Finanzfluss trifft Meta vor Gericht, Check24 rüstet sich gegen die KI-Konkurrenz, Scalable-Chef Erik Podzuweit warnt vor überschwänglicher Börseneuphorie und Apple hat eine neue Funktion für Geizhälse: das und vieles mehr in unserem wöchentlichen Newsletter „Finance Forward“.
Liebe Leserin, lieber Leser,
vor dem Landgericht Frankfurt wird heute ab 12 Uhr eine wichtige Frage verhandelt: Macht Meta genug gegen betrügerische Finanzabzocker? Fake-Doppelgänger großer Finfluencer locken Nutzerinnen und Nutzer auf Instagram, Facebook und WhatsApp in Abzockfallen. Die Masche ist abgebrüht, der Schaden erheblich und die Reaktion des Mutterkonzerns Meta bislang eher gemächlich. Thomas Kehl (36), Gründer des YouTube-Imperiums Finanzfluss und selbst Opfer solcher Fakes, hat den US-Konzern deshalb verklagt (Aktenzeichen 2-06 O 234/25). „Meine Hoffnung ist, dass das Gericht Meta verpflichtet, künftige Fake-Inhalte vorsorglich zu filtern, damit wir nicht länger reaktiv hinterherlaufen und dann ignoriert werden“, sagte er uns vor dem Prozessauftakt. Hier könnt ihr die ganze Vorgeschichte noch mal nachlesen . Ein schnelles Urteil ist wohl eher nicht zu erwarten, wie ich gehört habe. Wir bleiben dran!
Unsere Themen heute:
Topstory: Wie Check24 die KI-Angreifer abwehren will.
Podcast: Erik Podzuweit von Scalable Capital.
Krimi: Belgische Behörden ermitteln gegen Wise.
Topstory: Der Vergleichssieger bei Check24? Check24!
Allesanbieter: Check24 drängt mit eigenen Produkten in immer mehr Märkte
Foto:Illustration: Ari Liloan / Roar Agency / manager magazin
Eine Topplatzierung bei Check24 ist bei Banken wohl ähnlich begehrt wie die Champions-League-Ränge im Fußball: Wer bei Deutschlands mächtigstem Vergleichsportal ganz oben steht, hat Ruhm und vor allem Neukunden sicher. Blöd nur für N26, Revolut und Co., dass Check24 einen der Spitzenplätze an sich selbst vergibt. Auf Rang zwei des wichtigen Girokontenvergleichs landet nämlich die Bank aus dem eigenen Reich: C24 (Kontonote „sehr gut“). Geht es da mit rechten Dingen zu? Mein Kollege Caspar Schlenk hat jedenfalls ein Muster festgestellt. „Statt nur Angebote Dritter zu vergleichen, platziert Check24 zunehmend eigene Anbieter in den Ergebnissen“, schreibt er. Etwa auch bei Stromanbietern – dort hat Check24 kürzlich sogar zugekauft. Das gefürchtete Digitalunternehmen möchte so offenbar auch KI-Alleskönner wie ChatGPT auf Abstand halten. Wie das Playbook genau funktionieren soll, erfahrt Ihr hier.
Podcast: Der Scalable-Chef warnt vor der Börseneuphorie
Bleibt trotz Börsenboom skeptisch: Erik Podzuweit, Chef des Münchner Neobrokers Scalable Capital
[M] manager magazin, Victor Heekeren
Eigentlich ist es gerade eine gute Zeit für Aktien-Apps: Die Höhenflüge an der Börse heben die Laune vieler Anleger, dazu wecken die anstehenden Blockbuster-IPOs von SpaceX, OpenAI und Anthropic neue Euphorie. Erik Podzuweit (45), Gründer des Münchner Neobrokers Scalable Capital, blickt trotzdem mit Sorge auf die Märkte. Die Lage sei „fast zu gut, um wahr zu sein“, sagt er im Podcast-Gespräch mit meinem Kollegen Caspar Schlenk. Er erzählt, woher seine Bedenken rühren, wie er die Deutschlandexpansion der US-Großbank JP Morgan Chase sieht und was er von der Kritik an Eltif-Produkten hält, die Beteiligungen an nicht börsennotierten Firmen ermöglichen. Aber hört es Euch am besten selbst an.
