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Nähe zu Trump: Neue Ethik-Beschwerde gegen Infantino

Дата публикации: 08-09-2026 07:00:06

Die Nichtregierungsorganisation FairSquare hat eine neue Beschwerde gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der Ethikkommission des Fußball-Weltverbands eingereicht. Sie wirft Infantino einen mehrfachen Verstoß gegen den FIFA-Ethikkodex vor.

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FIFA-Präsident Gianni Infantino mit US-Präsident Donald Trump
Nähe zu Trump Neue Beschwerde gegen Infantino bei FIFA-Ethikkommission

Stand: 08.09.2026 • 09:00 Uhr

Die Nichtregierungsorganisation FairSquare hat eine neue Beschwerde gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der Ethikkommission des Fußball-Weltverbands eingereicht. Sie wirft Infantino einen mehrfachen Verstoß gegen den FIFA-Ethikkodex vor, vor allem durch seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump.

In dem Dokument wird vor allem Infantinos Verbindung zu US-Präsident Donald Trump kritisiert. "Das Verhalten von Herrn Infantino gegenüber Präsident Trump stellt einen schwerwiegenden Verstoß gegen seine Pflicht zur politischen Neutralität sowie einen eklatanten Missbrauch der präsidialen Befugnisse dar", heißt es in dem Schreiben, das der Sportschau vorliegt.

Die Organisation zählt dafür mehrere Begründungen auf:

  • Kritisiert wird die Vergabe und die intransparente Form der Ausrufung des FIFA-Friedenspreises, den Infantino Trump im Rahmen der WM-Auslosung im Dezember 2025 überreichte.
  • Seine Neutralitätspflicht habe Infantino auch mit seiner Anwesenheit bei der Vereidigung Trumps zu dessen zweiter Amtszeit gebrochen, so FairSquare. Denn dabei habe Infantino in einem Instagrambeitrag den Wahlkampfslogan "Make America great again" übernommen und gesagt, man wolle zusammen nicht nur Amerika, "sondern die ganze Welt wieder großartig machen".
  • Infantino hatte sich öffentlich für die Vergabe des Friedensnobelpreises an Trump ausgesprochen. Als diese ausblieb, wurde der FIFA-Preis ausgerufen.
  • Infantino wurde zum Teil des "Friedensrates", den Trump ins Leben gerufen hatte. Dieser stellt eine Parallelorganisation zu den Strukturen der Vereinten Nationen dar.

Die FIFA ist für eine Stellungnahme angefragt. Der Weltverband und auch Infantino selbst hatten solche Vorwürfe zu einer Verletzung der politischen Neutralität stets zurückgewiesen und betont, dass ein gutes Verhältnis zum US-Präsidenten wichtig für die reibungslose Ausrichtung der WM 2026 sei.

Weitere Vorwürfe: Die Affäre Balogun und der Investorendeal

Die Beschwerde befasst sich auch mit der vom Disziplinarkomitee der FIFA entgegen aller Gepflogenheiten zur Bewährung ausgesetzten automatischen Sperre gegen den US-Stürmer Folarin Balogun nach dessen Roter Karte während der WM. Trump und Infantino hatten den Eindruck erweckt, dass durch einen Anruf des US-Präsidenten bei Infantino die Entscheidung beeinflusst wurde. Infantino betonte die Unabhängigkeit des Disziplinarkomitees, vor allem aus Europa kam aber Kritik daran auf, dass die Zweifel daran nicht glaubwürdig ausgeräumt seien.

Folarin Balogun

Der geplante und später abgesagte Investorendeal stellt laut FairSquare zudem "einen Missbrauch seines Amtes als FIFA-Präsident" dar, weil Infantino mit seinem Vorgehen "den Interessen der FIFA, der Konföderationen und der Mitgliedsverbände schadete". Infantino wollte die kommerziellen Rechte an den FIFA-Turnieren in eine Tochtergesellschaft überführen und private Investoren aus dem Umfeld der Familie von US-Präsident Donald Trump beteiligen. Infantino betonte, dass das Vorhaben noch nicht beschlossen und nur ein Vorschlag gewesen sei, dessen Umsetzung von einer Zustimmung einer Mehrheit der Nationalverbände und des FIFA-Rats abgehangen hätte.

FairSquare hatte bereits im Dezember 2025 eine Beschwerde bei der FIFA-Ethikkommission eingereicht, außer einer Bestätigung des Eingangs des Schreibens habe es bislang aber keine Reaktion gegeben. Nun gibt es die neue Beschwerde. Die Ethikkommission müsse "nicht nur handeln, sondern auch erkennbar mit der gebotenen Eile, Transparenz und Sorgfalt vorgehen", schreibt FairSquare, das zuvor vergeblich auch bei der Ethikkomission des IOC eine ähnliche Beschwerde eingereicht hatte. Infantino ist IOC-Mitglied, das Gremium verwies aber auf eine Zuständigkeit der FIFA.

100.000 Menschen unterstützen Kampagne für FIFA-Neustart

Die Organisation betonte "die öffentliche und politische Besorgnis hinsichtlich der in dieser Beschwerde angesprochenen Themen". Der norwegische Fußballverband sowie 50 Abgeordnete des Europäischen Parlaments hatten die Ethikkommission bereits zum Handeln aufgefordert. Im Juli schickte der Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses Infantino eine Vorladung, auch dort geht es um Bedenken hinsichtlich seiner Verbindungen zu Trump.

FairSquare organisiert zurzeit die Kampagne "Reboot FIFA" ("Neustart FIFA"). Der Organisation zufolge haben sich mehr als 100.000 Personen der Kampagne angeschlossen, rund ein Drittel davon komme aus Deutschland. "Das ist ein deutlicher Beleg für die wachsende öffentliche Besorgnis."

FIFA bekräftigt: Infantino wird zur Wahl antreten

Infantino steht seit dem geplatzten Investorendeal in der Kritik. Die UEFA leitete zuletzt rechtliche Schritte gegen Infantino ein, die FIFA nannte das in einer Reaktion eine "Verleumdungskampagne".

FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) und UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

Zahlreiche Verbände, vor allem in Europa, entzogen Infantino das Vertrauen für eine Wiederwahl, zuletzt sprach sich Italien öffentlich gegen Infantino aus, am Montag kam Belgiens Verband hinzu. Die UEFA drängt auf Infantinos Rückzug. Doch bislang gibt es weder eine weltweit mehrheitliche Front gegen Infantino noch einen Gegenkandidaten. Immer wieder gehandelt: der kanadische Verbandschef Victor Montagliani, der aber bislang keine Kandidatur bestätigte.

FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) mit CONCACAF-Präsident Victor Montagliani

Für eine Kandidatur braucht es die offizielle Unterstützung von fünf Nationalverbänden, die Frist für eine Nominierung läuft am 18. November ab. Am 18. März findet die Wahl beim FIFA-Kongress in Rabat/Marokko statt. Die FIFA betonte am Wochenende, dass Infantino weiterhin zu Wahl stehe, seit Bekanntgabe seiner Kandidatur im April habe sich "nichts geändert".

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