Versorgungslücke droht Sorge um medizinische Versorgung in Wittstock/Dosse wächst
Die Sorge um die medizinische Versorgung in Wittstock/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) und Umgebung wächst. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) will die im vergangenen Februar in Aussicht gestellten Kassensitze nicht freigeben. Das sagte Landrat Ralf Reinhardt (SPD) im Rahmen der Kreistagssitzung am Donnerstagabend. Der Zulassungsausschuss habe jüngst getagt und nur halbe Arztsitze in Aussicht gestellt. So lasse sich ein MVZ aus Sicht von Reinhardt aber nicht wirtschaftlich betreiben. Alexander Lottis, Geschäftsführer des Universitätsklinikums Ruppin-Brandenburg (UKRB), stimmte ihm zu.
Hintergrund: Das Wittstocker Krankenhaus schließt Ende des Jahres. Wie es danach vor Ort mit der medizinischen Versorgung weitergeht, ist aber noch unklar. Die Planungen sehen vor, die alte Tuchfabrik am Rande der Innenstadt bis 2030 zu einer Poliklinik auszubauen. Bis zur Fertigstellung soll ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) als Übergangslösung geben. Das sollte eigentlich in die ehemalige Flüchtlingsunterkunft in der Ackerstraße entstehen.
Die Interimslösung in der Ackerstraße ist mittlerweile aber vom Tisch, weil das Gebäude nicht barrierefrei und baulich schwer umzugestalten ist. Das wurde am Donnerstag im Kreistag verkündet. Stattdessen würde der Kreis gerne seine Liegenschaft in der Rheinsberger Straße anbieten und dort eine komplette Etage für die Errichtung des Übergangs-MVZ freiräumen.
Voraussetzung dafür ist, dass die KV die drei notwendigen Arztsitze freigibt und den entsprechenden Versorgungsbedarf anerkennt. Die KV habe aber eine Neubetrachtung der Situation vorgenommen und sehe keinen Bedarf im Wittstocker Raum, sagte Reinhardt weiter. Dabei steuere Wittstock deutlich auf eine Unterversorgung hin.
Die KV will das nun noch einmal prüfen und nach 14 Tagen das Ergebnis präsentieren. "Ich habe aber das Gefühl, das Ergebnis schon zu kennen", sagte UKRB-Chef Lottis.
In Cottbus baue die KV sogar eine eigene Praxis auf, in Wittstock würde sie sich weitestgehend aus der Verantwortung ziehen, ergänzte Landrat Reinhardt. Das könne nicht sein. Der Kreistag, die Kreisverwaltung, die Stadt Wittstock und die Initiative "Wittstock zeigt Gesicht" haben daher auch einen offenen Brief an die Kassenärztliche Vereinigung, an die AOK und an das Brandenburger Gesundheitsministerium verschickt.
Die KV verweigere "bis heute konstruktiv an einer tragbaren Lösung zu arbeiten und verkennt die besonderen Herausforderungen des ländlichen Raumes", heißt es darin. Die Argumentation, es gebe eine Überversorgung im ländlichen Raum, sei "realitätsfremd und unverantwortlich".
Wittstock/Dosse sei mit einer Fläche von 420 Quadratkilometern die flächenmäßig größte Stadt Brandenburgs und gehöre zu den sechs größten Städten der Bundesrepublik - eine ausreichende gesundheitliche Versorgung könne nicht allein an abstrakten Einwohnerzahlen gemessen werden. Daher wird in dem Brief gefordert, "unverzüglich und verbindlich die fehlenden kassenärztlichen Voraussetzungen für die Interimslösung und das MVZ in Wittstock/Dosse zu klären". Denkbar sei auch, dass die KV das MVZ selbst betreibe.
Ab dem 1. Januar 2027 stehe die Region vor einer Versorgungslücke - mit möglichen lebensbedrohlichen Folgen für Notfallpatienten, insbesondere bei zeitkritischen Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, heißt es im Brief weiter. Es gehe um die medizinische Versorgung einer ganzen Region.
Wittstocks Bürgermeister Philipp Wacker (CDU) bleibt trotz allem zuversichtlich: "Für mich ist der Prozess noch nicht abgeschlossen." Es stünden noch Gespräche aus. Es gebe noch Ideen. Als Bürgermeister sei er Berufsoptimist. "Wenn es eine grüne Ampel gäbe, wären wir dazu in der Lage, das MVZ in drei Monaten an den Start zu bringen", sagte UKRB-Chef Lottis abschließend.
Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 17.09.2026, 11 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg vom rbb, 17.09.2026, Jasmin Becker/Birgit Illgner
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