegebiet nicht zulässig seien, urteilte das Gericht. Damit hatte ein Eilantrag des Umweltverbands Grüne Liga Erfolg.
Nun nimmt die Stadt einen zweiten Anlauf. Dafür haben die Stadtverordneten einen Aufstellungsbeschluss für ein neues Planungsverfahren verfasst. Im Rahmen dessen soll eine andere Art der Nutzung ausgewiesen werden.
Währenddessen machen die beiden österreichischen Unternehmen Werbung in eigener Sache. Am vergangenen Samstag luden sie zu einem Tag der offenen Tür ein. Es bildeten sich lange Schlangen vor dem Werkstor, teils war viel Geduld nötig. Die Besucher ließen sich davon aber nicht abschrecken.
Von einem Kran aus, bekamen sie auch einen Blick auf die Erweiterungsfläche. Gleich neben den bestehenden Hallen sollen 17 Hektar Kiefernwald gerodet werden. Dort soll ein Dosenwerk entstehen.
Zudem möchte der Vorhabenträger eine Logistikhalle errichten. Er schlägt auch einen Gleisanschluss vor, wobei es hier noch keine konkreten Planungen gibt. Nach Angaben des "Produktionscampus Baruth", einer Agentur, die im Auftrag von Rauch und Red Bull Informationen bereitstellt, soll zudem der Bau eines kommunalen Klärwerks für die Aufbereitung des Industrieabwassers "finanziell unterstützt" werden.
"Aktuell müssen diese Dosen als Leerdosen hierhin angefahren werden", sagte Projektkoordinator Björn Hofbauer im Gespräch mit dem rbb. Durch die Ansiedlung des Dosenwerks in Baruth/Mark könnten rund 12.000 Lkw-Fahrten pro Jahr eingespart werden, erklärte er weiter. Dadurch würde die CO2-Emission deutlich verringert werden.
Bis zu 600 Menschen sollen nach der Erweiterung auf dem Gelände einmal arbeiten und damit fast doppelt so viele wie aktuell. Schon heute werden in Baruth über 400.000 Dosen und mehr als 100.000 PET-Flaschen pro Stunde abgefüllt. Durch die Investitionen soll das noch gesteigert werden.
Dafür ist Wasser nötig, viel Wasser. Zu viel - finden die Gegner der Ausbaupläne, die sich am Samstag vor dem Werk versammelt haben. "Wir glauben, dass mit dem Wasser falsch umgegangen wird. Es gehört uns allen", sagte Petra Liesenfeld vom Ressourcenbündnis Baruth. Die Menschen vor Ort sollten zuerst mit Waser versorgt werden, "bevor große Konzerne, um Gewinne zu machen, das ganze Wasser exportieren".
Nach Angaben der Stadt werden in der Region maximal 25 Prozent des verfügbaren Wassers genutzt, dessen Entnahme durch hydrogeologische Gutachten begleitet werde. Vorrang habe zudem die Versorgung der Bevölkerung. Sie müsse vor der Industrie versorgt werden.
"Wir nehmen das Thema Wasser sehr ernst", sagte auch Projektkoordinator Hofbauer: "Das genehmigte Kontingent liegt bei circa 6.500 Kubikmeter Wasser pro Tag. Wir werden 5.500 bis 6000 Kubikmeter pro Tag nutzen. Das wird durch die Stadt und das Landesumweltamt streng überwacht", so Hofbauer. "Unsere Prozesse sind sehr modern, sehr effizient." Höchste Priorität habe, "vorsichtig und umweltschonend mit der Ressource Wasser umzugehen", so Hofbauer. Zudem sei geplant, rund 1.500 Kubikmeter geklärtes Abwasser täglich zu nutzen.
