Dieser Tage gab es am Saarbrücker HIPS gleich zweimal Anlass zur Freude: Ein Erweiterungsbau wurde eingeweiht und bei einem zweiten der Grundstein gelegt. In den Reden wurde deutlich, dass die Kooperation von Uni und HIPS wissenschaftliche Exzellenz verspricht.
Saarbrücken · Dieser Tage gab es am Saarbrücker HIPS gleich zweimal Anlass zur Freude: Ein Erweiterungsbau wurde eingeweiht und bei einem zweiten der Grundstein gelegt. In den Reden wurde deutlich, dass die Kooperation von Uni und HIPS wissenschaftliche Exzellenz verspricht.
20.09.2026 , 20:30 Uhr
Einweihungsfeier und Grundsteinlegung am HIPS – unter anderem mit Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (Bildmitte), HIPS-Direktor Prof. Rolf Müller (rechts von ihr) und HZI-Direktor Josef Penninger (ganz rechts).
Foto: Oliver Dietze/HIPS/Oliver DietzeVon einem „doppelten Meilenstein“ sprach die SPD-Ministerpräsidentin. Und schloss ihre Rede mit dem Hinweis, die Landesregierung hoffe, dass aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen am Saarbrücker HIPS „dann auch Geschäftsmodelle werden“. Auch erinnerte Anke Rehlinger daran, dass die beiden Bauvorhaben zur Erweiterung des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), die dieser Tage am Saarbrücker Uni-Campus mit großem Bahnhof gefeiert wurden, insgesamt mit 89,5 Millionen Euro gefördert werden. 20 Millionen davon vom Bund, der Rest aus Landes- und EU-Mitteln.
In der Rekordzeit von 22 Monaten ist neben dem HIPS-Bestandsgebäude „ein Modulbau für die Ewigkeit“ entstanden, wie Prof. Rolf Müller, der wissenschaftliche Direktor des HIPS, das neue Forschungsgebäude bei unserem Besuch vor eineinhalb Jahren nannte. Was damals noch Baustelle war, ist seit vergangenem März längst im Vollbetrieb. Auf fünf Etagen, drei davon voller Labore, forscht dort maßgeblich das Ehepaar Tanja Gulder (Professur für Organische Chemie) und Tobias Gulder (Professur für Naturstoff-Biotechnologie) mit zwei Arbeitsgruppen, die 45 Doktorandinnen und Doktoranden umfassen.
Man geht wohl nicht zu weit, wenn man sagt, dass dieser HIPS-Erweiterungsbau so für sie entstanden ist. Uni und HIPS wollten beide, die zuletzt in Leipzig und Dresden Lehrstühle innehatten, unbedingt an sich binden. Als im Berufungsverfahren klar wurde, dass das Forscherehepaar nicht bis zur Fertigstellung des zweiten HIPS-Erweiterungsbaus (2029) warten mochte, entstand die Idee zum Modulbau (Kosten: 24,5 Millionen).
Damit erklärt sich dann auch der „doppelte Meilenstein“, von dem die Ministerpräsidentin in ihrem Grußwort sprach: Denn neben dem „Gulder-Bau“, wie man die Ersterweiterung des HIPS etwas salopp nennen könnte, wird vis à vis des Noch-Cispas bis 2029 ein weiteres, noch deutliches größeres Forschungsgebäude entstehen. Dessen Grundsteinlegung fand am vergangenen Donnerstag dann in Anwesenheit der Ministerpräsidentin und ihres Wirtschaftsministers Jürgen Barke gleich auch noch behelfsweise statt.
