„Ozapft is“, heißt es an diesem Wochenende nicht nur für Millionen Oktoberfestbesucher, sondern insbesondere für einen kleinen Kreis Münchner Brauereien. Gefeiert wird wie eh und je, auch wenn der Biermarkt seit Langem lahmt. Unerschrocken schenken die Festbrauereien ihr Bier aus – wer sie sind und wem sie gehören.
Volle Hütte: Auf dem Oktoberfest fließen über sechs Millionen Liter Bier in durstige Kehlen
Foto: ALEXANDRA BEIER/ REUTERSDie Zeiten für Bierbrauer sind nicht gerade rosig. Der Bierkonsum ist 2025 so stark eingebrochen wie lange nicht. Nun droht auch noch eine Zuckersteuer auf Mischgetränke, die deutsche Brauereien zusätzlich belasten dürfte. Wie gut, dass es das Münchner Oktoberfest gibt, sagt Andreas Maisberger, Hauptgeschäftsführer vom Verein Münchner Brauereien dem manager magazin: „Die Wiesn ist die weltweit sichtbarste Bühne für Münchner Bier und damit ein ganz wichtiger Teil unserer gemeinsamen Identität und Tradition“. Immerhin geht das Fest auf die Hochzeitsfeierlichkeiten von Kronprinz Ludwig – dem späteren König Ludwig I. – und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Jahr 1810 zurück. Schon damals wurde ausgelassen gefeiert, insgesamt 232 Hektoliter Bier (= 23.200 Liter) sollen damals ausgeschenkt worden sein.
Gut zwei Jahrhunderte später ist von ganz anderen Mengen die Rede: 2025 waren es 6,71 Millionen Liter Bier, die die rund 6,5 Millionen Besucher vertilgten. Das sind eine Menge Badewannen voll, aber es ist auch weit entfernt von den Trinkgelagen 2011, dem Rekordjahr. Damals wurden sogar 7,92 Millionen Liter Bier getrunken.
Tatsächlich ist die Stimmung im Biermarkt in Deutschland seit Jahren gedämpft. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist von rund 150 Litern in den 70er-Jahren auf weniger als 90 Liter im Jahr 2025 gesunken. Seit 2019 machten bereits 137 Brauereien dicht. Zugleich hat sich die gesellschaftliche Toleranz von Alkohol grundlegend verändert. Allein 2025 ist der Bierabsatz in Deutschland um 6 Prozent zurückgegangen.
„Eine dauerhaft sinkende Nachfrage trifft auf stark gestiegene Kosten und einen intensiven Preisdruck im Handel“, beschreibt Fabian Huhle, Senior Partner bei Roland Berger, die Situation der Bierbrauer. Und die Aussichten für dieses Jahr sind nicht viel besser: Im ersten Halbjahr 2026 sank der Absatz alkoholhaltigen Biers im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutschlandweit bereits um 2,2 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Liter . Einziger Lichtblick: Der WM-Monat Juni verbuchte ein Absatzplus von 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Doch Huhle sieht das kritisch: „Rabatte von bis zu 44 Prozent im Umfeld der Fußballweltmeisterschaft 2026 machen mühsam durchgesetzte Preiserhöhungen teilweise wieder zunichte.“
Neben steigenden Kosten, Preisdruck und nachlassender Nachfrage droht den Brauereien nun auch noch ab 2027 eine Zuckersteuer, die auch auf alkoholfreies Bier, Biermischgetränke und Fassbrause erhoben werden könnte. Das dürfte zahlreiche Unternehmen belasten, manche besonders stark. Denn längst sind nicht alle Brauereien beim „einfachen“ Bier geblieben. Alkoholfreie Varianten sind seit Jahren auf dem Markt und machen inzwischen mehr als 10 Prozent im Handel aus. Gleichzeitig haben einige Brauereien Softdrinks und Erfrischungsgetränke ins Angebot aufgenommen. Die Zuckersteuer könne diese Ausweichstrategien zusätzlich belasten, sagt Huhle. Die Lage bleibt angespannt, schon vier Insolvenzen zählt das Jahr 2026. „Sie sind das sichtbare Ergebnis der Ertragsfalle“, so der Roland-Berger-Experte.
Auch Bayerns Brauereien kämpfen mit der schwierigsten Lage seit Jahrzehnten . „Die Einbußen im Jahr 2025 waren noch höher als während der Coronapandemie“, beklagte Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauerbundes, Anfang des Jahres. Angesichts des Konsumrückgangs und der drohenden Steuer sei nun eine klare Positionierung entscheidend, sagt Huhle. „In einem Verdrängungsmarkt haben vor allem Brauereien gute Chancen, die entweder konsequent Kostenführerschaft anstreben oder sich als starke Premiummarke profilieren.“ Aber viele kriselnde Brauereien hätten zentrale Konsumtrends zu spät erkannt oder nicht konsequent genug beantwortet, so der Experte.