Köpfe: Kristo Käärmann ++ Nik Storonsky ++ Alexandros Bottenbruch ++ Teddy Teclebrhan ++ Kai Möller ++ Markus Braun ++ Michael Saylor
Da jubelt er noch: Wise-Chef Kristo Käärmann (über dem S) beim Listing an der New Yorker Börse vor gut zwei Wochen
Foto: Brendan McDermid / REUTERSKristo Käärmann (45), CEO und Mitgründer des Überweisungsdiensts Wise, hat Ärger mit der Staatsanwaltschaft in Brüssel. Die ermittelt jetzt wegen des Verdachts der Geldwäsche. Der Aktienkurs des Londoner Fintechs sackte nach Bekanntwerden am Montag um gut 20 Prozent ab. Meine Kollegen vom SPIEGEL haben die Hintergründe des Krimis recherchiert – sehr lesenswert!
Nik Storonsky (41), CEO und Gründer von Revolut, erhält als erster Neobanker die Auszeichnung als „European Banker of the Year“. Der Gewinner wird seit 22 Jahren von einer Jury aus Finanzjournalisten gewählt, zu der auch meine Kollegin Katharina Slodzcyk gehört. Bisher ging die Auszeichnung jedoch stets an etablierte Häuser wie die UBS, GLS oder DZ Bank.
Alexandros Bottenbruch, Partner bei PayPal Ventures, verlässt den Investmentarm des Zahlungsriesen. In Deutschland war er unter anderem für die Beteiligung an Finanzguru verantwortlich. Was als Nächstes kommt? „Meine eigene unternehmerische Reise“, schrieb er auf LinkedIn. Wir sind gespannt.
Tedros „Teddy“ Teclebrhan (42), deutscher Comedian, macht jetzt Werbung für das Wallet von PayPal. Gute Wahl: Zu lachen gab es bei den Amerikanern zuletzt ja eher weniger, nachdem die Zahlen dürftig ausfielen und der CEO gehen musste.
Kai Möller, Professor für Menschenrechte an der London School of Economics and Political Science, hält die seit sechs Jahren andauernde Untersuchungshaft des Ex-Wirecard-CEOs Markus Braun (56) für rechtswidrig. Zusammen mit dessen Anwälten hat er eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht, wie er in einem Meinungsbeitrag in der „FT“ darlegt. Dass Braun auch selbst den Prozess mit seiner Verteidigungsstrategie in die Länge zieht, hatten wir übrigens hier analysiert.
Michael Saylor (61), Bitcoin-Prediger vor dem Herrn, hat das oberste Gebot seiner Kryptofirma Strategy gebrochen: Never sell. Jetzt hat er es allerdings doch gemacht und 32 Bitcoins im Wert von 2,5 Millionen Dollar verkauft – das erste Mal seit dem Kryptowinter 2022. Das Signal an die Branche? Warm anziehen.
Margin Call: Apple und die Pfennigfuchser
Die Rechnung, bitte! Apple-Chef Tim Cook bei der Vorstellung der Apple Card im Jahr 2019
Foto: NOAH BERGER/ AFPGute Nachrichten für Pfennigfuchser: Apple stellt kommende Woche auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC wohl eine neue Wallet-Funktion vor, mit der sich Rechnungen unter Freunden aufteilen lassen. Ein Foto des Kassenbelegs wird wahrscheinlich genügen, den Rest soll dann die KI erledigen (so berichtet es zumindest Bloomberg ). Ich bin ja mal gespannt, wie Apple-Chef Tim Cook (65) das als Innovation verkaufen will. Solche Wer-schuldet-wem-wie-viel-Apps gibt es schließlich fast so lange wie das iPhone selbst. Richtig abgehoben ist bisher keine von ihnen: Selbst Marktführer Splitwise bringt es global nur auf läppische zehn Millionen monatliche User. Ist ja auch logisch: Eine Geizhals-App ist nicht gerade beziehungsfördernd. Schließlich gibt es kaum einen zuverlässigeren Stimmungskiller, als nach einem schönen Urlaub oder einem gemütlichen Abendessen die Centbeträge gegeneinander aufzurechnen. Da hilft auch Apples beste KI nicht.
Das war es für diese Woche. Wenn Ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet Euch gern unter financeforward@manager-magazin.de . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.
Viele Grüße
Eure Hannah Schwär
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