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Piraten, Terror und ein neuer Krieg: Darum ist die Lage am Horn von Afrika für uns alle so gefährlich

Дата публикации: 22-09-2026 19:00:56

Iran-Verbündete Huthi greifen nach Bab al-Mandab. Am Roten Meer bedrohen längst mehrere Brandherde den Welthandel – ein Land gerät in den Fokus der USA.

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Piraten, Terror und ein neuer Krieg: Darum ist die Lage am Horn von Afrika für uns alle so gefährlich

Stand: 22.09.2026, 21:00 Uhr

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Iran-Verbündete Huthi greifen nach Bab al-Mandab. Am Roten Meer bedrohen längst mehrere Brandherde den Welthandel – ein Land gerät in den Fokus der USA.

Es köchelt am Roten Meer. Auf jeder Uferseite – ob West oder Ost. Zwischen und innerhalb vieler Anrainerstaaten gibt es Konflikte. Gleichzeitig ist das Binnenmeer für den globalen Welthandel bedeutsam. Über eine verkürzte Seestrecke verbindet es Asien und Europa. Kriege und Krisen drohen, diese zu unterbrechen. Aktuell blickt die Welt auf die Arabische Halbinsel. In Jemen herrscht seit Langem ein Bürgerkrieg zwischen der Huthi-Miliz und der jemenitischen Regierung. In einer Blitzoffensive brachten die Huthi nun die gesamte Rotmeerküste des Jemen unter ihre Kontrolle. Brisant: Sie erhalten dadurch Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab, eines der meistbefahrenen maritimen Nadelöhre der Welt. 

Unterstützt werden die Huthi vom Iran. Ihre Feinde: die USA und Israel. Diese drei Länder befinden sich seit Monaten im Krieg, wodurch bereits die Wasserstraße von Hormus im Nahen Osten nur beschränkt befahrbar ist. Bab al-Mandab galt als Alternative. Die Saudis begannen, Öl über die Ost-West-Pipeline zum Roten Meer zu leiten. Diese konnten die Huthi beschädigen. Der Druck auf den Wüstenstaat und seine Verbündeten, die USA, wächst. Dabei ist das nur einer von vielen Hotspots in der Region – mit möglichen Folgen für den Schiffsverkehr. Ein Blick auf das gegenüberliegende Ufer Jemens, zum afrikanischen Kontinent, gibt ebenfalls Anlass zur Sorge.

Äthiopien, Eritrea, Tigray und Sudan: Spannungen am Roten Meer

Einst war Eritrea Teil Äthiopiens. Damit war auch der Zugang zum Roten Meer für das bevölkerungsreichste Binnenland der Welt gesichert. Doch die Eritreer erkämpften sich ihre Unabhängigkeit 1993 zurück. Die Feindschaft flammt derzeit wieder auf. Äthiopien rührt seit Monaten die Kriegstrommel. Es hält daran fest, sich wieder einen Meerzugang zu sichern. Nicht zuletzt spielt auch die an Eritrea angrenzende Region Tigray eine Rolle. 

Angehörige der Tigray-Ethnie stellten jahrzehntelang die äthiopische Elite. 2020 beendete Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed ihre 30-jährige Vorherrschaft. Das löste einen zweijährigen Bürgerkrieg zwischen der äthiopischen Zentralregierung und der „Tigray People’s Liberation Front“ (TPLF) aus. Militärische Unterstützung erhielt die Zentralregierung ausgerechnet vom benachbarten Erzfeind Eritrea, für dessen Regierung Tigray ein historischer Feind ist. Zumindest bis jetzt. 

„Das öffnet Fenster für Streitigkeiten.“

Laut Berichten könnte sich Eritrea mit Tigray-Fraktionen zusammenschließen, um Äthiopien zu destabilisieren. Die Spannungen nehmen zu. Gerade auch, weil sie sich mit dem Bürgerkrieg im Sudan verflechten. Ein Land in Nordostafrika mit Zugang zum Roten Meer. Dort bekämpfen sich seit 2023 die Sudanesischen Streitkräfte (SAF) und die paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces (RSF). Da die SAF ein regionaler Gegner Äthiopiens ist, erhält sie Unterstützung von Eritrea und Kämpfern aus Tigray. Andererseits soll es äthiopische Kämpfer aufseiten der RSF-Miliz geben. Mit Blick auf die Region am Roten Meer spricht Sicherheitsexperte Klemens Fischer von „unübersichtlichen Krisenherden“. 

Rotes Meer: Fehlende Schutzmacht „öffnet Fenster für Streitigkeiten“

In der Region heize ein grenznaher Konflikt den anderen weiter an. Als Grund sieht Fischer das Fehlen von Schutzmächten, unter anderem der USA. „Das öffnet Fenster für Streitigkeiten“, sagt er im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Ungelöste Konflikte würden nun verstärkt aufflammen. Die Kriege sind seiner Ansicht nach voneinander isoliert, beeinflussen sich jedoch gegenseitig. Dass sich aber ein staatenübergreifendes Bündnis etwa zwischen den Rebellengruppen gründet, schließt der Professor von der Universität Köln aus. Eines haben die Konflikte am Roten Meer dennoch gemein: Sie alle haben massive ökonomische Auswirkungen – nicht zuletzt, weil sie die globale Schifffahrt beeinflussen könnten. 

