Bundeskanzler Friedrich Merz ist wieder zurück aus dem Sommerurlaub.
Berlin – Pfiffe, Buh-Rufe, Beschimpfungen: Der Kanzler-Urlaub ist zu Ende, der harte Alltag gleich wieder da. Am Nachmittag ist Merz mit dem Kanzler-Heli im Waldbrandgebiet in der Eifel gelandet, um sich bei den Einsatzkräften zu bedanken, die die größten Feuer in der Geschichte NRWs gelöscht haben. Direkt nach der Landung fuhr er mit Einsatzkräften in das betroffene Waldgebiet Hürtgenwald-Gey. Zurück im Ort bedankte der Kanzler sich erneut bei den Einsatzkräften. Seine Rede wurde immer wieder von schreienden und pfeifenden Demonstranten unterbrochen.
Mehrere Landwirte hupten mit ihren Traktoren aus Protest gegen den Kanzler. Vor Ort waren etwa 200 Bewohner, viele von ihnen hielten Anti-Merz-Plakate in die Luft. „Danke Helden – Merz abmelden“ steht auf einem von ihnen. Der örtliche Landrat Ralf Nolten (CDU) nahm den Kanzler in Schutz. Der habe sich frühzeitig während des Waldbrandes erkundigt, welche Unterstützung er brauche – und ob ein Besuch des Kanzlers Sinn ergeben würde. Doch die Einsatzkräfte hätten zunächst abgelehnt, ein örtlicher Feuerwehrmann habe es in der Lage so beantwortet: „Ich brauche keine Politiker – ich brauche jemanden, der einen Löschschlauch halten kann.“ Wenn das Feuer gelöscht sei, sei der Kanzler aber herzlich willkommen.
Der Kanzler da – der Protest gegen ihn auch: Eine Frau demonstriert im Hürtgenwald gegen Merz
Und dann wandte sich der Landrat direkt an die schreienden Demonstranten: „Nehmen Sie die negative Energie raus, machen Sie eine positive Energie daraus, treten Sie THW, der Feuerwehr, dem DRK bei, dann haben wir alle was davon.“ Der neben ihm stehende Kanzler klatschte daraufhin und rief mehrfach: „Sehr gut.“ Merz bedankte sich nochmals bei den Einsatzkräften – im Hintergrund waren erneut Pfiffe und Buhrufe zu hören. Merz reagierte direkt: Er werde nicht mit denen sprechen, „die rumschreien. Ich spreche mit denen, die nicht schreien. Ich spreche mit denen, die arbeiten. Ich spreche mit denen, die helfen. Ich spreche mit denen, die im Sinne unseres Gemeinwesens tätig sind.“
Die Spuren des Waldbrandes im Hürtgenwald
Im Anschluss an das Presse-Statement ging es für den Kanzler weiter in das örtliche Dorfgemeinschaftshaus zu einem Treffen mit Kräften von Polizei und Feuerwehr – begleitet von Protesten. Zu Ausschreitungen kam es aber nicht.
Zuvor gab es in den Wochen seiner Abwesenheit immer wieder Kritik und Fragen zu seiner Einsatzbereitschaft als Kanzler. BILD hat die Fakten:
Wie lange war der Kanzler insgesamt weg?Exakt drei Wochen und zwei Tage. Sein erster Urlaubstag war der 30. Juli, der Donnerstag nach der letzten Fraktionssitzung der Union, bei der Thorsten Frei (53, CDU) zum neuen CDU/CSU-Fraktionschef gewählt wurde. Sein letzter der gestrige Freitag (21. August). Merz verbrachte die Zeit in seinem Ferienhaus am Tegernsee (Oberbayern).
Der Bundeskanzler bei seiner Ankunft am Samstag in der Eifel
Nein. Geplant waren von Anfang an drei Wochen plus/minus ein paar Tage. Passiert ist in der Zeit so einiges: Heftige Waldbrände wüteten in Deutschland, am Flughafen Leipzig gab es eine Drohnen-Attacke, das Land diskutierte über die „Rente mit 63“ und über die Folgen des Anschlags auf den CSD in Berlin. Der wurde kurz vor Merz’ Urlaubsantritt verübt. Der Kanzler besuchte am Sonntag (26. Juli) noch den Ort des Attentats, hatte am Tag zuvor noch die Eröffnung der Wagner-Festspiele in Bayreuth besucht.
Hat Merz im Urlaub gearbeitet?Ja, und zwar täglich. Merz nahm zwar keine offiziellen oder öffentlichen Termine wahr (was die Grünen und Linken kritisierten), nach BILD-Informationen gab es aber jeden Tag eine strategische Lage-Videoschalte vom Urlaubsort Tegernsee mit dem engsten Team im Kanzleramt. Diese Besprechungen fanden wegen des Kanzler-Urlaubs jedoch nicht wie üblich um 8 Uhr, sondern erst um 8.30 Uhr statt. Wegen der akuten Krisen (Waldbrände, Drohnen-Attacke) telefonierte Merz mit verschiedenen Ministern – unter anderem mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Zudem leitete Merz per Video die Sitzung des Sicherheitsrats nach dem Drohnenangriff. Mit dem neuen Fraktionsvorsitzenden Frei telefonierte Merz unter anderem zur Vorbereitung der Kabinettsklausur nächste Woche.
Wer hat Merz im Urlaub besucht?Merz lud die neue Kanzleramtsministerin Nina Warken (47, CDU) für zwei Tage in sein Ferienhaus zum Grillen ein, besprach mit ihr die Agenda der nächsten Monate, etwa die anstehenden Reformen bei Rente und Pflege. Am vergangenen Donnerstag traf sich Merz noch heimlich mit dem österreichischen Bundeskanzler Christian Stocker (66) am Tegernsee.
War das der längste Kanzler-Urlaub aller Zeiten?Nein. Helmut Kohl (Kanzler von 1982 bis 1998) verbrachte regelmäßig im Sommer vier Wochen in St. Gilgen am Wolfgangsee (Österreich). Angela Merkel (2005–2021) war meist rund drei Wochen verreist. Ihr festes Ritual bestand aus einem Besuch der Bayreuther Festspiele und anschließenden Wanderurlauben in Südtirol oder auf Ischia. Olaf Scholz (2021–2025) ging ebenfalls gern wandern (in den Alpen), blieb meist rund zwei Wochen weg. Gerhard Schröder (1998–2005) verreiste in der Regel für zwei bis drei Wochen, am liebsten nach Italien oder Spanien.
Kanzler-Urlaub 1994: Helmut Kohl mit Ehefrau Hannelore am Wolfgangsee
Das Kanzleramt reagierte auf Anfragen zum Kanzler-Urlaub sehr zurückhaltend. Die Worte „Bundeskanzler“ und „Urlaub“ würden nicht zusammenpassen, erklärte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille. Nur weil jemand keine öffentlichen Termine habe, heiße das noch lange nicht, dass er auch die Füße hochlege. Und fast philosophisch: „Wenn man nicht weg ist, (…) kann man auch nicht wieder da sein.“
Katharina Dröge (41), Grüne-Fraktionsvorsitzende, kritisiert in BILD:„In einer Zeit solcher Krisen darf ein Bundeskanzler nicht einfach wochenlang im Urlaub abtauchen. Das Land hat unter tödlicher Hitze, brennenden Wäldern, ausgetrockneten Flüssen und russischen Anschlagsversuchen gelitten. Es ist unmöglich, dass der Kanzler es in dieser Zeit offenbar nicht als seinen Job angesehen hat, sich um irgendwas zu kümmern.“
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