Das Spiel Sion-FCZ von morgen Samstag wird vorverschoben. Betroffen vom Extrazug-Knatsch wird auch Lugano-Luzern am 10. Oktober sein. Die Hintergründe.
Machtwort der Stadt Sion und der Walliser Kantonspolizei: Um zu verhindern, dass die Fans des FC Zürich die Nacht in Sion verbringen, haben die Behörden die Swiss Football League angewiesen, das Spiel zwischen Sion und dem FCZ schon um 18 Uhr statt wie geplant um 20.30 Uhr anzupfeifen. So können die in hoher Anzahl erwarteten FCZ-Fans nach Spielschluss die Heimreise mit einem Regelzug antreten.
Die «Südkurve», Dachorganisation der FCZ-Hardcorefans, hat angekündigt, nach dem Spiel nicht zurück nach Zürich reisen zu wollen. Ob sie nun einknicken und sich in einen Regelzug setzen werden, wird sich zeigen. Ebenso allfällige Massnahmen der Sicherheitskräfte, sollten die FCZ-Fans tatsächlich die Heimreise verweigern.
Das Thema «Extrazug» wird die SBB, die Behörden und die Fussballklubs noch ein Weilchen beschäftigen.Die Liga schreibt: «Der FC Zürich hatte aufgrund der fehlenden Rückreisemöglichkeit bereits vor einigen Tagen bei der SFL eine Vorverschiebung der Partie beantragt. Die SFL nahm daraufhin umgehend Kontakt mit den Walliser Behörden auf, um abzuklären, ob aus deren Sicht eine Anpassung der Anspielzeit notwendig ist. Die Behörden sahen zunächst keinen Anlass für eine Änderung.»
Eine Spitze in Richtung der Walliser Behörden kann sich die Liga nicht verkneifen: «Eine frühere verbindliche Beurteilung hätte allen Beteiligten die Planung erleichtert. Die SFL bedankt sich ausdrücklich bei allen Beteiligten, dass sie nun die kurzfristige Anpassung ermöglichen.»
Der FCZ erinnert noch einmal daran: «Wir hatten bereits am 8. September 2026 bei der SFL eine Vorverschiebung der Partie beantragt. Der Antrag wurde zunächst mit dem Verweis abgelehnt, dass nur eine behördliche Anordnung eine solche Verschiebung möglich macht.» Weiter äussern möchte sich der Verein nicht. Die Genugtuung darüber, dass trotzdem noch Bewegung in die Sache kam, ist aber zwischen den Zeilen und in Gesprächen deutlich zu spüren.
TV-Sender sauer wegen VerschiebungenEs ist nach Lugano - YB am vergangenen Wochenende die zweite Verschiebung des Samstagabend-Spiels um 20.30 Uhr. Das Schweizer Fernsehen SRF und der Pay-TV-Sender «Blue» sind alles andere als erfreut über die kurzfristigen Verschiebungen. Und werden als Rechteinhaber bei der Liga mit Vehemenz auf eine nachhaltige Lösung in der Angelegenheit pochen.
SRF schreibt auf Anfrage von «Schweiz heute»: «Wir nehmen den Entscheid zur Verschiebung der Partie zwischen dem FC Sion und dem FC Zürich zur Kenntnis. Die kurzfristige Vorverschiebung ist sowohl für uns als auch für unser Publikum eine Herausforderung. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer orientieren sich bei ihrer Planung an der kommunizierten und grundsätzlich fixen Anspielzeit um 20.30 Uhr, weshalb kurzfristige Änderungen zu einer geringeren Reichweite führen können. Dank der Flexibilität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten wir die notwendigen Anpassungen vornehmen und können unserem Publikum das Spiel ab 17.40 Uhr live auf SRF zwei zeigen.»
Dass nun am Samstag mit Sion-FCZ, Luzern-GC und YB-Servette alle drei Spiele um 18 Uhr angepfiffen werden, ist vor allem für «Blue» ärgerlich. Die Exklusivität um 18 Uhr ist dahin. Bereits zum zweiten Mal in Serie. «Wir möchten die Angelegenheit nicht weiter kommentieren», heisst es auf Anfrage.
SBB will, dass Klubs Charter-Züge buchenDie Hauptrolle im Spielplan-Chaos und Extrazug-Knatsch spielt die SBB. Der Hintergrund: Die Bundesbahnen bieten seit dieser Saison keine Extrazüge mehr an für Auswärtsfans, wenn die Rückfahrt ausserhalb der Fahrplanzeiten stattfindet. Das ist meistens dann der Fall, wenn sich am Samstagabend um 20.30 Uhr Teams aus weit entfernten Landesteilen duellieren.
Mit dieser Massnahme möchten die SBB Druck erzeugen. Ziel ist es, dass künftig Fussballklubs die Extrazüge chartern müssen. Letzte Woche enthüllte «Schweiz heute» den Preis eines solchen Charterzugs: Zwischen 30'000 und 35'000 Franken müssen gerechnet werden für 1000 Personen. Doch das Problem für die Vereine sind nicht die 30 bis 35 Franken, die pro Fan fällig wären. Sondern, dass der Auftragnehmer zusätzlich die gesamte Haftung übernehmen muss.
Die Spielverschiebung zwischen Sion und dem FCZ kommentiert die SBB gegenüber «Schweiz heute» so: «Die Vorverlegung der Partie auf 18 Uhr schafft für die Rückreise mehr zeitlichen Spielraum. An den baustellenbedingten Einschränkungen ändert sie jedoch nichts. Aufgrund von Bauarbeiten, die während des ganzen Wochenendes andauern, kann die SBB für diese Partie keinen Fanzug einsetzen. Die SBB setzt sich dafür ein, dass An- und Rückreise im Rahmen vom Regelverkehr sicher und mit möglichst wenig Auswirkungen auf andere Kundinnen und Kunden erfolgen kann. So wird das Sitzplatzangebot bei einzelnen Zügen erweitert (zusätzliche Wagen oder Züge mit mehr Kapazität) sowie Platzreservationen vorgenommen.»
Das nächste Drama am 10. Oktober?Nach dem Spieltag von diesem Wochenende folgt die Länderspielpause. Die Super League nimmt ihren Betrieb erst wieder am Wochenende vom 10./11. Oktober auf. Doch dann droht bereits das nächste Drama. Angesetzt auf Samstagabend 20.30 Uhr ist die Partie Lugano-Luzern. Stand heute gibt es auch da keinen Extrazug für die Luzerner Fans. Man braucht kein Hellseher zu sein: Die Tessiner Behörden werden die Partie nicht bewilligen. Heisst: Es wird erneut eine Verschiebung geben - oder das TV-Spiel wird abgetauscht.