Fischer rechnet nicht damit, dass die Region zur Ruhe kommt – im Gegenteil. Ein weiterer Faktor befeuert die Konflikte zusätzlich: die Klimakrise. Schwindende Ressourcen, Dürren und Überschwemmungen führen zu Ernährungs- und Wasserkrisen. „Immer mehr Menschen werden dort nicht mehr leben können“, sagt er. Ob im Jemen, Sudan oder am Horn von Afrika – die humanitäre Krise spitzt sich zu. Auch in Somalia. Es liegt geografisch gesehen nicht am Roten Meer, bildet aber sozusagen das Eingangstor. Denn der Weg zur Meerenge Bab al-Mandab führt durch den Golf von Aden, entlang der somalischen Küste.

Humanitäre Krise in Somalia: Helferin schlägt Alarm – „kaum noch Reserven“

Im somalischen Dhahar lebt Aisha mit ihren neun Kindern in einem Vertriebenencamp. Ihr Mann wurde von bewaffneten Gruppen getötet. Ihre drei Söhne, elf, neun und sieben Jahre alt, gehen jeden Morgen in die Stadt, um Schuhe zu putzen. Manchmal verdienen sie genug für Reis und ein paar Tomaten. An anderen Tagen kommen sie mit nichts zurück. Aisha selbst trinkt oft nicht, damit ihre Kinder genug haben. Noch erhält die Familie Unterstützung von einem der Gesundheitszentren der Hilfsorganisation CARE. Mitarbeiterin Sarah Easter war vor Ort und traf auf viele Schicksale wie das von Aisha. Laut ihr sind rund 6,5 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. 

Aisha trinkt erst, wenn ihre Kinder versorgt sind. In Somalia spitzt sich die humanitäre Lage zu.

Aisha trinkt erst, wenn ihre Kinder versorgt sind. In Somalia spitzt sich die humanitäre Lage zu. © CARE/Sarah Easter

„Besonders problematisch ist, dass die Menschen kaum noch Reserven haben, um weitere Krisen abzufangen“, sagt CARE-Helferin Easter auf Anfrage unserer Redaktion. Dabei drohen dem Land ab Oktober infolge des Klimaphänomens El Niño schwere Überschwemmungen. Die Camps für Vertriebene in und um die Hauptstadt Mogadischu sind bereits voll, wie sie warnt. Es wird weder Essen noch Wasser verteilt, viele Gesundheitszentren haben geschlossen. Die Kürzungen in der internationalen humanitären Hilfe treffen Somalia besonders stark. Gleichzeitig wächst aber das militärische Interesse an dem Land – etwa bei den USA. Im Machtkampf um das Rote Meer könnte Somalia eine zentrale Rolle spielen. 

Nach Hormus und Bab al-Mandab: Somalia rückt in den Fokus der USA

Laut dem investigativen Nachrichtenportal „Drop Site“ richten die USA eine neue Militärbasis in Bosaso, an der Küste Somalias, ein, um Operationen im Land auszuweiten. „Das Gebiet rückt in den Fokus einer geplanten Militarisierung eines der strategisch wichtigsten Seewege der Welt durch die USA“, heißt es. Zudem wächst das Interesse an dem Hafen von Berbera. Dieser liegt allerdings in Somaliland, in einer seit 1991 de facto unabhängigen Region im Nordwesten Somalias. 2025 erkannte Israel als weltweit ersten UN‑Mitgliedstaat das Gebiet als souveränen Staat an. Strategisch gesehen bringt Somaliland Vorteile im Kampf gegen die jemenitischen Huthi. Daher verwundert es nicht, dass sich auch die Trump-nahe US-Denkfabrik Heritage Foundation dafür ausspricht, dass die USA das abtrünnige Gebiet Somalias anerkennen sollten. 

Präsident von Somaliland, Abdirahman Mohamed Abdullahi, reicht Amtskollegen Donald Trump bereits die Hand. Ein US-Militärstützpunkt ist zum Greifen nahe. Schon heute unterhalten die USA militärische Beziehungen zu Somaliland – nicht zuletzt auch im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS). Die USA haben die Berge im Norden Somalias als Hauptdrehscheibe bezeichnet, von der aus die Terrormiliz ihre weltweiten Operationen steuern soll. Nicht zuletzt macht die weitverbreitete Armut den IS für viele Menschen attraktiv. Ein zusätzlicher Risikofaktor in der Region: die Piraterie. Seit 2025 sind nach Angaben des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) somalische Piraten wieder vermehrt aktiv. (Quelle: eigene Recherche, Gespräche mit Klemens Fischer und Sarah Easter, dropsitenews.com, icc-ccs.org)

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