Auf dem Oktoberfest merkt man die Konsumveränderung ebenfalls. Der Bierabsatz sank von 2024 auf 2025 von 6,96 auf 6,71 Millionen Liter Bier. Alkoholfreies Bier gibt es auch, aber „der Anteil alkoholfreien Biers liegt derzeit um 5 Prozent des Bierabsatzes“, berichtet Maisberger. Der Preis für eine Maß liegt inzwischen bei bis zu 15,90 Euro. Gleichwohl wird Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (36) wie immer unter dem Jubel der Zuschauer das weltweit beachtete Bierfest eröffnen. Die sechs zugelassenen Brauereien setzen auf eben diese Strahlkraft, auch wenn der Oktoberfest-Umsatz meist nur einen geringen Anteil des Jahresumsatzes ausmacht. Neue Brauereibewerber, die ebenfalls vom Glanz etwas abhaben möchten, haben bisher schlechte Karten. Dabei gab es früher auch schon mal mehr Brauereien, die das Oktoberfest beliefern durften. 1825 waren zum Beispiel 18 Münchner Bierwirte auf dem Fest zugelassen , die ihr Bier auch von Brauereien außerhalb Münchens beziehen durften. 1907 ersetzten sechs Festhallen die Wirtsbuden, und nach dem Ersten Weltkrieg waren wiederum neun Brauereien aus München bei der Wiesn zugelassen. Deren Zahl wurde schließlich 1952 auf sechs begrenzt und seitdem wurde an der Zahl nicht mehr gerüttelt.
Feierstunde: Die Augustiner Festhalle umfasst etwa 6000 Innenplätze
Foto: Alexander Hassenstein/ Getty ImagesDie Anfänge der Augustiner-Bräu Wagner KG gehen auf das 14. Jahrhundert zurück, als Augustinermönche die Brauerei offiziell gründeten. 1803 im Zuge der Säkularisierung wurde sie privatisiert und gelangte schließlich 1829 in der Hände der Familie Wagner. 1996 vermachte die Nachfahrin Edith Haberland-Wagner, die die Brauerei zeitweise auch geführt hatte, ihre Anteile an die von ihr gegründete Stiftung. Seither hält die Stiftung rund 51 Prozent an der Brauerei , die restlichen Anteile verteilen sich auf weitere Erben der Familie Inselkammer.
In der heutigen Braustätte im Stadtteil Schwanthalerhöhe/Westend wird seit 1884 gebraut. Seit wann die Brauerei auf dem Oktoberfest ausschenkt, ist nicht bekannt, aber es soll eine Abbildung aus dem Jahr 1867 vom Oktoberfest mit Ausschank geben, heißt es auf der Firmenwebsite. 1903 war Augustiner schließlich erstmals mit seiner sogenannten Bierburg auf dem Oktoberfest vertreten. Seit 1953 schenkt Augustiner die Oktoberfestsorte „Wiesn-Edelstoff“ aus. Die Augustiner Festhalle umfasst etwa 6000 Innenplätze und 2500 Außenplätze.
Die beiden Biermarken Paulaner und Hacker-Pschorr sind schon lange auf dem Oktoberfest vertreten. Seit 1979 gehören sie zum gleichen Unternehmen: der jetzigen Paulaner Brauerei Gruppe.
Der Name der Paulaner Brauerei geht auf Mönche des Paulanerordens zurück, die ab 1516 im Kloster Neudeck ob der Au in München Bier brauten. Als offizielles Gründungsjahr der Paulaner Brauerei gilt jedoch das Jahr 1634. Eine Brauerei an der Stelle des heutigen „Alten Hackerhauses“ wurde 1417 erstmals urkundlich erwähnt. Die Familie Pschorr stieg im Jahr 1797 ins Brauereigeschäft ein, nachdem Josef Pschorr die Tochter des Braumeisters Hacker geheiratet hatte und später die Braustätte abkaufte . Die Basis für Hacker-Pschorr war gelegt. Doch in der Erbfolge wurden beide Biermarken wieder getrennt und fanden erst 1972 im Zuge einer Fusion wieder zusammen.
1979 übernahm die Münchner Familie Schörghuber die Mehrheit an der Paulaner Brauerei und auch an Hacker-Pschorr. An der Paulaner Brauerei Gruppe ist auch Brauriese Heineken beteiligt. Die Familie Schörghuber hält rund 70 Prozent der Anteile und Heineken 30 Prozent. Neben dem Namensgeber gehört auch die Marke Hacker-Pschorr zur Gruppe.