Beiden dürfte gefallen haben, dass Veronika von Messling, Vorsitzende des HIPS-Aufsichtsrates und Leiterin der Abteilung Gesundheit und Lebenswissenschaften im Bundesforschungsministerium (BMFTR), Saarbrücken als „Ort der Zukunft der pharmazeutischen Forschung“ bezeichnete. Die Kopplung von Universität und HIPS, die sich in der gemeinsamen Plattform „Pharma Science Hub“ manifestiert, nannte von Messling „ein Symbol für Innovation und Vernetzung“. In die gleiche Kerbe schlug der Uni-Vizepräsident für Forschung und gesellschaftliche Verantwortung, Prof. Robert Ernst, der die produktive Wechselwirkung zwischen Uni und HIPS als „eine Blaupause“ dafür bezeichnete, wie man als Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen umgehe. Alleine am Pharma Science Hub seien an den Standorten Saarbrücken und Homburg mittlerweile rund 500 Wissenschaftler in 90 Arbeitsgruppen tätig, überschlug Ernst.
Dass das HIPS gehörig auf Wachstumskurs ist, illustrierte HIPS-Direktor Rolf Müller mit dem Hinweis, dass zuletzt binnen dreier Jahre über das Helmholtz-Institut allein acht Berufungen in drei Uni-Fakultäten erfolgten. Ein Schwerpunkt des von Müller geleiteten Forschungsinstituts liegt dabei auf mikrobiellen Naturstoffen. Müllers Verdienste wurden im Rahmen der Feierstunde Mal um Mal betont. Der eigens aus Braunschweig angereiste Leiter des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), Prof. Josef Penninger, nannte Müller einen „intellektuellen wie auch emotionalen Menschenfänger“. An Leuten, die kluge Ideen haben, sei kein Mangel. Wohl aber fehle es an Leuten, „die sie, so wie Rolf Müller, auch umsetzen können“.
Penninger machte klar, dass die am Saarbrücker HIPS betriebene Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen, die immer mehr Antibiotika wirkungslos werden lassen, absolute Priorität für das Helmholtz-Zentrum hat, unter dessen Dach das HIPS firmiert. Unter den vier zentralen Zielen, die sich das HZI für die kommenden Jahre auf seine Fahnen schreibe, sei das Finden neuer Wirkstoffe (Anti-Infektiva) das dring- und maßgeblichste. Mit den beiden neuen Forschungsgebäuden könne „die Weltklasseforschung am HIPS ihre Wirkung noch stärker entfalten“, befand Penninger. Das gemeinsame Ziel von HZI und HIPS sei es, „der Weltspitze der Infektionsforschung näherzukommen“.
Entsprechend meinte denn auch die Ministerpräsidentin, dass sie HIPS-Direktor Müller „in fast allen meinen Reden erwähne, wenn es um Translation, um Anwendungen geht“. Dass sie, an die Adresse der Vertreterin des Bundesforschungsministeriums gewandt, gleich auch noch die Gelegenheit nutzte, für Saarbrücken als Standort des vom Bund auf den Weg gebrachten KI-Sicherheitsinstituts zu werben, war wieder mal Rehlinger, wie sie leibt und lebt. Auch wenn Veronika von Messling im Bundesforschungsministerium nicht für Cybersicherheit zuständig sei, dürfe sie in den „Abteilungsleiterbesprechungen“ gerne für Saarbrücken als Sitz des neuen KI-Instituts werben, so Rehlinger. „Wir kämpfen hier um jede Chance“, schob Anke Rehlinger nicht ohne Gründe nach.
Derweil hatte Uni-Vizepräsident Ernst ein Herz für zwei Maskottchen: Im Grundstein des künftigen, großen HIPS-Erweiterungsbaus, erwähnt er, werde auch eine Zeitkapsel mit den Maskottchen von Uni und HIPS (Eule und Myxobakterien in Stofftierform) Platz finden. Archäologen wird dies in künftigen Jahrtausenden womöglich vor Rätsel stellen. Robert Ernst blieb gedanklich lieber in der nahen Zukunft, als er süffisant anmerkte, „dass wir in wenigen Jahren dann wieder ein HIPS-Gebäude eröffnen und wieder einen neuen Grundstein legen und immer so fort“. Mit anderen Worten: Mit dem Forschungsausbau am Campus könne es gerne immer so weitergehen. (sas)
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