Diese Versprechen sind dem Ressourcenbündnis Baruth aber nicht ausreichend. Sie fordern "ein neues Gutachten, was wirklich unabhängig ist und feststellt, ob wir hier eine Übernutzung haben oder nicht", sagte Liesenfeld: "Wenn es eine Übernutzung gibt, dann muss der Wasserverbrauch eingeschränkt werden." Das geplante Werk sei wasserintensiv und das Gutachten zum Grundwasserbestand in der Region schon 20 Jahre alt.
Das Landesumweltamt fungiert als Aufsichtsbehörde über den Wasserverbrauch. "Diese Schwellenwerte wurden in den vergangenen Jahren nicht erreicht oder unterschritten. Aus der verfügbaren Datenlage ergeben sich keine Hinweise, die auf eine Übernutzung der dynamischen Grundwasservorräte am Standort Baruth/Mark deuten würden", teilte das Amt auf Nachfrage mit.
Alle fünf Jahre erfolge eine Neuberechnung der Grundwasserneubildung mithilfe verschiedener Wasserhaushaltsmodelle. Darin werden den Angaben zufolge die jeweils relevanten Landnutzungsformen und klimatischen Kenngrößen auf Basis der aktuellen 30-jährigen Zeitreihen berücksichtigt, hieß es weiter. Auch die seit 2018 aufgetretenen Trockenjahre würden dabei berücksichtigt. "Die Forderung von Außenstehenden nach einem 'neuen' Gutachten ist auf einer emotionalen Ebene nachvollziehbar. Neue Erkenntnisse sind nicht zu erwarten", teilte das Landesumweltamt weiter mit.
Eine Übernutzung der erneuerbaren Grundwasservorräte sei bisher nicht zu erkennen und bis auf Weiteres auch nicht zu erwarten.
Zur Erklärung: Im Baruther Urstromtal gibt es vor allem zwei relevante Grundwasserleiter. Der untere, ist der aus dem das Wasser in Baruth/Mark entnommen wird. Er sei seit Jahrzehnten trotz Trockenheit stabil, teilte das Landesumweltamt weiter mit. Das ist wohl der wichtigste Grund, warum Rauch und Red Bull den Getränke-Abfüller Urstromquelle im Jahr 2022 gekauft haben. Damals drohte die Schließung des Werks.
Davon ist nun keine Rede mehr. Im Gegenteil: Die österreichischen Unternehmen wollen in Baruth zusammen mit dem amerikanischen Dosenproduzent Ball einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe investieren. Grundvoraussetzung ist, dass der neue Bebauungsplan für die Erweiterung des Werks verabschiedet wird. Er durchläuft gerade das Genehmigungsverfahren, im September könnte der Plan von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. Im Vorfeld ließen Rauch und Red Bull nun erstmals die Baruther ins Werk - sie sollten sich ein eigenes Bild machen. Mehr als 1.400 Menschen waren vor Ort. Ein Gespräch mit den Gegnern gab es am Samstag nicht.
Die Getränkeindustrie darf in Baruth/Mark jährlich bis zu zwei Millionen Kubikmeter Wasser aus der über 100 Meter tief liegenden Urstromquelle nutzen. Das entspricht 92 Prozent des jährlichen Grundwasser-Entnahmevolumens. Das wurde dem Vorbesitzer vertraglich zugesichert. Red Bull und Rauch haben die Wasserentnahmerechte übernommen und einen entsprechenden Vertrag mit der Stadt unterzeichnet. Die restlichen acht Prozent bleiben für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung.
Korrektur: In einer früheren Fassung dieses Beitrags hatten wir von einem Wasserwerk gesprochen, dass in Planung sei - geplant ist jedoch ein kommunales Klärwerk. Auch im Video, dass sie oben im Beitrag sehen können, ist bei Minute 00:43 bis 00:47 ein Klärwerk gemeint. Wir bitten um Entschuldigung für die missverständliche Formulierung. Zudem haben wir Angaben zum Gleisanschluss und zur Logistikhalle konkretisiert.
Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 29.08.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell, 29.08.2026, Alexander Goligowski
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