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Hausärzte fordern Krankenkassen zum Sparen auf

Дата публикации: 20-03-2026 12:47:00

Das Gesundheitssystem steht unter massivem Spardruck. Hausärzte, Sozialverbände verweisen auf die Vielzahl von Krankenkassen und deren teure Verwaltungen. Vertreter der Kassen stellen ihre Zahlen dagegen.

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Versichertenkarten: »Unnötige Doppelstrukturen«
Versichertenkarten: »Unnötige Doppelstrukturen«

Versichertenkarten: »Unnötige Doppelstrukturen«

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

In der Debatte über die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherungen stellen Hausärzte und Sozialverbände die Zahl der Versicherungen infrage. Der GKV-Spitzenverband weist die Forderung zurück. Die Zahl der Kassen sei bereits stark gesunken, die Verwaltung schlank und obendrein seien die Kosten geringer als in der privaten Krankenversicherung, kontert der Verband.

»Die Krankenkassen können ja mal ihre Mitglieder fragen, wofür sie ihre Beiträge lieber zahlen: dafür, dass sie auch in Zukunft noch eine Hausarztpraxis finden, oder dafür, 90 Kassen zu finanzieren«, sagte der Chef des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, der »Rheinischen Post«. »Es wird Zeit, dass die Kassen endlich den Rotstift bei sich selbst ansetzen, statt immer nur bei der Versorgung ihrer Versicherten«, argumentierte Blumenthal-Beier. Mittelfristig müssten die Kassen ihre Verwaltungskosten »dringend halbieren«.

Unterstützung von Sozialverbänden

Ähnlich sehen es große Sozialverbände. Die Präsidentin des Verbandes VdK, Verena Bentele sagte der »Rheinischen Post«: »Es ist nicht mehr vermittelbar, dass wir uns in Deutschland ein System aus über 90 gesetzlichen Krankenkassen leisten.« Diese Kleinteiligkeit schaffe unnötige Doppelstrukturen und binde erhebliche Beitragsmittel in der Verwaltung. Hier gehe es um Milliardenbeträge, die direkt in die Versorgung der Patientinnen und Patienten fließen sollten.

»Die Krankenkassen können ja mal ihre Mitglieder fragen, wofür sie ihre Beiträge lieber zahlen: Dafür, dass sie auch in Zukunft noch eine Hausarztpraxis finden, oder dafür, 90 Kassen zu finanzieren«

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) mahnte ebenfalls, die Verwaltungsstruktur der gesetzlichen Krankenversicherung sei kritisch zu hinterfragen. Dazu gehöre die Frage, ob eine Vielzahl von Krankenkassen mit eigenen Verwaltungen noch zeitgemäß ist, erklärte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Sie sieht aber auch die Politik gefragt und forderte einen dynamisierten Bundeszuschuss, eine gerechtere Beteiligung hoher Einkommen und einen fairen Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung sowie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel auf sieben Prozent.

Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, riet den Kassen in der »Rheinischen Post«, »von sich aus verstärkt Synergien zu suchen, Kooperationen auszubauen und Zusammenschlüsse einzuleiten – bevor der Gesetzgeber handeln muss«.

Kassenvertreter wehren sich

Nach Angaben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gibt es derzeit 93 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland. Das sind deutlich weniger als noch vor einigen Jahrzehnten: Im Jahr 1970 etwa lag die Zahl noch bei 1815. Zur Jahrtausendwende waren es noch 420 gesetzliche Krankenversicherungen.

Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, betonte: »Selbstverständlich müssen auch wir immer wieder hinterfragen, wo wir besser und effizienter arbeiten können. Weil wir das machen, sind die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen insgesamt wirklich günstig.« Während bei den gesetzlichen Krankenkassen pro Euro vier Cent für Verwaltung ausgegeben würden, seien es bei der privaten Krankenversicherung rund zehn Cent.

Während überall im Gesundheitssystem die Kosten gestiegen seien, sei der Anteil der Verwaltungskosten der GKV rückläufig, betont der Spitzenverband. »Stand heute sind die gesetzlichen Krankenkassen das gute Beispiel dafür, wie Versorgung und Verwaltung schlank organisiert werden«, erklärte Blatt. Er verwies zudem darauf, dass für das Jahr 2026 mit dem Sparpaket aus dem Herbst 2025 bereits ein Verwaltungskostendeckel für die gesetzlichen Krankenkassen eingeführt worden sei, der 100 Millionen Euro einspart.

Dem Vorwurf der schlechten Kosteneffizienz widerspricht der Spitzenverband der Privaten Krankenkassen jedoch energisch. Nach dessen Berechnungen liegen die Verwaltungskosten der PKV sogar deutlich niedriger als die der GKV. Allerdings sei ein Vergleich ohnehin wenig sinnvoll, weil diese Kosten unterschiedliche Positionen enthielten.

Ausgaben steigen stärker als Einnahmen

Die GKV machte zugleich deutlich, dass der Personalbestand der gesetzlichen Krankenkassen zwischen 2004 und 2024 um 3,1 Prozent auf 132.250 gesunken sei. Im gleichen Zeitraum sei die Anzahl der Versicherten um 5,4 Prozent oder rund 3,8 Millionen auf rund 74,6 Millionen gestiegen. »Die Beratung unserer 75 Millionen Versicherten bleibt die Kernaufgabe der Verwaltung, ob am Telefon, vor Ort in der Geschäftsstelle oder Online. Wir sind für unsere Versicherten da und wollen das auch bleiben«, unterstrich Blatt.

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Die gesetzlichen Krankenkassen hatten im vergangenen Jahr nach einer Welle von Beitragserhöhungen zwar einen Überschuss verbucht. Allerdings waren auch ihre Ausgaben stark gestiegen, wie das Bundesgesundheitsministerium kürzlich mitteilte. Nach Angaben von Ministerin Nina Warken (CDU) steigen die Ausgaben seit 2024 wesentlich stärker als die Einnahmen. Kostentreiber sind demnach Klinikbehandlungen, Ausgaben für Arzneimittel und Praxisbehandlungen.

Ein von Warken eingesetztes Expertengremium soll bis Ende März Vorschläge zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen vorlegen. Bis zum Jahresende sollen weitergehende Reformvorschläge folgen. Hintergrund ist eine für 2027 erwartete Finanzlücke im zweistelligen Milliardenbereich.

Anmerkung der Redaktion: Beim Thema Verwaltungskosten verweist der GKV-Spitzenverband auf die schlechtere Kosteneffizienz der Privaten mit Hinweis auf »deutlich höhere Verwaltungskosten«. Dem widerspricht jedoch der Spitzenverband der Privaten Krankenkassen. Grundsätzlich ist dieser Kostenblock jedoch kaum objektiv zu beziffern, da unterschiedliche Faktoren eingerechnet werden. Der Vollständigkeit halber haben wir die Stellungnahme des PKV-Spitzenverbands ergänzt.

mik/dpa-AFX

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