Anders als viele andere Brauereien scheint die Paulaner Brauerei Gruppe gut durch die „Bierkrise“ zu kommen. Das Münchner Unternehmen steigerte seinen Absatz laut „Lebensmittelzeitung“ im vergangenen Jahr um 13,8 Prozent auf 7,9 Millionen Hektoliter . Wachstumstreiber sind dabei Hellbiere und vor allem alkoholfreie Getränke rund um die Marke Paulaner Spezi. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verkaufte die Münchner Braugruppe erstmals mehr Spezi , Orangen- und Zitronenlimonaden sowie Cola unter der Marke Paulaner als Weißbier oder Helles.
Biergenuss: Löwenbräus Stunde auf dem Oktoberfest
Foto: Wolfgang Maria Weber / IMAGOLöwenbräu und Spaten blicken auf eine lange Geschichte zurück. Die Anfänge von Spaten datieren auf 1397, von Löwenbräu auf 1524. Erstmals offiziell erwähnt wurde Löwenbräu erst 1746/47. 1872 verkaufte Familie Brey das Unternehmen und Löwenbräu firmierte von da ab als Aktiengesellschaft. Am Stiglmaierplatz entstand das noch heute bestehende Aushängeschild: der Löwenbräukeller. 1997 fusionierten Löwenbräu und Spaten-Franziskaner-Bräu. 2003 gab die Spaten-Löwenbräu-Gruppe bekannt, vom belgischen Braukonzern Interbrew übernommen zu werden, dem späteren Weltkonzern InBev.
Der Name der Biermarke Spaten gründet sich auf die Familie Spatt, der von 1622 bis1704 die Brauerei gehörte. 1807 übernahm schließlich der königliche Hofbräumeister Gabriel Sedlmayr die Spaten Brauerei, die 1922 mit der Franziskaner Brauerei fusionierte. Zu AB InBev gehören neben Franziskaner, Spaten und Löwenbräu auch die Marken Beck’s, Diebels Alt, Haake-Beck, Hasseröder sowie noch zahlreiche andere Marken wie Corona, Budweiser und Leffe.
Im Geschäftsjahr 2025 steigerte Ab InBev trotz rückläufiger Nachfrage seinen Gewinn. Der Bierabsatz sank um 2,6 Prozent. Der Umsatz lag mit einem Minus von einem Prozent bei rund 59,3 Milliarden Dollar. Der Überschuss betrug rund 5,7 Milliarden Euro . Der Schuldenberg, der vor allem durch große Übernahmen entstand, belief sich zuletzt auf 62,16 Milliarden Euro. 2034 sollen für Löwenbräu-Spaten die aktuellen Pachtverträge für die Münchner Brauereien auslaufen. Wie der SPIEGEL und das manager magazin berichteten, könnten die beiden Unternehmen bei einem Umzug den Zugang zu Münchner Wasser und damit ihre Zulassung fürs Oktoberfest verlieren.
Hoffnung auf Strahlkraft der Bilder: Das Staatliche Hofbräuhaus feiert die Tradition
Foto: Felix Hörhager / dpaDas Staatliche Hofbräuhaus ist mit dem zweitgrößten Zelt auf dem Oktoberfest eine Institution. 10.000 Gäste haben im Festzelt Platz. 2027 soll ein neues Zelt aufgestellt werden, geräumiger, schneller im Auf- und Abbau, aber mit der gleichen Anzahl an Plätzen. Die Brauerei mit seiner Marke HB wurde ursprünglich vom bayerischen Herzog Wilhelm V. gegründet. 1589 zog der erste Braumeister ein und versorgte den bayerischen Adelshof mit Bier. 1806 wurde die Brauerei „königliches Hofbräuhaus“. 1852 übergab schließlich Maximilian II. das Hofbräuhaus an den bayerischen Staat, die Umbenennung in Staatliches Hofbräuhaus erfolgte jedoch erst 1939. Der Gesamtumsatz des Staatlichen Hofbräuhauses soll 2024 bei 57,1 Millionen Euro gelegen haben, darin soll auch das gesamte operative Geschäft der Brauerei enthalten sein, inklusive des Bierexports und der Franchiselizenzen.
Anders als die Brauerei werden die Gastwirtsstätten in München und der ganzen Welt von unterschiedlichen Franchisenehmern bewirtschaftet. Die Gastwirtschaft Hofbräuhaus am Platzl in München wird beispielsweise von Familie Sperger verantwortet. Sie galt 2023 mit einem Umsatz von 17,8 Millionen Euro als die umsatzstärkste Gaststätte Deutschlands. Das Oktoberfestzelt wird hingegen von Familie Steinberg betrieben, genauso wie der Hofbräukeller am Wiener Platz.
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